Im Gespräch

Reinhard Ulbrich: „Erhalt des Stadions ist große Chance“

„Es geht auch um Solidarität, um die Zukunft des BV 1910“: Reinhard Ulbrich.
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„Es geht auch um Solidarität, um die Zukunft des BV 1910“: Reinhard Ulbrich.

Sportbund-Chef Reinhard Ulbrich über das Hin und Her in Neuenkamp und Lenneps Traditionssportstätte

Das Gespräch führte Andreas Weber

Der Sport läuft wieder uneingeschränkt nach Corona. Macht sich dies auch in einem Mitgliederwachstum bei Remscheids Sportvereinen bemerkbar?

Reinhard Ulbrich: Zunächst muss man feststellen, dass es keinen übermäßigen Schwund während der Pandemie gab. Wenn sie einen Verein wie den BV 1910 nehmen, der hatte, obwohl die Zukunft mit Kunstrasen nicht geklärt war, auch in der Coronazeit einen erstaunlichen Aufwärtstrend, wie andere Fußballvereine übrigens auch. Ich kenne die exakten Zahlen für Remscheid nicht, bin aber sicher, wo die Tendenz rückläufig war, wird es sich in den nächsten Jahren ausgleichen. Generell gilt bundesweit, dass Vereine mit Mitgliederschwund kämpfen. Ich könnte mir in NRW vorstellen, dass die Förderprojekte „Moderne Sportstätte I und II“, die von der Landesregierung angeschoben wurden, positive Effekte auf die Mitgliederentwicklung haben. Weitere Gelder sind im Übrigen in Aussicht. Man muss anerkennen, dass die NRW-Regierung eine hohe sportpolitische Affinität hat.

Es gab 2022 die Fortsetzung einer „never ending story“, Sportplatz Neuenkamp und Förderung für die RSV-Immobilie. Wie haben Sie das Ringen wahrgenommen?

Ulbrich: Dass sich das hinzog, stieß bei mir und dem Sportbund-Vorstand auf großes Unverständnis. Es war ein zähflüssiger Prozess, bei dem beide Parteien schneller hätten sein können. In der Schlussphase war alles geregelt, aber es gab permanent Bedenken vom RSV, die erst ausgeräumt wurden, als NRW-Ministerin Ina Scharrenbach vor Ort am Fürberg ein Machtwort sprach. Diese Entwicklung hat uns sehr geärgert. Denn es geht auch um Solidarität, um die Zukunft des BV 1910, der in dem Hin und Her nicht berücksichtigt wurde. Ich hoffe sehr, dass die Delegiertenversammlung des RSV jetzt die Weichen stellt und die Verträge mit der Stadt unterzeichnet werden, damit in Neuenkamp losgelegt werden kann. Es geht nicht nur darum, einen Kunstrasen zu verlegen, vorher muss die belastete Erde, das Marsberger Kieselrot, abgebaggert werden. Um die Landesförderung dafür zu erhalten, müssen sehr schnell Anträge gestellt werden.

Die zweite große Diskussion entspann sich um das Stadion Lennep. Nach dem DOC-Aus war wieder von einer Zukunft für die Traditionsstätte die Rede.

Ulbrich: Zunächst, der Kunstrasen für Hackenberg hat für Lennep Gott sei Dank funktioniert, aber nur, weil der Sportbund rechtzeitig einen Plan B angemahnt hatte, vorzudenken, falls die DOC-Planung schiefgeht. Klipp und klar formuliert: Ohne den Sportbund hätte dieser Platz nicht so zügig eröffnet werden können. Deshalb war ich sauer, dass bei der Einweihung Anfang Dezember die Initiative des Sportbundes mit keiner Silbe erwähnt wurde. Hinter den Überlegungen, die zur Erhaltung des Stadions Lennep vorgeschlagen worden sind, stehe ich im Übrigen voll und ganz. Es ist eine große Chance, weil außer Gedankenspielen sonst anscheinend nichts Konkretes für das Areal vorliegt. Ich sehe dort auch nicht zig Investoren, die sich darum reißen, eine Wohnbebauung zu realisieren. Wir haben als Sportbund im Vorfeld mit Ralf Niemeyer und Thorsten Greuling vom FCR gesprochen und ich habe ihnen gesagt: Wenn, muss die Finanzierung, die mindestens 15 Millionen Euro bis Ende 2022 abgesichert sein. Ich hoffe, das Ganze ist realistisch berechnet worden. Gibt es die mit Remscheid verwurzelten Investoren aus der Wirtschaft, müssen sie Butter bei die Fische geben. Für die Stadt wäre es toll, wenn wir in Reinshagen und Lennep zwei große Sportstätten hätten und auf der Achse dazwischen in Neuenkamp ein Highlight mit dem Kunstrasen und ein für jedermann zugängliches Multifunktionsfeld mit Überdachung, das der Sportbund aus den Mitteln der „Moderne Sportstätte II“ mit 430 000 Euro unterstützen wird.

