Warnsystem wird erweitert

Remscheider Feuerwehr will 14 Sirenen aufbauen

Die Feuerwehr setzt künftig auf ein neues Warnsystem, wenn es gilt, auf Gefahren hinzuweisen. Archivfotos: Tim Oelbermann/Doro Siewert
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Die Feuerwehr setzt künftig auf ein neues Warnsystem, wenn es gilt, auf Gefahren hinzuweisen.

Für den Ernstfall wird das Warnsystem mit stationären Anlagen erweitert.

Von Frank Michalczak

Die Signalanlagen sollen kreuz und quer auf Remscheider Ortslagen verteilt werden.

Remscheid. Die Remscheider Feuerwehr will 14 neue Sirenen aufbauen, die im Ernstfall die Bevölkerung warnen – etwa bei Hochwasser oder bei einem Großbrand. In drei Ausbaustufen sollen die Signalanlagen bis 2023 kreuz und quer auf Remscheider Ortslagen verteilt werden. Mit ihrer akustischen Leistungsstärke decken sie 80 Prozent des Stadtgebietes ab. „In den restlichen 20 Prozent kommen weiterhin unsere acht mobilen Sirenen zum Einsatz“, berichtete Katastrophenschutzexperte Sascha Ploch den Ortspolitikern im zuständigen Ausschuss für Bürgerservice, Ordnung und Sicherheit.

Dieser empfahl dem Stadtrat einstimmig, für den Sirenen-Kauf grünes Licht zu geben. Damit verbunden ist eine Rückkehr zu einem Warnsystem, das 1993 ausgedient hatte, wie Sascha Ploch erklärte. Damals wurde das bundesweite Sirenennetz abgeschaltet, weil sich die Sicherheitslage nach dem Umbruch in Osteuropa verbessert hatte. Der Bund bot nach Ende des Kalten Krieges den Kommunen an, die Sirenen zu übernehmen. Remscheid entschied sich dagegen und setzte auf ein mobiles Warnsystem. Das heißt: Die Sirenen werden zu den Einsätzen mitgenommen, um Aufmerksamkeit bei den Bewohnern im Umkreis zu wecken. „Aber das bindet doch Personal“, wunderte sich Roland Kirchner von der Wählergemeinschaft WiR.

„Es waren Menschenleben in Gefahr.“

Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan über das Hochwasser vom 14. Juli

Und auch hier liege ein Vorteil bei den stationären Sirenen, die an Gebäuden wie dem Lenneper Finanzamt, der Grundschule Mannesmann oder der Natur-Schule Grund aufgebaut werden sollen. Zudem hätten auch unterschiedliche Ereignisse in den letzten Jahren gezeigt, dass eine flächendeckende Warnung sichergestellt werden müsse – etwa bei Unwettern und Großbränden, führt die Feuerwehr aus.

Ein Beispiel dafür war das Hochwasser, das am 14. Juli vor allem das Morsbach- und Eschbachtal überflutete. „Wir mussten Vollalarm auslösen“, blickte Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan im Ausschuss zurück. Er zählte während und nach der Flut rund 200 Einsätze, wobei die Rettungskräfte Prioritäten setzen mussten. 15 Zentimeter Wasser im Keller seien zwischendurch nicht mehr relevant gewesen. „Es waren Menschenleben in Gefahr,“ führte Eul-Jordan aus. Dennoch sei es den 300 Kräften von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr gelungen, innerhalb von 24 bis 26 Stunden die Liste abzuarbeiten. „Manche Betroffenen waren in der Zwischenzeit selber zurechtgekommen.“

Remscheid: Kosten von 210.000 Euro entstehen

Rund 210.000 Euro muss die öffentliche Hand für die 14 Sirenen ausgeben, inklusive Kosten für den jeweiligen Gerüstbau. Dabei will die Stadt ein Förderprogramm des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nutzen, das mit rund 152.000 Euro einen Großteil der Investition übernehmen könnte. 58.000 Euro müsste dann noch die Kommune für die neuen Sirenen aufbringen.

Die noch „weißen Flecken“ auf der Sirenen-Karte seien in höchstens zehn Minuten von den mobilen Geräten erreichbar, erklärte Sascha Ploch. Sie befinden sich unter anderem in Holz, Ehringhausen, Falkenberg sowie entlegeneren Teilen von Hackenberg und Hasenberg.

Hier sollen sie hin

Geplante Standorte: Grundschule Hasten, Stadtsparkasse, Berufskolleg Neuenkamp, Finanzamt Lennep, Sporthalle Lüttringhausen (in der ersten Ausbaustufe). Sturberg II, Haddenbach, Stockder Stiftung in Vieringhausen, Grundschule Honsberg, Grundschule Mannesmann (zweite Ausbaustufe). Natur-Schule Grund, Grundschule Reinshagen, Jägerwald und Gerätehaus der Feuerwehr in Bergisch Born (dritte Ausbaustufe).

Standpunkt: Sie retten Leben

Von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Das Hochwasser vom 14. Juli hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unmissverständlich vor Augen geführt, wie wichtig im Katastrophenfall Warnsysteme für die Bevölkerung sind. Der Alarm kann Leben retten oder zumindest dazu beitragen, dass die Betroffenen das Wichtigste vor den Fluten in Sicherheit bringen können. Dazu dient die NINA-App auf dem Handy, die auf Gefahrenlagen in der Umgebung hinweist. Dazu dienen aber auch die guten, alten Sirenen, die nun in Remscheid vor einem Comeback stehen. Die Warnung auf dem Mobiltelefon kann man schnell mal übersehen. Die schrille Signalanlage an öffentlichen Gebäuden ist aber unüberhörbar. Dabei ist jedoch Aufklärungsarbeit nötig, was dieses Signal denn überhaupt bedeutet. Denn nur die etwas älteren Remscheider werden sich jener Zeiten erinnern, als es die stationären Sirenen noch gab – und regelmäßig Probealarm ausgelöst wurde. Auch daran werden wir uns wieder gewöhnen müssen. Die Sirenen kehren in die Geräuschkulisse zurück und werden ertönen, um zu testen, ob sie auch funktionieren. Denn im Ernstfall kommt es auf sie an.

Wegen Flutschäden im Morsbachtal: Die Sperrung ab Müngsten bleibt

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