Nachhilfe

Realschüler holen nach Corona Defizite auf

In Kleingruppen erhalten AvH-Realschüler derzeit bei „Beck-up“ Nachhilfe in Fächern Mathe, Deutsch und Englisch. Hier werden sie von Alina Martins-Bikiri unterrichtet. Dahinter stehen (v.l.) Andreas Beck, Kerstin Röhrig-Stephan und Gundula Krüger. Foto: Doro Siewert
+
In Kleingruppen erhalten AvH-Realschüler derzeit bei „Beck-up“ Nachhilfe in Fächern Mathe, Deutsch und Englisch. Hier werden sie von Alina Martins-Bikiri unterrichtet. Dahinter stehen (v.l.) Andreas Beck, Kerstin Röhrig-Stephan und Gundula Krüger.

AvH erhält über Landesprogramm 15 000 Euro für Nachhilfe – 120 Kinder nehmen diese in den Herbstferien wahr.

Von Andreas Weber

Remscheid. Rund 120 Schüler der Alexander-von-Humboldt-Realschule (AvH) besuchen in den Herbstferien freiwillig die professionelle Nachhilfe bei Andreas Beck in der Hindenburgstraße 63. Gefördert durch das Landesprogramm „Aufholen nach Corona“, können die Fünft- bis Zehntklässler kostenlos Lernrückstände abbauen. 15 000 Euro hat die AvH über das NRW-Schulministerium und die Stadt dafür erhalten.

Konrektorin Kerstin Röhrig-Stephan übernahm die Aufgabe, im September kurzfristig die Einteilung in den drei Fächern Deutsch, Mathe und Englisch zu koordinieren mit insgesamt 60 Terminen zu je drei Zeitstunden. Für die Realschule bedeutete dies im Vorfeld einen enormen Zeitaufwand. Dass dieser sich lohnt, steht für Röhrig-Stephan und Schulleiterin Gundula Krüger außer Frage. Denn Corona hat auch in der Grunerstraße Narben hinterlassen. „Wir haben nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht festgestellt, dass viele Kinder und Jugendliche unkonzentriert und unstrukturiert sind“, erklären die Führungskräfte. „In der Zeit des Homeschoolings ist viel verloren gegangen.“

Nicht zuletzt hat die Aufmerksamkeitsspanne abgenommen. Die Probleme beginnen jedoch schon mit Unterrichtsbeginn morgens. „Nicht wenige Schüler kommen zu spät. Unpünktlichkeit hat sich über viele Monate daheim eingeschliffen“, bemerkt Gundula Krüger. Die Distanz zwischen Lehrern und Schülern machte es unmöglich, zu kontrollieren und Sanktionen auszusprechen. Auch dies spürte die AvH bei der Rückkehr in den Alltag.

AvH und Beck sind sich einig: Schüler brauchen Präsenzunterricht

Die Online-Verbindung zu den 670 Schülern stand zwar früh und war verhältnismäßig sicher. Gleichwohl gab es auch bei der Vermittlung des Lernstoffs Defizite. „Denn die Diskrepanz zwischen denjenigen, die digital gut mitkamen und anderen, die abgehängt wurden, ist gewachsen. Uns sind immer wieder Schüler regelrecht verlorengegangen.“ Für Gundula Krüger und Kerstin Röhrig-Stephan ist dies nicht verwunderlich. Viele Schüler konnten zu Hause in der Anonymität abtauchen, mussten nicht mal ihr Gesicht am Bildschirm zeigen, wenn ihr Lehrer am anderen Ende der Leitung unterrichtete.

Das Landesprogramm wird an der AvH als sehr hilfreich empfunden. „Es tut den Kindern und Jugendlichen gut, wenn sie mal eine andere Umgebung haben, andere Kinder in kleineren Gruppen sehen, andere Lernsituationen erleben“, findet Gundula Krüger. In der zwanglosen Atmosphäre des Nachhilfeanbieters „Beck-up Learning“ ist dies möglich.

Andreas Beck teilt die Beobachtungen. „Die Rückmeldungen der Schüler signalisieren uns immer wieder: Kinder brauchen Präsenz.“ Bei „Beck-up“ findet diese in Kleingruppen bis zu acht Schülern statt. In drei Schichten wird in den Herbstferien von 10 bis 13, 13.15 bis 16.15 und 16.30 bis 19.30 Uhr unterrichtet. Einige Kinder und Jugendliche haben nur ein Fach gewählt, andere alle drei. Auch ein Angebot für die Seiteneinsteiger bietet die Realschule an.

Gundula Krüger und Kerstin Röhrig-Stephan glauben, dass die Folgen des auf den Kopf gestellten Unterrichts während der Pandemie auf lange Sicht Spuren hinterlassen werden. Im Umkehrschluss folgert Andreas Beck: „Auf externe Bildungsanbieter werden Schulen in den nächsten Jahren nicht verzichten können.“

Noch Geld übrig

Die 15 000 Euro für die AvH sind mit den Herbstferien nicht aufgebraucht. „Wir haben Geld zurückgehalten, die Nachhilfe ist auf Nachhaltigkeit angelegt“, erklärt Gundula Krüger. Vom Land wird es für die Realschule aus dem Topf „Extrapersonal“ zudem eine befristete, halbe Stelle geben, für die ein Lehrer oder eine Lehrerin gesucht wird. Die betreffende Person wird sich mit der Aufarbeitung der Corona-Folgen beschäftigen.

So erleben Nachhilfeschulen die Corona-Krise.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut

Kommentare