Bis zu acht Wochen

Remscheider Fahrschüler müssen auf ihre Prüfung warten

Fahrlehrer Klaus Nosbüsch von der Fahrschule Schuirmann GmbH kämpft mit langen Wartezeiten. Foto: Roland Keusch
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Fahrlehrer Klaus Nosbüsch von der Fahrschule Schuirmann GmbH kämpft mit langen Wartezeiten.

Bis zu acht Wochen müssen Führerscheinanwärter warten, um ihr Theoriewissen zu beweisen.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Fahrlehrer Klaus Nosbüsch steht vor einem großen Problem: Seine Fahrschüler in der Fahrschule Schuirmann GmbH bekommen kaum Termine für ihre Führerscheinprüfung. „Früher hatten wir zwei Wochen Vorlaufzeit, mittlerweile warten wir vier bis fünf Wochen“, erklärt er. Eine Tatsache, die den Fahrschülern Schwierigkeiten bereitet. Die Ausbildung zieht sich in die Länge, jede zusätzliche Fahrstunde kostet. Und dabei gebe es noch „eine Riesenverzögerung wegen der Lockdowns“, erklärt Klaus Nosbüsch. Viele Fahrwillige melden sich aktuell für den Führerschein an. Dem Fahrlehrer fehlt die Planungssicherheit.

Vor ähnlichen Problemen steht Volker Dürholt von der Fahrschule Dürholt – allerdings bei der Theorieprüfung. „Wenn Sie jetzt eine Prüfung buchen, haben Sie die Ende Dezember“, sagt er. Sollte der Fahrschüler die Theorie dann nicht bestehen, müsse er wieder zwei Monate warten. „Wir wissen also gar nicht, wann wir anfangen sollen, zu fahren“, erklärt Dürholt. Die Verzahnung zwischen Theorie und Praxis fehle momentan.

„Seit Corona brummt es in den Fahrschulen.“

Kurt Bartels, Fahrlehrerverband

Das Problem besteht deutschlandweit, erklärt Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein. Die Corona-Pandemie habe die Situation verschärft. Zeitweise fanden überhaupt keine Prüfungen statt. „Wir haben die große Hoffnung, dass sich die Lage zum Jahresende entspannt“, sagt Kurt Bartels. Denn die Situation sei aktuell unhaltbar. Für die Fahrschulen sei es unmöglich, ihre Abläufe zu koordinieren und zu strukturieren.

Die angespannte Lage trifft aber nicht nur die Fahrschulen. „Ich denke mal an Berufskraftfahrer oder Spediteure, die vor Antritt einer Stelle einen Führerschein machen müssen“, sagt Kurt Bartels. „Da geht es nicht nur um die wirtschaftliche Situation der Fahrlehrer, es entstehen auch Probleme, die man auf den ersten Blick nicht sieht“, weiß Bartels.

Auch er stellt großen Zulauf fest: „Seit Corona brummt es in den Fahrschulen.“ Das liege zum Teil daran, dass viele auf das Auto umsteigen, um volle Busse zu meiden. Zum anderen haben die Menschen durch Homeoffice mehr Zeit für den Führerschein.

Remscheid: Sommerpause wurde durchgearbeitet

Etwa 25.000 Prüfungen musste der Tüv Rheinland aus dem ersten Lockdown Anfang 2020 nachholen, berichtet Jörg Meyer, stellvertretender Tüv-Konzernsprecher. In diesem Jahr wurde deshalb die Sommerpause durchgearbeitet. Ein Grund für die Verzögerungen sei eine Systemumstellung für die Theorieprüfung. Konnten Fahrschüler vor der Pandemie spontan vorbeikommen und ihre Prüfung ablegen, müssen sie sich nun anmelden. „Wir brauchen ihre Kontaktdaten und müssen verhindern, dass zu viele Leute vor Ort sind“, erklärt der Sprecher. Wegen der Abstandsregeln stehen weniger Prüfungsplätze zur Verfügung.

Mit der langen Wartezeit ist auch der Tüv selbst nicht zufrieden – acht Wochen warten Schüler im Schnitt im Bergischen auf die Theorieprüfung: „Wir versuchen unter anderem, mit dem Angebot von zusätzlichen Terminen gegenzusteuern, indem wir Personal flexibler einsetzen“, erklärt Meyer. Und: 20 Prozent der gebuchten Termine würden zum Teil gar nicht wahrgenommen. Auch hier hat der Tüv nachgesteuert. Doppelbuchungen für den Fall des Nichtbestehens sind nicht mehr möglich.

Remscheid: Hohe Durchfallquote bei der Theorieprüfung

Klaus Nosbüsch versucht derweil, einen Kompromiss zu finden, um seinen Fahrschülern nicht mehr Stunden aufzuzwingen als nötig. „Wir reduzieren die Fahrstunden auf ein bis zwei Stunden in der Woche, um am Ball zu bleiben. Kurz vor der Prüfung ziehen wir das wieder an.“ Bis der Rückstau abgearbeitet ist, wird es noch dauern. Denn die nächsten Fahrwilligen klopfen schon an die Tür.

Hintergrund

Ein Grund für Mehrfachbuchungen von Terminen ist die hohe Durchfallquote bei der Theorieprüfung – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat. 2020 sind 37 Prozent der Fahrschüler in NRW bei vom Tüv geprüften 100.000 Fahrprüfungen allein bei der Theorie durchgefallen. „Das führt dazu, dass ein Drittel der Termine doppelt gebucht wird“, sagt Jörg Meyer. In der praktischen Prüfung fielen 26 Prozent durch.

Weil der Fahrlehrer während der Fahrt einen 36-jährigen Fahrschüler ausbremst, rastet der komplett aus. In seiner Wut macht er allerdings einen dummen Fehler. 

Standpunkt: Prüfung ernster nehmen

Von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@rga.de

Dass Fahrschüler fast acht Wochen auf einen Termin für ihre theoretische Führerscheinprüfung warten müssen, ist inakzeptabel. Jeder, der einmal einen Führerschein gemacht hat, wird sich daran erinnern, wie es war, die lang ersehnten Fahrstunden kaum erwarten zu können. Denn je länger die Ausbildung dauert, je länger sich die Fahrstunden ziehen, desto mehr Kosten kommen auf den Schüler zu. Und wer vielleicht noch zur Schule geht oder in der Ausbildung steckt, hat das Geld nicht en masse. Da bedeutet jede zusätzliche Fahrstunde einen großen Kostenberg. Dass ein Drittel der Fahrschüler durch die Fahrprüfung fällt, lenkt den Blick aber auch auf einen anderen Punkt: die Vorbereitung. Vielleicht müssen die Prüflinge ihre Prüfung ernster nehmen. Würden sie anständig lernen, würden sie auch auf Anhieb bestehen – und keinen zweiten Termin brauchen. Denn die Theorie in der Fahrschule ist wahrlich kein Hexenwerk. Gut, dass hier der Tüv bei den Mehrfachbuchungen nachgesteuert hat.

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