Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt sich

Reinigen der Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung

Auch vor dem Logenhaus wurden die Stolpersteine gesäubert, Kerzen aufgestellt und Rosen ausgelegt. Foto: Roland Keusch
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Auch vor dem Logenhaus wurden die Stolpersteine gesäubert, Kerzen aufgestellt und Rosen ausgelegt.

Gedenkstunde in der Remscheider Stadtkirche anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz vor 77 Jahren.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die beste Versicherung gegen Totalitarismus, Faschismus, Völkerhass und Nationalsozialismus ist und bleibt die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Und die Erinnerung. Am Donnerstag jährte sich zum 77. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee. In Auschwitz ermordeten die Nazis eineinhalb Millionen Frauen, Männer und Kinder.

Auch in Remscheid wurde an den 27. Januar 1945 erinnert. Um 18.30 Uhr hatten Pfarrer Martin Rogalla und Superintendentin Antje Menn zu einer Gedenkstunde in die Stadtkirche eingeladen. Gut 30 Besucher nahmen daran teil. Die vierzigminütige Veranstaltung begann und endete mit Orgelmusik, die die Kantorin Ursula Wilhelm ausgesucht hatte und spielte. Der Kantor der Lenneper Stadtkirche, Johannes Geßner, spielte und sang drei Kompositionen von Hans Eisler und Paul Dessau, jeweils unterlegt mit Texten von Bert Brecht.

Pfarrer Martin Rogalla stellte in seiner Begrüßung auch die Frage, warum eine solche Veranstaltung nötig und wichtig sei. „Weil wir wollen, dass sich die Geschichte des Nationalsozialismus nicht wiederholt. Weil der Frieden in unserer Stadt ein sehr hohes Gut ist.“

Antje Menn ging auf die Bedeutung des 27. Januar ein. „Dieser Tag“, sagte sie, „ist ein Stolperstein in der Zeit. Der 27. Januar 1945 war der erste Tag des Endes des Nationalsozialismus. Erinnern ist der Weg in die Zukunft.“ Sie erinnerte an ein Zitat des Oberbürgermeisters, der in einer Veranstaltung in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall gesagt habe: „Zukunft gestalten ohne Erinnerung ist bodenlos.“ Sodann las Menn einige Passagen aus den 126. Psalm, begleitet von sensibler Klaviermusik.

180 Stolpersteine erinnern an Schicksalsorte in Remscheid

„In Remscheid“, so Pfarrer Rogalla anschließend, „liegen 180 Stolpersteine, die an Schicksalsorte erinnern. Menschen sind von dort aus in die Vernichtung deportiert worden. Es sind Denkmale im wahrsten Sinn. Wir möchten hier stellvertretend an vier Remscheider Familien erinnern.“ Die beiden Geistlichen nannten die Familie Mandelbaum, die in der Palmstraße gelebt hatte. Auch die Familie Artmann, aus Polen zugewandert und im Ghetto von Lodz gestorben, fand Erwähnung. Erinnerungen auch an die Familie Hugo Schiller und der am Gänsemarkt wohnenden Familie Isaak. Viele dieser Menschen wurden in die Ghettos in Minsk und Lodz deportiert.

„Es ist Tradition, die in der Stadt liegenden Stolpersteine zu reinigen“, schloss Pfarrer Martin Rogalla die Veranstaltung. „Denn Messing läuft mit der Zeit dunkel an, und die Inschrift ist nicht mehr gut zu lesen. Setzen wir ein gemeinsames Zeichen für das Erinnern. Im Vorfeld haben sich bereits 20 Menschen bereiterklärt, beim Säubern zu helfen.“

Vor der Stadtkirche verteilte Marvin Christian Schneider (My-Viertel) weiße Rosen für alle, denen das Erinnern wichtig ist. Es fanden sich schnell verschiedene kleinere Gruppen zusammen, die sich zu den Stolpersteinen in der Innenstadt aufmachten. Manche gingen in Richtung Alleestraße, andere verblieben in der Bismarckstraße und der direkten Umgebung der Stadtkirche.

Unter ihnen Philip Roth und die Katrin Volk, die vor dem Haus Bismarckstraße 16 sieben Stolpersteine vorfanden. Eine kurze Einweisung und Roth und Volk säuberten die zehn mal zehn Zentimeter großen Stolpersteine zunächst mit der groben Seite eines Schwamms, bevor eine spezielle Creme aufgetragen wurde. Danach wurden Kerzen aufgestellt, abschließend die weißen Rosen so ausgelegt, dass sie die Steine umrahmten.

Hintergrund

Zum traditionellen Reinigen der Stolpersteine hatten der Verein My-Viertel, Muteinander, Remscheid Tolerant sowie fast alle der demokratischen Parteien im Stadtrat eingeladen. Der 27. Januar ist ein weltweiter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Bis heute ist Auschwitz das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Besonders wichtig, auch das wurde in der Veranstaltung in der Stadtkirche klar, ist die Bekämpfung des neu erstarkten Antisemitismus.

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