Mr. Vinyl

Rockmusik bestimmt das Leben von Uwe Rapp

Uwe Rapp mit liebgewonnenen Schätzen von James Brown, Frank Zappa, Darryl Hall & John Oates sowie „Help“ von den Beatles. Foto: Andreas Weber
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Uwe Rapp mit liebgewonnenen Schätzen von James Brown, Frank Zappa, Darryl Hall & John Oates sowie „Help“ von den Beatles.

Das schwarze Gold ließ „Mr. Vinyl“ Uwe Rapp auch beruflich über vier Jahrzehnte nie los.

Von Andreas Weber

Remscheid. Im Januar 2020 begann Uwe Rapp in der frisch ins Leben gerufenen RGA-Serie „Meine erste Platte“, von Menschen und ihrer Musikleidenschaft zu erzählen. Nach etwas über einem Jahr regelmäßiger Artikel verabschiedete sich „Mr. Vinyl“ als gern gelesener Gastautor, um sich mehr auf seine wöchentliche Sendung als DJ bei Radio MyViertel zu fokussieren. Naheliegend, dass er nun selber ran muss: Seit wann grassiert bei Uwe Rapp das Fieber?

Die ersten Kicks holte er sich an der Fichtenhöhe, wo die Rapps lebten. Nachbar Rolf, ein paar Jahre älter, hatte Platten, hörte Stones, Beatles und Presley. Und Jung-Uwe lauschte mit. „Denn die Türen standen offen, das war normal.“ Den 45 und 33 Umdrehungen näherte sich Rapp, als ihm seine Mutter mit 12 Jahren ein ersteigertes und gebrauchtes Transistorradio schenkte. „Als ich das angemacht habe, lief BFBS. Das war mein Glück.“

Speziell die britischen Charts, samstags von 10 bis 12 Uhr, wurden sein Ohrenschmaus. Vater Erich unterstützte Uwe und kredenzte dem Sohnemann die ein oder andere Scheibe. Für einen Fünfer erstand Papa bei Radio Gerling am Bahnhof Single Nr. 1: „My generation“ von The Who. Das war 1966 und der Startschuss für eine stattliche Plattensammlung, die heute ihren Platz im Keller seines Hauses in Hasten hat. „My generation“ ist über 50 Jahre später nicht mehr aufzufinden, Uwes erste Langrille, „Help“ von den Beatles, steht freilich bis heute griffbereit im Regal.

Schon sein einstiges kleines Kinderzimmer, abgezwackt durch eine Trennwand von der Küche, atmete Musik. Auf einem Holzbrett nebeneinander standen Tonbandgerät, Dual-Plattenspieler und das Radio. „Immer wenn Geld da war, habe ich es in weitere Platten angelegt.“ Erste Wahl beim Stöbern und Kaufen war Radio Weller. „19 Mark die Langspielplatte, 24 Mark ein Doppelalbum“, erinnert sich Uwe Rapp. 1975 wurde aus der Rockmusik langsam mehr. Chris Luhn eröffnete das „ZackZack“ am Zentralpunkt. „Die Freaks waren schnell da, und auch ich war Kunde der ersten Stunde.“

Die Preisbindung fiel, in Holland wurde vom Chef eingekauft und so standen in dem kleinen, exquisiten Laden Solo-LPs für 14, Doppelalben für 19 Mark. Nicht nur gängiges Chart-Einerlei, wie es Weller im Sortiment führte. „Im ‘ZackZack’ habe ich als Erstes von Joe Walsh ‘So what’ erstanden“, erinnert sich Rapp. Das „ZackZack“ zog weiter, erst an die obere Allee mit Leo Schönhals als Partner, dann an die untere Allee gegenüber vom Kaufhof in die 1. Etage. 1977 stieg Uwe Rapp ins Geschäft als stiller Teilhaber ein. „Ich hatte damals als Fußballer gutes Geld verdient.“ Er investierte es in das schwarze Gold. Vinyl war schwer gefragt, „ZackZack“ expandierte nach Solingen, wo Uwe Rapp das Geschäft Am Werwolf, später am Eiland betreute, irgendwann im monatlichen Städte-Wechsel mit Luhn und seiner damaligen Ehefrau Gudrun.

„Als ich das Radio anmachte, lief BFBS. Das war mein Glück.“

Uwe Rapp über die Anfänge

Uwe Rapp erinnert sich gerne an die Zeit mit den Mitarbeitern Barbara Zörb, Frank Grawert, Josie Caradonna und diversen Aushilfen. „Reich sind wir nicht geworden, aber Spaß hat es total gemacht.“ Ende der 80er zog der Kultladen, der bis heute Plattenliebhabern ein Lächeln auf die Lippen zaubert, zum Markt. Dort hatte das „ZackZack“ erstmals ein Schaufenster. Das „ZackZack“ war stets Treffpunkt, auch Ticketshop und selber Veranstalter.

Unvergessen der 20. April 1982, als das „ZackZack“ in der Aula der Leibnizschule (heute AES) die NDW-Heroen Fehlfarben zur Eröffnung ihrer Deutschland-Tournee präsentierte. Der Eintritt kostete zwölf Mark. „Schade nur, dass an dem Abend einige Stühle zerdeppert wurden, danach fanden dort keine Konzerte mehr statt“, meint Uwe Rapp mit einem Grinsen. Anfang der 90er Jahre stieg Rapp aus. „Die CD boomte, Vinyl lag im Sterben, die Baustelle am Markt war ein Fiasko für uns, das Allee-Center machte auf mit einem Elpi-Laden.“ Als Elpi verschwand und Saturn einzog, erhörte Rapp den Ruf des Konzerns, der zuvor mehrmals bei ihm angefragt hatte, ob er nicht als Verkäufer anfangen wolle. 19 Jahre blieb er dort, bis zu seiner Pensionierung mit 63 Jahren. „41 Jahre habe ich nur Musik verkauft“, meint Rapp, der mal Industriekaufmann bei den Stadtwerken gelernt hatte. Wer ihn inmitten von Schallplatten erleben will, besuche – nach Corona – die Börsen, die er an der Seite von Maximilian Süss im „Löf“ organisiert.

Kein Jäger

Auch wenn man es nicht glaubt: Ein beinharter Sammler war Uwe Rapp nie. „Ich bin nicht der Typ Jäger, der jede Pressung, jedes Reissue besitzen muss, ich will nur Musik genießen.“ Über all die Jahre, als er an der Quelle saß, kaufte er nie wie ein Besessener. Nur eine Sammlung hat er als Yacht-Rock-Fan komplett: Darryl Hall & John Oates. „Ich habe sie 1976 erstmals im Musikladen Extra im deutschen Fernsehen gesehen und finde sie seither genial.“

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