Interview der Woche

Ralf Engel: Weihnachtsgeschäft startet immer früher

Ralf Engel, Geschäftsführer des NRW-Handelsverbands Bergisches Land, im RGA-Gespräch.
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Ralf Engel, Geschäftsführer des NRW-Handelsverbands Bergisches Land, im RGA-Gespräch.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Der Geschäftsführer des Handelsverbands glaubt an die Zukunft für Fachgeschäfte. Im Interview der Woche blickt Ralf Engel auf 33 Jahre zurück.

Herr Engel, wie ist das Weihnachtsgeschäft im Bergischen Land denn bisher verlaufen?

Ralf Engel: Es fing etwas verhalten an, hat sich aber nach meiner Einschätzung gut entwickelt. Wir stellen schon seit einigen Jahren fest, dass das Weihnachtsgeschäft grundsätzlich immer früher beginnt – auch durch Black Friday mit den Preissenkungen im November. Generell laufen die Geschäfte gut, wo Aktionen stattfinden, zum Beispiel ein attraktiver Weihnachtsmarkt oder ein verkaufsoffener Sonntag, so wie am ersten Advent in der Remscheider Innenstadt. Aber es gibt eben auch noch Panikkäufe an Heiligabend, wozu ich selber früher einmal geneigt habe.

Sie verabschieden sich nach 33 Jahren Ende Januar als Geschäftsführer vom Handelsverband NRW. Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

Engel: Noch gut kann ich mich an meine Anfänge beim Handelsverband erinnern, als es 1989 den ersten langen Donnerstag in der Remscheider Innenstadt gab. Das Allee-Center war bis 20 Uhr geöffnet, was damals eine echte Neuerung war. Damals gab es beim Handelsverband noch vielfältige Fachgruppen, die sich bei ihren Treffen austauschten – von der Lebensmittel- und Möbelbranche bis hin zur Sparte Antiquitäten und Briefmarken. Diese fachbezogene Arbeit gibt es heute in dieser Breite längst nicht mehr. Unsere Mitglieder informieren sich vor allem auf der Homepage des Handelsverbands. Der persönliche Kontakt ist dadurch verloren gegangen.

Nicht nur vor diesem Hintergrund hat das Internet vieles verändert. Wird es denn in 33 Jahren den klassischen Einzelhandel noch geben – angesichts der Konkurrenz im Netz?

Engel: Ich glaube zwar, dass das Shoppen auf dem Sofa zunehmen wird. Das kann aber für den klassischen Einzelhandel auch Chancen bieten. Die Geschäfte müssen mit ihrem Internetauftritt neugierig auf das Sortiment machen, das sie vorhalten – oder bestellen können. Und dann kommt es eben auf das Geschick der Mitarbeiter an, die Kunden bei ihrem Besuch im Geschäft auf Artikel aufmerksam zu machen, die bislang gar nicht in ihrem Fokus waren. Es gilt dazu, online die Einkaufstür zu öffnen. Von daher wird es immer stärker auf eine Kombination ankommen – aus einem stationären Geschäft und einem Internet-Shop.

Wo sehen Sie sonst die Herausforderungen für den Einzelhandel?

Engel: Aus meiner Sicht hat noch nicht einmal das Internet die größten Probleme gebracht. Es war die Sortimentserweiterung der Discounter, die im Laufe der Jahre immer mehr Nonfood-Artikel angeboten haben. Da ist ja mittlerweile alles dabei – von Elektrogeräten, Gartenutensilien, Sportausrüstung bis hin zum Angelzubehör. Und: Jeder Discounter, der Brötchen backt, sorgt für Probleme beim Bäcker in der Nähe. Es ist vor diesem Hintergrund kein Wunder, dass es Fachgeschäfte zunehmend schwer haben. Dies hat zu ihrem Sterben beigetragen. Künftig könnte das Lieferkettengesetz zu einer weiteren Herausforderung werden. Neben den Verbraucherzentralen wurde auch den Gewerkschaften Klageerlaubnis eingeräumt. Und es ist bekannt, wozu dies zum Beispiel bei verkaufsoffenen Sonntagen führen kann, die nach den Beschwerden von Verdi von Verwaltungsgerichten untersagt wurden. Wie aber soll ein Textileinzelhändler die Lieferketten bei seinen Waren genauestens nachvollziehen und dokumentieren können?

Sorgenkind in Remscheid ist seit vielen Jahren die Alleestraße. Wie ist deren Niedergang aus Ihrer Sicht zu stoppen?

Engel: Zunächst einmal darf es keine Denkverbote geben, auch was die Ansiedlung von Gewerbe und Betrieben angeht. Ein Beispiel ist die SinnLeffers-Immobilie. Warum sollte sich hier kein Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe ansiedeln? Es gibt so viele Branchen, die leise und geruchsfrei produzieren. Mein Lieblingsbeispiel ist die Firma Henkel in der Wiener Innenstadt. Die stellen dort Flüssigwaschmittel her. Die Mitarbeiter kaufen nach Feierabend ein oder gehen in der Umgebung noch was trinken. Auch dies würde in Remscheid einen Impuls nach sich ziehen. Das ist nur ein Beispiel für die Nachnutzung ehemaliger Einzelhandelsstandorte.

Und was schlagen Sie für die Flächen in Lennep vor, die ursprünglich dem Designer Outlet Center vorbehalten waren?

Engel: Zunächst einmal muss klar sein, was mit dem Röntgen-Stadion geschieht und ob Investoren tatsächlich in der Lage sind, es zu erhalten und eine Mehrzweckhalle zu errichten. Ich rate dazu, ihnen erst einmal zuzuhören. Losgelöst davon wäre sicher eine Mischung unterschiedlicher Wohnformen in Verbindung mit emissionsfreiem Gewerbe eine gute Lösung – warum sollte sich hier nicht ein Unternehmen ansiedeln, das auf 3-D-Druck spezialisiert ist?

Und, Herr Engel, was planen Sie für Ihren Ruhestand?

Engel: Also, ich werde mich garantiert nicht aus Langeweile von der Brücke stürzen. Meine Frau und ich haben vielfältige Pläne. Und außerdem bin ich ja auch Anwalt – und werde das bleiben.

Zur Person

Ralf Engel ist Jurist und seit 1989 Mitarbeiter des Handelsverbands in der Region. Der gebürtige Düsseldorfer lebt mit seiner Frau Gabriela Engel-Coolman seit 2009 in Remscheid. Ende Januar verabschiedet sich der 65-Jährige von der Wuppertaler Geschäftsstelle und geht in den Ruhestand.

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