Statt wegschmeißen

Reparaturcafé: Knösterpitter retten alte Schätzchen

Karl-Heinz Scheuer (l.) hat die alte Gewürzmühle, Karl-Jürgen Wasner (M.) den Dreimix wieder hinbekommen. Eddie Dickhage von der IG Hasenberg kümmert sich um die Organisation des Reparaturencafés. Es befindet sich im Hasenberger Weg 13a. Foto: Roland Keusch
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Karl-Heinz Scheuer (l.) hat die alte Gewürzmühle, Karl-Jürgen Wasner (M.) den Dreimix wieder hinbekommen. Eddie Dickhage von der IG Hasenberg kümmert sich um die Organisation des Reparaturencafés. Es befindet sich im Hasenberger Weg 13a.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Reparaturencafé öffnet jeden ersten Donnerstag am Hasenberg.

Remscheid. Die 37 Jahre alte Getreidemühle von Elodie Bergmann will Hellmut Heidenreich eigentlich gleich abschreiben. Das Kabel ist defekt. Doch Karl-Jürgen Wasner nimmt die Herausforderung gern an – am Ende bringt der gelernte Elektriker nicht nur die Getreidemühle wieder ans Laufen, sondern gleich noch den Dreimix und das Waffeleisen von Elodie Bergmann. „Ich finde das Reparaturencafé ganz toll. Ansonsten müsste man die Sachen ja wegschmeißen“, sagt die Besitzerin.

Und genau das soll mit dem Tüftlertreff am Hasenberg vermieden werden – Nachhaltigkeit ist ein Thema, das die Großeltern einst gelebt haben. Und das jetzt wieder voll im Trend ist – das Besinnen auf Werte, das Selbermachen und Reparieren tritt der Wegwerfmentalität entgegen. Wir erklären, was das Lenneper Reparaturencafé bietet.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit gibt es hier

Wann ist das Reparaturencafé immer geöffnet?

Jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 13 Uhr (Annahme bis 12 Uhr). So also wieder am 5. Mai. Das Lenneper Reparaturencafé befindet sich bei der IG Hasenberg, im Hasenberger Weg 13a. Die Interessengemeinschaft hat die Federführung für das ehrenamtliche Projekt übernommen, das von Eddie Dickhage koordiniert wird.

Was darf abgegeben werden?

Haushaltsübliche Kleingeräte wie Küchengeräte, Staubsauger, Nähmaschine, Spieluhren, CD-Player. Auch Batterien in Uhren tauscht das Team. Sogar Weihnachtsbeleuchtung, ferngesteuertes Auto, Kettensäge oder Rasenmäher waren dabei. „Für Letzteren müssen wir noch ein Ersatzteil bestellen“, sagt Leiter Hellmut Heidenreich, der betont: „Wir bemühen uns, aber alles kriegen wir auch nicht hin.“ Im Zweifel nehmen die Ehrenamtler das alte Schätzchen mit nach Hause in die Heimwerkstatt. Oder vermitteln weiter. Alles, was ein Kabel habe, bekomme man jedoch zu 90 Prozent wieder ans Laufen. Eine spezielle Wanduhr, die Heidenreich repariert hat, ist ihm im Gedächtnis geblieben: „Die Frau sagte danach amüsiert: ,Mein Mann wird sich ärgern, dass sie nun wieder schlägt.‘“

Wer repariert hier?

Drei Ehrenamtler im Rentenalter, die aber mehr Unruheständler sind. Der Knösterpitter Heidenreich, wie er sich selbst nennt, ist mit dem Tüfteln aufgewachsen: Sein Vater hatte eine kleine Fabrik. „Er hat mich mit dem Knöstern angesteckt.“ Nach dem Krieg hatte sich dieser im Keller für seine Lötlampen beispielsweise einen kleinen Schrank gebaut. Auch der Motorwechsel im VW Käfer wurde später natürlich selbst gemacht. Hellmut Heidenreich, der auch beim Reparaturcafé in der City hilft, hat zudem eine Modelleisenbahn.

Und was braucht man als Eisenbahner? Richtig, Werkzeug. Da ist klar, dass er auch eine Heimwerkstatt hat. Und so mancher Nachbar schon mal mit dem Bügeleisen vor der Tür steht und fragt: „Kannst du mal gucken?“ Karl-Jürgen Wasner und Karl-Heinz Scheuer sind beide gelernte Elektriker und kennen sich mit allem aus, was Kabel hat. „Letztens habe ich zwei Tischlampen repariert, bei denen die Touch-Funktion defekt war. Ich habe dann einen Druckschalter eingebaut, der auch wesentlich günstiger in der Anschaffung ist als ein neuer Elektronikbaustein“, berichtet Wasner. Denn nicht alles lohne sich.

Wie lange gibt es das Reparaturencafé schon?

Gegründet wurde es im September 2019. Ein halbes Jahr lang durften die Ehrenamtler die Tür öffnen – dann kam Corona. Nun konnte bereits zum dritten Mal wieder getüftelt werden. Allerdings hat der Zulauf noch Verbesserungspotenzial – und nicht jeder weiß, dass das Reparaturencafé wieder geöffnet ist. Die Ehrenamtler würden sich daher freuen, am 5. Mai noch mehr Kunden bei einer Tasse Kaffee begrüßen zu dürfen.

Reparatur gegen eine Spende

Kosten: Die Ehrenamtler reparieren kostenfrei – jedoch bitten sie um eine Spende. „Denn wir brauchen ab und zu neues Werkzeug. Meist handelt es sich um Spezialwerkzeug“, erklärt Heidenreich. Natürlich wird Remscheider Werkzeug verwendet. Ersatzteile, die Kunden den Ehrenamtlern schenken, gehen in die „Wundertüte“, den Second-Hand-Landen der IG.

Mitmachen: Tüftler, die mitmachen möchten, können sich bei Hellmut Heidenreich melden: Tel. 66 86 85.

Auch interessant: Remscheider Tüftler bauen motorisierte Bierkästen

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