In der Falknerei ist tierisch was los

Riesenseeadler Grobi ist von seiner Tour zurück in Grüne

Da ist er wieder, der Ausreißer: Grobi ist nach seiner Flugtour nach Ungarn wieder zu Hause in Grüne.
+
Da ist er wieder, der Ausreißer: Grobi ist nach seiner Flugtour nach Ungarn wieder zu Hause in Grüne.

Die Gänsegeier haben Küken bekommen.

Von Michelle Jünger

Zutraulich: Carola Schossow mit einem Falken auf ihrem Arm (rechts).

Remscheid. Drei Länder in 35 Tagen: Tausend Kilometer von der Heimat entfernt, tauchte der vermisste Riesenseeadler Grobi aus der Falknerei Bergisch Land in Budapest auf. Und nun ist er zurück in Grüne. Carola Schossow ist froh, dass ihr Schützling wieder zu Hause ist. Fischer haben ihn in Ungarn gefunden. „Grobi saß wohl völlig entkräftet und hungrig da, sie haben ihn eingefangen und in den Budapester Zoo gebracht“, erzählt die Inhaberin der Falknerei. Hinzu kam, dass Grobi gerade in der Mauser ist und schlichtweg nicht mehr abheben konnte.

Der Tierarzt in Budapest habe Grobis geschwächte Verfassung bestätigt – er wog nur 3,3 Kilogramm. „Mittlerweile wiegt er wieder etwa 5 Kilo, das ist normal für ihn“, sagt Carola Schossow erleichtert. Grobi wurde mit reichlich fetthaltigem Fisch wie Lachs aufgepäppelt und hat sich nun nach einer Woche daheim wieder ganz gut eingewöhnt. Am Anfang sei er sehr erschöpft und nervös gewesen, sagt die Falknerei-Inhaberin. Auch jetzt ziert er sich gerade noch etwas vor Fremden. Tatsächlich war ein Krähenangriff der Grund für Grobis Flucht. „Da geht es schon echt zur Sache, und wenn wir nicht schnell genug mit dem Köder da sind, dann flüchten die Tiere leider“, erklärt Schossow. Meistens klappe es jedoch, die Tiere abzulenken und von den Krähen wegzulocken.

Die Gänsegeier haben zum ersten Mal überhaupt Nachwuchs bekommen. Das Küken Dinoso wird von seiner Mama mit Argusaugen bewacht.

Und so nahm Grobi eine längere Reise auf sich, flog quer durch Deutschland und machte zunächst einen Zwischenstopp in Österreich. Dort hatte er zwei Wanderer gefunden und anscheinend um Essen angebettelt, wie sich später herausstellte. „Die Wanderer sind über Facebook auf unsere Geschichte aufmerksam geworden und haben uns sogar Fotos mit Grobi geschickt“, erzählt Schossow. Von da aus sei er dann nach Ungarn weitergeflogen. Der Rücktransport gestaltete sich leider auch etwas komplizierter – die Pandemie erschwert das Reisen zurzeit. Aber ein Unternehmen, das auf Zootiertransporte spezialisiert ist, habe Hilfe angeboten und sich auch um den „gesamten Papierkram“ gekümmert. Inklusive Gesundheitszeugnis konnte Riesenseeadler Grobi so wieder nach Remscheid gebracht werden – in einem zwölfstündigen Nachttransport.

Nach nur wenigen Tagen konnte die Falknerei auch wieder anfangen, mit Grobi zu trainieren, allerdings nur in der Voliere. „Im Freiland lassen wir ihn erst fliegen, wenn der neue Sender auch einwandfrei funktioniert“, erklärt Schossow. Grobi hat durch seine Ausbüx-Aktion große Aufmerksamkeit im Internet erzeugt. Der Remscheider Riesenseeadler wurde zum Internetstar.

Und auch so ist tierisch was los in der Falknerei Bergisch Land. Das Gänsegeierpaar hat nämlich Nachwuchs – eine kleine Sensation. Denn es ist das erste Gänsegeierküken für die Falknerei, die darauf zurecht stolz sein kann. „Die meisten Züchter sagen, dass das erste Ei nicht befruchtet wird. Aber bei uns hat es direkt funktioniert.“

„Ich darf nicht mal in die Nähe.“

Carola Schossow über den Beschützerinstinkt der Gänsegeier

Am 23. April ist der kleine Gänsegeier geschlüpft. Carola Schossow hat das Küken bisher nur über die installierte Kamera oder von der Leiter aus gesehen, noch lebt es im Nest in der Voliere. Es ist zwar das erste Küken für das Geierpaar, aber das Familienleben läuft gut. Sie fressen zusammen und kümmern sich hervorragend um den Nachwuchs. „Sie sind auch sehr beschützerisch, ich darf nicht mal in die Nähe“, sagt Schossow. Soweit sie aber beurteilen könne, gehe es dem Küken gut und es sei bereits sehr groß geworden. Es hat auch schon einen Namen: Dinoso. „Wir wissen noch nicht genau, ob es ein Männchen ist, wir gehen aber davon aus.“

In wenigen Tagen muss sich Carola Schossow aber doch einmal ans Nest wagen und den Kleinen aus der Obhut seiner Eltern holen, denn er soll beringt werden und sein erstes Training erhalten. Dinoso muss dabei für Leckerchen hinter seinen Trainern herlaufen. Früh übt sich eben auch bei Greifvögeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Michael Wellershaus: „Täter sind skrupellos und professionell“
Michael Wellershaus: „Täter sind skrupellos und professionell“
Michael Wellershaus: „Täter sind skrupellos und professionell“
Pensionslasten für die Stadt werden weiter steigen
Pensionslasten für die Stadt werden weiter steigen
Pensionslasten für die Stadt werden weiter steigen
51-Jähriger verletzt sich bei Unfall schwer
51-Jähriger verletzt sich bei Unfall schwer
51-Jähriger verletzt sich bei Unfall schwer
Morsbach: Anwohner suchen Gespräch mit dem Wupperverband
Morsbach: Anwohner suchen Gespräch mit dem Wupperverband
Morsbach: Anwohner suchen Gespräch mit dem Wupperverband

Kommentare