Krude Thesen fallen nicht auf fruchtbaren Boden

Repräsentative Umfrage: Querdenker sind laut, aber in der Minderheit

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Von wegen Spaltung der Gesellschaft: Es ist nur eine laute Minderheit, die den Kampf gegen Corona ablehnt und deshalb auf die Straße geht.

Von Axel Richter

Remscheid. Das zeigt der NRW-Check, eine repräsentative Umfrage der nordrhein-westfälischen Tageszeitungen mit dem Remscheider General-Anzeiger und dem Solinger Tageblatt. Das Geschwurbel von Impfgegnern, Querdenkern und Verschwörungsideologen fällt danach im Bergischen Land nicht auf fruchtbaren Boden.

Remscheid: Mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürger befragt

Für den NRW-Check befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von 38 Zeitungstiteln vom 26. November bis zum 7. Dezember mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürger – im Ruhrgebiet, in der Rheinschiene, im Bergischen Land und weiteren Regionen in Nordrhein-Westfalen. Die überregionalen wie lokalen Ergebnisse der repräsentativen Studie veröffentlicht der RGA in vier Teilen.

Der Klimaschutz ist für die Bergischen mit Abstand nicht das drängendste Problem

Die große Mehrheit der Wahlberechtigten in Remscheid, Solingen, Wermelskirchen, Burscheid, Radevormwald, Hückeswagen und den anderen Städten des Bergischen glaubt nicht, dass der Klimaschutz das wichtigste Problem ist. 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass andere Probleme mindestens genauso wichtig oder wichtiger sind. Insbesondere gilt das für den Kampf gegen Corona.

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog

Die meisten Bergischen wünschen sich schärfere Maßnahmen im Kampf gegen Corona

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64 Prozent der Befragten gehen die getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht weit genug. 15 Prozent halten sie für angemessen. 16 Prozent gehen sie zu weit. Dass die Landesregierung die Maskenpflicht in den Schulen aufgehoben hat, halten 70 Prozent für falsch. 60 Prozent sind für einen neuen Lockdown mit der Schließung von Geschäften und dem Verbot von Großveranstaltung bei weiter steigenden Infektionszahlen. Dass die neue Bundesregierung die epidemische Lage Ende November für beendet erklärt hat, finden dagegen 55 Prozent falsch.

Zwei Drittel der Bergischen wollen eine Impfpflicht für alle

Annähernd zwei Drittel der Befragten im Bergischen sprechen sich für eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona aus. 72 Prozent sind dafür, 22 Prozent dagegen. Eine noch größere Zustimmung findet der Vorschlag einer berufsbezogenen Impfpflicht für Pflegeberufe, Kita-Personal oder Lehrer. 76 Prozent sind dafür, 15 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Die steigenden Energiepreise beobachten die meisten Bergischen mit Sorge

65 Prozent der Menschen in Remscheid, Wermelskirchen, Solingen und den anderen Städten im Bergischen sehen ihren Haushalt durch die steigenden Energie- und Benzinpreise stark oder sogar sehr stark belastet. 29 Prozent fühlen sich etwas und nur ganz wenige (3 Prozent) überhaupt nicht belastet. Weit weniger sorgen sich die Bewohner der großen Metropolen um steigende Preise. In Düsseldorf und Köln etwa, wo die Menschen weniger auf das Auto angewiesen sind, geben nur jeweils 48 Prozent an, stark beziehungsweise etwas von steigenden Benzin- beziehungsweise Energiepreisen belastet zu werden.

Die Bergischen glauben mehrheitlich nicht an einen Erfolg der Energiewende

55 Prozent der Befragten halten einen vorgezogenen Ausstieg aus der Kohle als Energieträger bis 2030 für falsch. 21 Prozent befürchten neben steigenden Energiepreisen den Verlust von Arbeitsplätzen. 41 Prozent gehen zudem davon aus, dass es nicht gelingen wird, neue Unternehmen vor allem aus dem Dienstleistungsbereich im Bergischen Land anzusiedeln, um die aktuellen Schlüsselindustrien, wie die Stahlindustrie, zu ersetzen.

Die meisten Bergischen trauen den Parteien bei der Lösung von Problemen nur wenig zu

Dass die politischen Parteien die drängendsten Probleme im Land lösen, glauben nur wenige Befragte. Im Bergischen Land ist die Skepsis besonders hoch. 63 Prozent trauen es keiner Partei zu, mit den Problemen in NRW fertig zu werden. Nur 13 Prozent setzen auf die CDU, nur 10 Prozent auf die SPD. Grüne und FDP kommen lediglich auf 6 und 3 Prozent. Entsprechend unzufrieden zeigen sich die Menschen mit der Arbeit der schwarz-gelben Koalition in Düsseldorf. 72 Prozent stellen der Landesregierung ein schlechtes Zeugnis aus.

Beinahe 70 Prozent der Bergischen wollen weder den einen noch den anderen Ministerpräsidenten

Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schneidet gut einen Monat nach Übernahme der Amtsgeschäfte von Armin Laschet schlecht ab. Nur jeder Dritte zeigt sich mit seiner Arbeit zufrieden. Thomas Kutschaty (SPD) kann daraus jedoch kein Profit schlagen. Könnten die Wahlberechtigten in NRW ihren Ministerpräsidenten selbst wählen, würden sich 67 Prozent der Bergischen weder für Wüst noch für Kutschaty entscheiden. Nur 22 Prozent würden Wüst wählen. Thomas Kutschaty, dessen Frau im Remscheider Rathaus arbeitet, käme sogar nur auf 11 Prozent.

Die Ampel ruft bei den Bergischen gemischte Erwartungen hervor

Die neue Ampel-Regierung in Berlin betrachten die Bergischen mit einiger Skepsis. Immerhin 24 Prozent glauben daran, dass die Koalition aus SPD, Grünen und FDP für NRW eher Vorteile bringt, 22 Prozent erwarten eine nachteilige Entwicklung. 28 Prozent erwarten von der Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz keine Veränderung.

Bis zur Landtagswahl am 15. Mai 2022 werden für den NRW- Check drei weitere Befragungswellen folgen. Neben der „Sonntagsfrage“ erhebt Forsa im Auftrag der 38 Tageszeitungen mit einer durchschnittlichen wöchentlichen Gesamtreichweite in gedruckten wie digitalen Angeboten von rund 9,8 Millionen Leserinnen und Lesern dann erneut die Meinung der Menschen zu den wichtigsten landes- und bundespolitischen Themen.

Befragung

Beim NRW-Check handelt es sich um eine repräsentative Befragung unter Wahlberechtigten. Die vorliegenden Ergebnisse resultieren aus der ersten von vier Befragungsrunden. Befragt wurden 2009 Bürgerinnen und Bürger, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden.

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