Herkulesstaude

Freiwillige bekämpfen Giftpflanze in Remscheid

Die Herkulesstaude wächst in den Bachtälern Remscheids.
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Die Herkulesstaude wächst in den Bachtälern Remscheids.

Die Stadt kommt gegen die Herkulesstaude kaum noch an, da helfen private Initiativen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. 2008 wurde der Herkulesstaude eine durchaus fragwürdige Ehre zu Teil, sie wurde zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Die Auszeichnung, vergeben von einem Botanischen Garten in Hamburg, soll auch auf die Gefahren hinweisen, die von der jeweiligen Pflanze ausgehen. Heute, gute 13 Jahre später, ist die Staude immer noch weit verbreitet und gerade an sonnigen Tagen für Menschen gefährlich. Dietfried Auras hat sich vorgenommen, daran zumindest in Remscheid etwas zu ändern.

Bereits im vergangenen Herbst hat der pensionierte Lehrer die Bestände der Herkulesstaude und anderer invasiver Arten in Remscheid in einer Karte erfasst. Seit einigen Wochen legt er zusammen mit anderen Hand an: In kleinen Gruppen schwärmen die Freiwilligen aus, um die Herkulesstauden nicht nur abzumähen, sondern auch den Rest der Pflanze aus dem Boden zu entfernen. Denn nur so werde dauerhaft verhindert, dass sie sich nicht doch noch fortpflanzt, sagt Auras. Einen ersten Erfolg kann er bereits vermelden: Das Eschbachtal sei weitgehend von der Staude befreit.

Bevor er loszog, habe er sich das Okay der Unteren Naturschutzbehörde, die bei der Stadtverwaltung angesiedelt ist, geholt, berichtet Auras. Von der würde er sich grundsätzlich mehr Engagement gegen die Herkulesstaude wünschen: „Die Verwaltung ist verpflichtet, sie zu bekämpfen, insbesondere da, wo der Aufwand vertretbar ist.“

Remscheid: Verwaltung kann die Herkulesstaude nicht ohne Hilfe bekämpfen

Doch das sei gar nicht leistbar, sagt Thomas Friese, der stellvertretender Abteilungsleiter der Unteren Naturschutzbehörde: „Das ist wie der Kampf gegen das Hochwasser, wenn die Fluten kommen, kann man kaum noch was machen.“ Deswegen gehe die Stadt im Wesentlichen nur da gegen die Pflanze vor, wo Gefahr für Menschen drohe, in der Innenstadt, an Wanderwegen und an Rastplätzen zum Beispiel. „Mehr ist nicht zu leisten. Und auch nicht zu bezahlen.“

Zweimal schon waren die Freiwilligen im Eschbachtal aktiv. Nun werden Mitstreiter gesucht.

Die Herkulesstaude, die ursprünglich aus dem Kaukasus stammt, verbreitet sich extrem schnell und erfolgreich, dabei verdrängt sie nahezu jede andere Art. Eine ausgewachsene Pflanze kann mehrere Zehntausende Samen bilden, die auch Jahre später noch auskeimen können. Und die zudem schwimmfähig sind. „Ein Blütenstand und ein kleines Hochwasser und das ganze Morsbachtal ist voll damit“, sagt Thomas Friese.

Ein Blütenstand und ein kleines Hochwasser und das ganze Morsbachtal ist voll damit.

Thomas Friese über die Ausbreitung der Pflanze

Trotzdem entwickle die Stadt Konzepte, so Friese. Freiwillige der Biologischen Station gingen punktuell gegen die Pflanze vor. Außerdem gebe es Kooperationen mit Landwirten und Schafhaltern: „Manche besonders robuste Schafsarten fressen die Stauden sogar.“

Zudem unterstütze man private Initiativen wie die von Dietfried Auras, sagt Thomas Friese. Nicht zuletzt, indem man auf die Gefahren hinweise: Der Saft der Pflanze kann unter Sonneneinstrahlung zu allergischen Reaktionen auf der Haut führen, die im schlimmsten Fall wie großflächige Verbrennungen erscheinen. Deswegen ist ein Kontakt nur mit einem entsprechenden Schutz möglich.

Wer den Kampf gegen die Herkulesstaude antritt, braucht die richtige Ausrüstung

„Dichte Kleidung, chemiefeste Handschuhe, so etwas hat man zu Hause, wenn man einen Garten hat“, sagt Dietfried Auras. Auch die notwendige Spitzhacke sei meist zur Hand. Fehlen würden hingegen noch Freiwillige. Die beim Beseitigen der Pflanzen helfen. Und die später auch die Nachkontrolle übernehmen. „Was ich mir wünschen würde, sind so eine Art Patenschaften.“ So könnten Einzelpersonen oder Gruppen die Verantwortung für bereinigte Bereiche übernehmen und dort die Rückkehr der Staude verhindern. „Oder man überwacht einen Bereich, in dem man die Staude duldet, dass sie sich nicht darüber hinaus ausbreitet.“

Wer mitmachen will, könne sich gerne per E-Mail melden (diau10@gmx.de), sagt Dietfried Auras. Den „Segen“ der Naturschutzbehörde haben die Ehrenamtler, wie Thomas Friese betont: „Engagierte im Naturschutz kann man nie genug haben.“

Hintergrund

Die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau genannt, ist ein sogenannter Neophyt. Die Pflanze breitet sich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes aus und verdrängt dabei andere, eigentlich heimische Arten. Dabei wurde die Pflanze Anfang des 20. Jahrhunderts bewusst nach Europa eingeführt, sie galt als dekorativ und gut für Bienen. Heute ist sie in ganz Europa und Teilen Nordamerikas zu finden.

Standpunkt: „Gutes“ Beispiel

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Als die Herkulesstaude Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa geholt wurde, geschah dies auch, weil man der Pflanze positive Eigenschaften zuschrieb. Man dachte zum Beispiel, sie könne Böschungen befestigen. Heute wissen wir: Das tut sie nicht, eher im Gegenteil. Und selbst der erhoffte Nutzen als Bienenweide fällt eher gering aus – die Staude ernährt eher Mist- als Honigbienen. Dafür werden wir der Herkulesstaude heute kaum noch Herr. Sie gefährdet die Gesundheit von Menschen. Und drängt die eigentlich hier heimische Pflanzenwelt zurück, mit zum Teil dramatischen Folgen für Bio-Systeme. Damit bleibt die Herkulesstaude ein „gutes“ Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die Menschheit allzu sehr in der Natur herumpfuscht. Die Menschen, die vor fast 150 Jahren die Stauden in ihren Gärten anpflanzten, konnten das vermutlich nicht wissen. Diese Entschuldigung haben wir heute für ähnlich weitreichende Eingriffe in unsere Natur nicht mehr.

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