Finanzierung steht

Remscheider bekommen einen Direktzug nach Düsseldorf

Eine direkte Zugverbindung von Remscheid nach Düsseldorf soll Ende 2022 Wirklichkeit werden. Foto: Roland Keusch
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Eine direkte Zugverbindung von Remscheid nach Düsseldorf soll Ende 2022 Wirklichkeit werden.
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Verkehrsverbund gibt grünes Licht – Jetzt muss Abellio bei der Technik nachbessern.

Von Axel Richter und Andreas Tews

Remscheid. Die Finanzierung steht. Wenn die Firma Abellio jetzt ihre technischen Probleme auf der Strecke der S 7 in den Griff bekommt, kann es Ende 2022 tatsächlich direkt mit dem Zug von Remscheid nach Düsseldorf gehen – ohne Umsteigen in Solingen-Ohligs. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat den Weg dafür freigemacht.

Möglichst im Stundentakt sollen die Direktzüge ab Fahrplanwechsel Ende 2022 von Remscheid in die Landeshauptstadt fahren. Im Idealfall wären die Fahrgäste ab dem Remscheider Hauptbahnhof binnen einer Dreiviertelstunde im Düsseldorfer Zentrum. Vor allem für Berufspendler würde die Direktverbindung einen großen Vorteil bringen: „Das tägliche Risiko, in Solingen zu stranden und keinen Anschluss zu erwischen, entfällt damit“, sagt Sven Wolf (SPD).

Der Remscheider Landtagsabgeordnete weiß, wovon er spricht. Er pendelt selbst regelmäßig mit dem Müngstener zur Arbeit im Landtagsgebäude und ist buchstäblich einige Male auf der Strecke geblieben. Nicht nur er. Der Anschluss der S-Bahn 7 in Ohligs an die S 1 auf dem Nachbargleis Richtung Düsseldorf hat laut Verkehrsverbund das höchste Umstiegsaufkommen im gesamten Verbandsgebiet. Derzeit gibt es lediglich zwei Züge von Remscheid über Solingen durchgehend bis Düsseldorf.

Direktzug gibt es nur, wenn er technisch umsetzbar ist

Bezahlen wird die Durchbindung das NRW-Verkehrsministerium. Die Chancen auf die Direktverbindung seien deshalb „deutlich gestiegen“, erklärt der Solinger Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Doch bei aller Euphorie ist weiter Zurückhaltung geboten. Denn, so schränkt der Verkehrsverbund ein: Den Direktzug werde es nur geben, wenn er auf den Gleisen, die der Deutschen Bahn AG gehören, technisch umsetzbar ist. Und technische Probleme gibt es auf der Strecke derzeit viele.

„Ich hoffe, dass nicht ein Gegentor fällt.“

Burkhard Mast-Weisz, OB

Seit Mitte Juni beklagt die Privatbahn Abellio Rail auf der S 7 zwischen Wuppertal und Solingen einen außergewöhnlich hohen Radscheibenverschleiß. Experten von Abellio, Deutscher Bahn und Verkehrsverbund suchten lange nach der Ursache, wurden aber nicht fündig. Die Stadtchefs forderten eine schnelle Lösung für die S7.

Gegenwärtig setzen die Bahnarbeiter auf Vorbeugung und fetten die Schienen als auch die Züge zusätzlich. Dazu frästen sie auf 15 Kilometer die Schienenprofile. Weitere Arbeiten sind angekündigt: Vom 15. bis zum 26. November sollen auf acht Kilometer Länge die Schienen ausgetauscht werden. Zwischen Solingen-Mitte und Solingen-Hauptbahnhof fahren in dieser Zeit erneut Ersatzbusse.

Rollt danach alles wie gewünscht, dürfen sich Remscheider ab Ende 2022 über die stündliche Verbindung nach Düsseldorf freuen. „Damit hätte sich für Remscheid ein großer Standortnachteil erledigt“, sagt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, tritt aber vorsichtig auf die Bremse. „Die Finanzierung war die größte Hürde. Jetzt stellt sich die technische Frage. Ich gehe zwar davon aus, dass sie lösbar ist. Allerdings: Ein Spiel dauert 90 Minuten. Ich hoffe, dass nicht ein Gegentor fällt.“

Zukunft der S 7

Insgesamt soll es ab Ende 2022 drei neue Bahnverbindungen geben. Neben Remscheid-Solingen-Düsseldorf sind das Krefeld-Neuss sowie Bochum-Recklinghausen-Haltern. Auf allen drei Linien liegen alte Gleise.

Langfristig soll die S 7 abgasfrei mit Akku-Zügen betrieben werden. Das wird jedoch frühestens ab Ende 2028 möglich sein.

Standpunkt: Euphoriebremse

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Solange sich die Menschen nicht darauf verlassen können, dass die Bahn sie zuverlässig und pünktlich von A nach B bringt, werden sie in großer Zahl weiterhin mit dem Auto fahren. Auch auf die Gefahr hin, im Stau zu stehen und ebenfalls nicht zuverlässig und pünktlich von A nach B zu kommen. Mit den neuen Direktzügen auf der Strecke Remscheid, Solingen, Düsseldorf könnte die Mobilitätswende in Remscheid nun Fahrt aufnehmen. Denn damit würde die berüchtigte Umsteigestelle Ohligs entfallen. Und wenn die Züge zudem nicht an jeder Milchkanne Halt machen, kämen am Ende womöglich sogar noch attraktive Fahrzeiten dabei heraus. Nun ist mit der Finanzierung das größte Hindernis beseitigt. Jetzt muss noch die Technik auf der Strecke mitspielen. Doch die ist alt und sorgte deshalb schon vor den Verschleißerscheinungen bei den Radscheiben für Probleme. Solange die Bahn nicht auch ihre Gleise und Signale saniert, muss deshalb auf die Euphoriebremse getreten werden. Denn auch die Direktzüge werden die Remscheider nur dann auf die Bahn umsteigen lassen, wenn sie pünktlich und zuverlässig fahren.

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