Reittherapie Zauberpferd

Reittherapie schult Motorik und hilft Kindern

Jennifer Hohage mit Pferd Inne (19, r.) und Sohn Ben (5) auf Tavo (12). Foto: Roland Keusch
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Jennifer Hohage mit Pferd Inne (19, r.) und Sohn Ben (5) auf Tavo (12).

Jennifer Hohage bildet derzeit noch ein viertes Pferd aus

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Stallluft, grüne Wiesen, grasende Pferde: Der Ausblick auf den Reiterhof Lohmann in Hückeswagen hat etwas Beruhigendes. Genau das erleben Kinder und Erwachsene dort auf therapeutische Weise bei Jennifer Hohage und ihrer Reittherapie Zauberpferd. Die gelernte Erzieherin und Reittherapeutin aus Remscheid weiß aus beruflicher Erfahrung, dass immer mehr Kinder Auffälligkeiten und Konzentrationsprobleme schon im Kindergarten haben.

Mit drei Pferden bietet Jennifer Hohage deswegen seit April die Reittherapie an – für Menschen mit Konzentrationsschwäche, ADHS, Autismus, Depressionen oder Behinderungen. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene kommen zu ihr in die Therapie, beispielsweise bei Rückenproblemen – um die Rückenmuskulatur zu lockern und beweglicher zu werden.

Reittherapie findet nicht nur auf dem Pferd statt

Wie eine Therapie aussieht, läuft dabei ganz individuell ab. Dabei hilft Jennifer Hohage ihre Erfahrung als Erzieherin. „Ich muss erst gucken, ob das Kind mir zugewandt oder ob es vorsichtig ist, und wie ich auf den Menschen zugehen muss“, erklärt sie.

Dann putzen sie und das Kind das Pferd gemeinsam, bereiten das Futter vor, bevor es hoch zum Reitplatz oder zur Halle geht. Denn auch die Pflege des Pferds gehört dazu. „Therapie ist nicht immer auf dem Pferd“, sagt Hohage. Dann soll ein Kind beispielsweise eine farbige Wäscheklammer einem passenden, bunten Tuch zuordnen und das Tuch in der Mähne des Pferds anbringen – auf dem Tier sitzend. „Das schult die Motorik, das Körpergefühl und den Gleichgewichtssinn, denn ich muss mich nach vorne lehnen. Und es erfordert Mut, loszulassen und sich nicht festzuhalten“, sagt Hohage. Mut erfordert es auch, auf dem Pferd zu turnen. Hohage: „Traue ich mich, im Schneidersitz auf dem Pferd zu sitzen? Mich auf den Rücken zu stellen? Oder über den Popo des Pferdes herunterzurutschen?“

Jennifer Hohage: Reittherapie hat keinen Therapiecharakter.

Auch mit großen Schaumstoffwürfeln arbeitet die Therapeutin viel. Die Kinder müssen Zahlen erkennen, den Würfel vom Pferd aus in Hulahoop-Reifen werfen – oder Zahlen Bildern zuordnen, wie bei einem Puzzle. Manchmal geht sie mit Kind und Pferd in den Wald. Dann geht es nur darum, zu hören, wie Vögel zwitschern oder Laub raschelt. „Die Therapie wird immer mit etwas Schönem verbunden“, erklärt Hohage das Ziel. „Reittherapie hat keinen Therapiecharakter.“

Das Wichtigste dabei: Das Tier muss unerschrocken sein, darf sich nicht eingeengt fühlen, wenn Jennifer Hohage mit dem Kind auf dem Rücken des Pferdes arbeitet, Dinge anreicht oder zuwirft. Ein gutes Jahr Ausbildung steckt in jedem Therapiepferd.

Gerade Kinder mit Depressionen oder Selbstbehauptungsproblemen würden schnell sehen, dass es funktioniert, wenn sie mit dem Tier um Pylonen herumlaufen, das Pferd wegschicken und wieder zurückholen können. Um bei der Reittherapie Wirkung zu erzielen, ist es aber nicht mit ein paar Stunden getan. Mindestens ein halbes Jahr brauche es, um Erfolge zu sehen. Hohage: „Dann merkt man, dass das Kind lockerer wird und geschmeidiger in den Bewegungen.“

Pferde merken es, wenn ein Reiter innerlich zerrissen ist

Die Tiere würden merken, wenn ein Mensch anders sei. „Sie merken, wenn der Reiter innerlich zerrissen ist. Dann laufen sie wie auf rohen Eiern, sind ruhig und passen auf.“ Vor allem Autisten können sich den Tieren gegenüber öffnen und Bezug zu ihnen finden, erklärt Hohage. „Das macht mir wahnsinnigen Spaß, wenn ich die strahlenden Augen sehe und die Kinder lachen“, sagt sie.

Ein viertes Pferd, Jury, bildet sie gerade aus. „Es ist ein ausgebildetes Therapiepferd, aber nicht ganz einfach. Wir müssen erst eine Vertrauensbasis finden“, erklärt sie. Schrecktraining, Bodenarbeit und sogenanntes Horsemenship – die allgemeine Reitkunst und der Umgang mit dem Pferd – gehören zu der Ausbildung des Pferdes dazu. „Hier blüht er richtig auf“, sagt Jennifer Hohage. Sie hofft, Jury ab August ebenfalls als Therapiepferd einsetzen zu können.

Hintergrund

Seit 2002 arbeitet Jennifer Hohage als Erzieherin. In diesem Jahr hat sie ihre Ausbildung zur zertifizierten Reittherapeutin abgeschlossen. Psychologie, Physiologie und Pädagogik spielen in der Ausbildung ebenso eine Rolle wie die Arbeit mit dem Pferd.

reittherapie-zauberpferd.de

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