Flüchtlingsdrama auf der Leinwand

Remscheiderin feiert Premiere als Co-Produzentin des Kurzfilms „Destination Paradies“

Stolz, dass „Destination Paradise“ erfolgreich Premiere feierte: Julie Weber in Prag bei der Vorstellung des Kurzfilms. Foto: Ondrej Skorepa
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Stolz, dass „Destination Paradise“ erfolgreich Premiere feierte: Julie Weber in Prag bei der Vorstellung des Kurzfilms.
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Schauspielerin Julie Weber war bei dem Film für Finanzierung, Projektentwicklung, Dreh, Postproduktion und Vermarktung verantwortlich. Bei all dem stellte die Corona-Krise eine vermeintlich unüberwindbare Hürde dar.

Remscheid. Eine tschechische Farm irgendwo im Nirgendwo, unweit der deutschen Grenze. Ein Schmuggler versteckt im Kuhstall den Inder Sikh. Der Flüchtling trifft auf Nicolai, einen Ukrainer, der für seinen Aufbruch in ein besseres Leben alles hinter sich gelassen und verloren hat. Ohne Dokumente sitzt Nicolai seit langem in der Einöde fest und blickt desillusioniert in eine Sackgasse ohne Ausweg. Der Kurzfilm „Destination Paradise“ erzählt die Geschichte von Hoffnung und Verzweiflung zweier Menschen, die für Millionen stehen und jedes Jahr aus Afrika und Asien ins gepriesene Europa aufbrechen.

Co-produziert wurde der ambitionierte Streifen von der Remscheiderin Julie Weber. In Prag feierte er im August vor fast 300 Besuchern Premiere. Die 26-jährige Schauspielerin aus Bergisch Born hat in ihrer Wahlheimat in Tschechien eine intensive Zeit hinter sich, die ihr bei ihrem Produktionsdebüt alles abverlangte. Corona ließ die Filmcrew durch ein Stahlbad gehen. „Eine Woche vor Drehbeginn im Februar hatten wir plötzlich keine Location mehr“, blickt Weber zurück.

Was sie heute nüchtern formuliert, sorgte vor einem halben Jahr für Pulsrasen. „Wir waren in Panik, denn die Farm in dem kleinen Ort Touzim, die für unseren Dreh gebucht war, hatte aus Angst, dass das Filmpersonal bei den ohnehin hohen Inzidenzen weitere Fälle einschleppt, abgesagt.“ In ihrer Not wandte sich Julie Weber an die Karlsbader Filmförderung. Und die sorgte dafür, dass die durch Crowdfunding ermöglichte Produktion ein Happy-End erlebte. An anderer Stelle in Touzim waren die Schauspieler, Kameraleute, Produzenten und Regisseur Eshaan Rajadhyaksha willkommen und konnten die Geschichte, die in einer Viehunterkunft spielt, drehen.

„Destination Paradies“: Filmcrew saß wegen des Lockdowns 120 Kilometer von Prag entfernt fest

„Wir hatten sogar die Unterstützung vom Bürgermeister, dem Hotel und auch die Polizei ließ uns in Ruhe.“ Ruhe brauchten vor allem die Stallnachbarn. „Wir waren zu einer Zeit da, als viele Kälber geboren wurden, und mussten sehr aufpassen.“ Nachdem die Aufnahmen im Kasten waren, baute sich vor den Filmemachern die nächste Hürde auf. „In der Woche, in der wir gedreht haben, wurde von der tschechischen Regierung eine Intensivierung des Lockdowns beschlossen mit dem Verbot, seinen Bezirk und nicht mal seine Wohnung zu verlassen“, erinnert sich Julie Weber.

Eine Woche vor Drehbeginn hatten wir keine Location mehr.

Julie Weber, Co-Produzentin

Jetzt saßen nicht nur die fiktiven Flüchtlinge, sondern die Filmcrew in der Falle. Wieder begann ein Nervenspiel. „Am Ende haben wir mit der Unterstützung eines Rechtsanwalts ein Dokument ausgestellt bekommen, das es uns erlaubte, ins 120 Kilometer entfernte Prag zurückzukehren.“ Schon im Vorfeld war es gelungen, das Projekt mit dem deutschen Schauspieler Arndt Schwering-Sohnrey und dem tschechischen Matthias Schweighöfer, Hynek Cermák aufzuwerten. „Es war wie bei Arndt ein Glücksfall, dass wir Hynek bekommen haben. Zu der Zeit war ganz Prag mit seinem Gesicht für seinen neuesten Film plakatiert. Für uns spielt er den Menschenhändler“, ist Julie Weber begeistert, Hochkaräter an Bord gehabt zu haben.

20 Minuten lang ist die finale Version in Englisch. „Das ist die richtige Länge für die internationalen Filmfestivals, wo ‘Destination Paradise’ 2022 vorgestellt werden soll“, erklärt Weber. Als Nächstes möchte sie einen Langfilm produzieren. Und dann will sie nicht nur für die Finanzierung, Projektentwicklung, Dreh, Postproduktion und Vermarktung mitverantwortlich sein, sondern eine Rolle als Schauspielerin übernehmen.

Kino wird gesucht

Als Nächstes möchte Julie Weber einen Langfilm produzieren. Und nicht nur für Finanzierung, Projektentwicklung, Dreh, Postproduktion und Vermarktung mitverantwortlich sein, sondern schauspielern. Zuvor möchte sie „Destination Paradise“ in ihrer Heimat vorstellen und die Entstehungsgeschichte erzählen. Ein Kino in Remscheid oder Wermelskirchen, wo Julie aufs Gymnasium ging, wird gesucht.

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