Nach Bekanntgabe der 25-Millionen-Investition

Reaktionen: Auf der Alleestraße herrschen Freude und Enttäuschung pur

Harro Schmidt in seinem Geschäft an der Alleestraße. Archivfoto: RK
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Harro Schmidt in seinem Geschäft an der Alleestraße.

25 Millionen Euro fließen ins Allee-Center – Im Verein My Viertel ist die Stimmung dagegen auf dem Tiefpunkt.

Von Sven Schlickowey und Axel Richter

Remscheid. Zwei neue Ankermieter, den Leerstand im Untergeschoss größtenteils beseitigt und dazu noch ein 25-Millionen-Euro-Investment in eine zeitgemäße Optik und modernere Ausstattung – das Allee-Center konnte am Mittwoch gleich ein ganzes Bündel guter Nachrichten vermelden. Das sorgte bei vielen in der Innenstadt für Begeisterung und Optimismus. Wirft aber auch ein Schlaglicht auf die Allee, die dadurch weiter ins Hintertreffen geraten könnte.

Optikermeister Frank Berghoff freut sich. „Das ist endlich einmal eine gute Nachricht, und zwar für alle Händler, die auf der Alleestraße ihr Geld verdienen.“ Vor allem den Einzug von Edeka und Aldi im Center-Untergeschoss sieht er positiv. Das Verschwinden des Real-Marktes Ende vergangenen Jahres habe auch die Alleestraße zu spüren bekommen, sagt er. Weniger Menschen seien in der Innenstadt unterwegs gewesen. Das zeige deutlich: „Wir sind doch alle voneinander abhängig.“

Enttäuschung pur herrscht am unteren Ende der Alleestraße

Ein Eindruck, den Annika Beckmann, Inhaberin von Tee Geschwender im Center, nur bestätigen kann: „Das Jahr ohne Real haben wir extremst gemerkt.“ Beckmann berichtet von positiven Reaktionen unter den Mietern des Einkaufszentrums: „Alle, mit denen ich gesprochen habe, freuen sich.“ Nun hoffe sie, dass die beiden neuen Frequenzbringer nicht nur mehr Kunden, sondern auch neue Händler fürs Center anziehen. Die neue optische Gestaltung werde ihren Teil dazu beitragen, ist Annika Beckmann überzeugt: „Die Visualisierungen, die uns gezeigt wurden, sehen gut aus.“

Freude pur auch bei Ralf Wieber. „In Lennep funktionieren Edeka und Aldi doch hervorragend miteinander“, sagt der einstige Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgesellschaft Alleestraße. Die Investition von 25 Millionen Euro sei ein klares Bekenntnis für den Standort Remscheid.

Enttäuschung pur dagegen am unteren Ende der Innenstadt. Zwar freut sich auch Marvin Schneider, Vorsitzender des Vereins My Viertel, über die Rieseninvestition ins Allee-Center. Die Alte Bismarckstraße mit ihrer Kneipenszene sieht er jedoch ins Hintertreffen geraten. Denn während das Allee-Center seine Pläne vorstellte, wurde auch bekannt, dass die Terrassen, die die Gastronomen erhalten sollen, einmal mehr auf die lange Bank geschoben werden.

„Das Einzige, was wir bekommen haben, sind acht Bänke an komischen Stellen.“

Harro Schmidt, Einzelhändler

In diesem Jahr, hatte Baudezernent Peter Heinze vor den Politikern des Bauausschusses erklärt, sei damit wohl nicht mehr zu rechnen. Dabei sollten die fünf Terrassen längst stehen. Nämlich seit dem Frühjahr. „Das My Viertel ist sehr enttäuscht“, erklärt Marvin Schneider, der aus dem RGA über die erneute Verzögerung erfahren hatte. „Das ist ein echter Motivationskiller.“

Ganz ähnlich scheint die Gemütslage bei Harro Schmidt zu sein, dessen Schreibwarengeschäft Gottlieb Schmidt zu den letzten inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften auf der unteren Allee gehört. „Ich freue mich immer, wenn in Remscheid an einer Stelle etwas besser wird, als es vorher war“, kommentiert er den anstehenden Allee-Center-Umbau. Auswirkungen, positive wie negative, erwartet er für sein Geschäft am unteren Ende der Einkaufsmeile aber nicht: „Viel mehr kann sich ja nicht mehr auf der oberen Alleestraße zusammenziehen.“

Umso dringlicher sei nun, dass die Revitalisierungspläne für die Alleestraße umgesetzt würden. „Wie lange wird uns schon eine neue Beleuchtung versprochen?“, fragt er. „Und das Einzige, was wir bisher bekommnen haben, sind acht Bänke an komischen Stellen.“

Hintergrund

Am Mittwoch gab das Allee-Center bekannt, dass auf der bisherigen Real-Fläche ein Aldi- und ein Edeka-Markt einziehen sollen. Zudem investiere die Eigentümerin der Immobilie, ein DWS-Fonds, rund 25 Millionen Euro in das Center. Geplant sind eine völlig neue Optik und auch funktionale Verbesserungen. Die Arbeiten sollen bis 2023 andauern.

Standpunkt

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Des einen Freud ist halt des anderen Leid? Ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn so sehr sich die halbe Stadt über die guten Nachrichten fürs Allee-Center freut, so sehr führt es einem auch mal wieder vor Augen, dass an anderer Stelle, trotz mehrmaliger Ankündigung, wenig bis gar nichts passiert. Dafür gibt es meist gute Erklärungen, von komplizierten Vergabe- und Planungsverfahren über umfangreiche Bürgerbeteiligung bis hin zu überlasteten Handwerkern. Frustrierend bleibt die Situation für die Betroffenen dennoch, und meist auch nicht nur für sie. Die Projekte der öffentlichen Hand müssen jetzt schleunigst Tempo aufnehmen, sonst wird das Gefälle innerhalb der Stadt, zwischen Standorten, an denen sich privatwirtschaftliche Investitionen noch lohnen, und solchen, wo das nicht der Fall ist, immer größer. Die Gefahr, dass die Stadt ganze Innenstadtbereiche „verliert“, ist real. Und was einmal im Abwärtsstrudel ist, kann nur noch mit enormem Aufwand aufgefangen werden.

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