Was ist mit den restlichen 100 000 aus der Förderung?

Ulbrich: 67 000 Euro fließen in Remscheids ersten Mehrgenerationenspielplatz in Ehringhausen, der hoffentlich dieses Jahr fertig wird. Das geschieht in Kooperation mit der Stadt, betreut wird die Anlage vom ETV.

Wenn der Kunstrasen in Neuenkamp verlegt ist, bliebe nur Klausen mit Asche. Wird dort etwas geschehen?

Ulbrich: Ein heikles Thema. Für den Kunstrasen fehlt zurzeit jede Perspektive. Ursprünglich wollten wir 100 000 bis 150 00 Euro für einen Multifunktionsplatz ohne Halle in Klausen über „Moderne Sportstätte II“ zur Verfügung stellen. Die Planung ist aber nicht von Stadt und Politik vorangetrieben worden. Alternativ wurde ein Boule-Feld von uns angeregt. Ich habe als Hauptschullehrer 25 Jahre in Klausen gearbeitet und hänge an diesem Traditionsverein, der Vorsitzende Gerd Kirchhoff ist sogar ehemaliger Schüler von mir. Im Moment muss man jedoch schauen, wie viel Aktivität dieser Verein in Zukunft überhaupt entwickelt, wie der Vorstand aussehen wird, ob sich die Zahl der wenigen Aktiven steigern lässt.

Kommen wir zu den Hallen. Wird der neue Komplex an der AES in der Innenstadt ausreichen?

Ulbrich: Die AES-Dreifachhalle, für die jetzt ein Generalunternehmer gesucht wird, war unsere Idee, nachdem es hin und her gegangen war zwischen EMMA und AES. Der Sportbund verzichtete auf seinen ursprünglichen Vorschlag, am Stadtpark eine Halle zu errichten, die auf RTV-Planen basierten. Es gibt eine Vereinbarung mit der Stadt, uns an den AES-Planungen zu beteiligen, um unsere Kompetenzen und Anliegen, zum Beispiel bei der Errichtung einer Zuschauertribüne, einbringen zu können. Bedarf für eine weitere Halle sehen wir nach wie vor sowohl für den Schul- als Vereinssport. Der Mangel ist da. An der sportlich orientierten EMMA die marode Einfachhalle und den Gymnastikraum durch eine moderne Dreifachhalle zu ersetzen, wäre absolut richtig.

Für 2024 hatten Sie das Ende Ihrer Tätigkeit im Landessportbund als Präsidiumsmitglied und beim Sportbund in Remscheid angedeutet. Bleibt es dabei?

Ulbrich: Beim Sportbund lasse ich das offen. Meine ursprüngliche Absicht, mich zurückzuziehen, war familiär bedingt. Eine meiner Töchter lebte damals im Stuttgarter Raum, mittlerweile wohnt sie mit ihrer Familie in Köln, nicht weit weg von meinem Wohnort Viersen. Das macht es leichter. Der andere Grund ist mein Alter. Wenn ich sehe, in welch hohem Alter Staatspräsidenten unterwegs sind, denke ich: Es kommt auf einen selber an. Ich fühle mich fit, akzeptiert, die Arbeit macht Spaß. Wir haben ein hervorragendes, junges Team in der Sportbund-Geschäftsstelle und unser Vorstand harmoniert prima.

Zur Person

Reinhard Ulbrich, 72 Jahre, gebürtig aus Viersen, wo er heute wieder lebt. Der Vater zweier Töchter war Grund- und Hauptschullehrer, unterrichtete mit seiner Ehefrau Marianne lange an der Hauptschule Klausen, bevor er von 1989 bis 1999 Oberbürgermeister Remscheids wurde. Seit 22 Jahren ist er Vorsitzender des hiesigen Sportbundes, seit 2012 Sprecher für die 54 Stadt- und Kreissportbünde im achtköpfigen Präsidium des Landessportbundes (LSB) in Duisburg.

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