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In Remscheid wird zu wenig gebaut

Auf dem ehemaligen Gelände der Grundschule Eisernstein sollen Wohnhäuser entstehen.
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Auf dem ehemaligen Gelände der Grundschule Eisernstein sollen Wohnhäuser entstehen.
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Stadtteilserie: In der Lüttringhauser Altstadt haben Wohnungssuchende noch Chancen.

Von Axel Richter

Remscheid. Nicht weit vom nächsten Bahnhof sollte sie sein. Trotzdem schön gelegen und einzurichten. Und natürlich nicht zu teuer für das Studentenpaar. „Wir hatten schon klare Vorstellungen von unserer gemeinsamen Wohnung“, sagt Jannik Wenzel.

Die Suche danach machte das nicht gerade leichter. Dass er mit seiner Freundin doch noch in Remscheid fündig wurde, nennt der 25-Jährige deshalb ein großes Glück: „Für uns ist es die perfekte Wohnung.“

Die perfekte Wohnung liegt in Lüttringhausen. Weil er in Köln und sie in Wuppertal studiert, wollten beide Remscheid die Treue halten. Doch die Suche nach einen gemeinsamen Zuhause war ernüchternd und wurde gekrönt von einem Besichtigungstermin in der Lenneper Altstadt. Die Altbauwohnung, die zuvor im Internet angepriesen wurde, hatte mit dem Objekt in der realen Welt nämlich gar nichts zu tun. „Den Balkon gab es gar nicht mehr“, erzählt Jannik Wenzel. „Dafür eine Balkontür, die ins Nichts führte.“

Der Wohnungsmarkt in Remscheid hat vielerlei zu bieten. Ob es eine Wohnung zur Miete sein soll, eine Eigentumswohnung oder der Traum vieler Familien, das Häuschen im Grünen. Lüttringhausen ist besonders gefragt. Die Nachfrage für das neue Baugebiet Am Schützenplatz übersteigt das Angebot deshalb deutlich. Wer dort bauen darf, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit im Sommer das Los entscheiden. Für die zwei Mehrfamilien- und die 17 Einfamilienhäuser, die auf dem Grundstück der einstigen Grundschule Eisernstein entstehen sollen, gibt es bis heute mehr als 150 Interessenten.

„Wir müssen im Bestand sanieren, wir müssen aber auch neue Baugebiete ausweisen.“

Peter Heinze, Baudezernent

Wer leer ausgeht, findet in Lüttringhausen so bald keine Alternative. Es gibt keine weiteren Neubaugebiete in vergleichbarer Größe. Die Preisspirale treibt das weiter an. Wer in Lüttringhausen ein Haus kaufen möchte, muss nach Recherchen der Firma Immowelt aktuell 3197,93 Euro pro Quadratmeter ausgeben. Tatsächlich stellen Quadratmeterpreise von bis zu 3800 Euro und mehr keine Ausnahme mehr da, sagt Frank Rütten. Seit 28 Jahren bewegt sich der Makler vom Büro Rütten & Heldt auf dem Remscheider Grundstücksmarkt. Die aktuelle Entwicklung nennt er ungesund. „In Remscheid wird zu wenig gebaut“, sagt er und fordert eine „Verwaltung, die diesbezüglich stärker in die Offensive geht “.

RGA vor Ort - Der Blick in die Stadtteile

Remscheids Baudezernent Peter Heinze kennt die Forderung aus der Bauwirtschaft. Und ist mit ihr einer Meinung: „Wir müssen im Bestand sanieren, wir müssen aber auch neue Baugebiete ausweisen“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Knusthöhe. Die gehört zu Lennep, ist für bauwillige Lütttringhauser allerdings nicht weniger interessant. Dass die Felder nördlich der Albert-Schmidt-Allee absehbar zum Neubaugebiet werden, zeichnet sich allerdings nicht ab. Der Grund: In der Rathaus-Ampel, die im Stadtrat die Mehrheit bildet, sind die Grünen dagegen.

Wer auf die Knusthöhe nicht warten möchte, zieht weg. Oder er wohnt weiter zur Miete. Zum Beispiel in der Lüttringhauser Altstadt. Wie in der Lenneper Nordstadt zwischen Ringstraße und Kölner Straße gibt es dort heute viele Leerstände. „Das Wohnungsangebot passt nicht mehr zur Nachfrage“, sagt Peter Heinze. Das heißt, die vorhandenen Wohnungen erfüllen in Qualität und Zuschnitt nicht mehr die Ansprüche, die die Menschen heute an sie stellen. Dafür sind die Mieten im Vergleich zu den umliegenden Metropolen günstig. In Lüttringhausen liegt der aktuelle Mietspiegel bei 6,86 Euro pro Quadratmeter, was auf Stadtebene schon wieder teuer ist. Am Hasenberg werden nur 5,23 Euro fällig.

„Bei der Suche nicht nur auf ein Pferd setzen.“

Jannik Wenzel

Wer in Remscheid eine Mietwohnung sucht, der wird auch eine finden. So lautet das Credo der vom RGA befragten Experten. Vorausgesetzt, er ist zu Kompromissen bereit. „Wenn Sie in den Wohnungsportalen die Suche zu sehr eingrenzen, werden Sie auch nur sehr eingegrenzt fündig“, sagt Oliver Gabrian, Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Gewag, mit 6200 Wohnungen in Remscheid, Burscheid, Wermelskirchen und Radevormwald einer der größten Vermieter im Bergischen Land.

Kompromiss musste schließlich auch Jannik Wenzel eingehen. „Ich bin ein Lennep-Fan, wir wären gern nach Lennep gegangen“, sagt er. Doch vom Angebot in der Altstadt bedient, fand das Paar in Lüttringhausen, wonach es suchte. Nicht weit vom Bahnhof entfernt, trotzdem schön gelegen. Und auch nicht zu teuer. „In Köln würde ich dafür jedenfalls das Doppelte zahlen“, sagt der angehende Lehrer, den der RGA übrigens als Praktikant in einer deutschen Schule in Peru erreichte.

Was der Student anderen mit schmalem Budget rät? „Bei der Suche nicht nur auf ein Pferd setzen“, sagt Jannik Wenzel: „Und nicht das erstbeste Angebot annehmen aus Sorge, am Ende ohne Wohnung dazustehen.“

So geht's weiter

Am Mittwoch werfen wir einen Blick auf das Thema Arbeit in Lüttringhausen. Der Stadtteil ist geprägt durch eine bunte Mischung an Gewerbe, aber auch durch zwei große institutionelle Arbeitgeber, die zusammen fast 1400 Jobs bieten.

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