Umfrage zum Namenszusatz

RGA-Leser sind für Werkzeug- und Röntgenstadt

Die RGA-Leser würden gerne auf den Ortsschildern den Zusatz „Werkzeug- und Röntgenstadt“ lesen. Fotomontage: Michael Sieber/Andreas Kratz
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Die RGA-Leser würden gerne auf den Ortsschildern den Zusatz „Werkzeug- und Röntgenstadt“ lesen.

Vorläufiges Ergebnis der Umfrage zum Namenszusatz auf den Ortseingangsschildern.

Von Axel Richter

Remscheid. Geht es nach den RGA-Lesern, dann steht in Zukunft zusätzlich Werkzeug- und Röntgenstadt auf den Ortseingangsschildern in Remscheid. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Umfrage, die der Tüpitter auf seine Homepage gestellt hat: „Welcher Namenszusatz würde Remscheid am besten charakterisieren?“, hatte der RGA gefragt. Das Ergebnis ist eindeutig.

Werkzeug- und Röntgenstadt, Röntgenstadt und Werkzeugstadt hießen die Vorschläge, die zur Auswahl standen. Bis heute nahmen über 360 Leserinnen und Leser an der Umfrage teil. Weit mehr als an einer Umfrage, mit der sich die Stadt Remscheid vor nun annähend zehn Jahren an die Bürgerinnen und Bürger wandte.

Für seine Werkzeugindustrie ist Remscheid weltbekannt, und in der alten Kreisstadt Lennep kam 1845 der große Wilhelm Conrad Röntgen zur Welt. Die meisten Teilnehmer finden, dass die Großstadt sich mit beidem schmücken darf. 140 Leserinnen und Leser stimmen für die Kombination Werkzeug- und Röntgenstadt. Da entspricht annähernd 39 Prozent der Teilnehmer. 95 Stimmen entfallen auf den Namen Röntgenstadt (27 Prozent), 74 Stimmen auf Werkzeugstadt (20 Prozent). Keinen der Vorschläge möchten 49 Teilnehmer (14 Prozent) auf den Ortsschildern sehen.

Solingen schmückt sich seit Jahren mit dem Begriff Klingenstadt, Hückeswagen trägt stolz den Namen Schloss-Stadt auf seinen Ortsschildern, Radevormwald nennt sich Stadt auf der Höhe und Wipperfürth kurz Hansestadt. Wie Wermelskirchen blieb dagegen auch Remscheid bis heute ohne Namenszusatz, was nicht heißt, dass es keine Vorschläge gegeben hätte.

Ein Aufruf, mit dem sich die Stadt im November 2011 an ihre Bürgerinnen und Bürger gewandt hatte, endete indes in einem mittleren Fiasko. Binnen sechs Wochen gingen gerade einmal 81 Anregungen ein. Am Ende stand ein „desaströses und in keiner Weise repräsentatives Ergebnis“, wie Stadtsprecherin Viola Juric später rückblickend urteilte.

Eine zügige Entscheidung zeichnet sich nicht ab

24 Remscheider hatten für den Zusatznamen Werkzeugstadt, 23 für Röntgenstadt gestimmt, 16 für die Seestadt auf dem Berge. Der Rest verteilte sich auf weitere Vorschläge, darunter viele nicht ernst gemeinte. Danach stand für die Verwaltung fest: Das ist keine Grundlage für eine so weitreichende Entscheidung, Remscheid sollte vorläufig keinen Zusatznamen erhalten.

Spätere Neuversuche wie Drei-Talsperren-Stadt oder Museenstadt trafen in der Politik erst auf gar keine Resonanz mehr. Nun hat Mitte Juni die Wählergemeinschaft WiR die Diskussion um den Namenszusatz wieder auf die Tagesordnung gebracht. Eine zügige Entscheidung zeichnet sich aber nicht ab. Im Gegenteil werden die Mechanismen von damals wieder bemüht. Auf Vorschlag von SPD-Ratsfraktionschef Sven Wolf soll es eine Bürgerbefragung geben. Auf Vorschlag von OB Burkhard Mast-Weisz werden sich die Politiker damit aber nicht vor September beschäftigen.

Namenszusatz

Seit dem Oktober 2011 dürfen die Städte in Nordrhein-Westfalen auf ihren Ortseingangsschildern zusätzlich zum Städtenamen eine weitere Bezeichnung führen. Mit dem Namenszusatz können die Städte auf ihre Geschichte oder ihre heutige Bedeutung hinweisen. Viele Städte machen davon Gebrauch und werben damit nicht nur auf ihren Ortsschildern, sondern zum Beispiel auch auf Touristikmessen.

Standpunkt: Mutlose Politiker

Kommentar von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Politiker, die Entscheidungen treffen, laufen Gefahr, damit anzuecken. Wer das nicht will, gibt die Entscheidung an die Bürger zurück und zieht sich damit aus der Affäre. So war es 2013, als die Ratsmitglieder entschieden, die Remscheider selbst über einen zusätzlichen Namen für ihre Heimatstadt entscheiden zu lassen. Und so soll es nun wieder sein. Das ist nicht nur mutlos, es wird auch der Verantwortung von Politik nicht gerecht. Seit 2011 hat die Stadt die Möglichkeit, mit einem Namenszusatz auf sich aufmerksam zu machen. Als Stadt, deren Unternehmen zu den besten Werkzeugproduzenten der Welt zählen. Als Stadt, deren größter Sohn die nach ihm benannten Röntgenstrahlen erfunden hat. Als Stadt der Bandwirker oder als Seestadt auf dem Berge, die so genannt wurde, weil ihre Produkte in alle Welt verschifft wurden und die damit beispielhaft für made in Germany steht. Alles ließe sich mit Stolz auf die Ortseingangsschilder von Remscheid schreiben, zu nichts haben sich die Politiker entscheiden können. Oder besser nicht entscheiden wollen. Man könnte ja Gefahr laufen, damit anzuecken.

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