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Radweg in Vieringhausen soll am Landschaftsschutz scheitern

Das Radwegenetz soll ausgebauet werden.
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Das Radwegenetz soll ausgebaut werden.
  • Andreas Weber
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Mobilitätsausschuss übt heftige Kritik an der Stadtverwaltung.

Von Andreas Weber

Remscheid. Beim Ausbau des Radwegenetzes in Remscheid macht die Politik der Verwaltung Druck. So wird in die Beratungen für den kommenden Haushalt auch eine Untersuchung aufgenommen, die prüfen soll, ob ein möglicher Radweg in Vieringhausen unter den Tier- und Naturschutz fällt.

Um eine Lücke auf der 3,6 Kilometer langen Strecke vom Bahnhof Güldenwerth zum Hauptbahnhof zu schließen, hatten SPD, FDP und Grüne beantragt, ein 550 Meter langes Teilstück im Grünen zwischen der Damm- und Büchener Straße neben den Bahngleisen für den Radverkehr zu erschließen. Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Mobilität nahm Ausschussvorsitzender David Schichel (Grüne) die Einschätzung der Unteren Landschaftsbehörde, dass es sich um einen „schutzwürdigen, naturnahen Freiraum“ handele, der „vollständig als Landschaftsschutzgebiet“ ausgewiesen sei, mit hohem Befremden zur Kenntnis.

„Wir wollen doch keine Autobahn bauen. Menschen sollen auf dem Radweg leise, naturschonend, sicher unterwegs sein.“ Die Vermutung des Umweltamtes, dass sich an der Stelle Feldsperling, Habicht und Mäusebussard wohlfühlen, müsse erst bewiesen werden. Selbst wenn, die B229 in Vieringhausen sei dicht bebaut, dann komme die Bahnstrecke und ein Gewerbe- und Mischgebiet. „Sie können niemand erzählen, dass dies alles in unmittelbarer Nachbarschaft keinen Einfluss auf das Biotop haben soll, während der Radverkehr stört“, meinte David Schichel verständnislos. Zumal die Gegend auch gerne von Spaziergängern genutzt wird.

Seiner Parteikollegin Petra Kuhlendahl platzte der Kragen ob der lapidaren Antwort der Stadtverwaltung: „Es ist ein Schlag ins Gesicht, dass es keine Lösung gibt. Bei anderen Städten wie in Essen widersprechen sich Naturschutz und Radverkehr nicht.“ Man könne doch nicht die Radfahrer auf die Bundesstraße in Vieringhausen leiten. Auch Philipp Wallutat (FDP) fand die Vorlage „unbefriedigend“. Umso mehr, als der Radweg auf einem bereits bestehenden Weg entstehen soll, der zugewachsen ist. Der neue Weg müsse ja auch nicht zwingenderweise asphaltiert werden, meinte Wallutat. Alexander Schmidt (CDU) kritisierte, dass „die Antwort der Verwaltung der Komplexität des Themas nicht gerecht werde“.

Stadtplanerin Christina Kutschaty sprach von einem „dichten Wald“ und „hochwertigen Biotop“ und zitierte ihren für Naturschutz zuständigen Kollegen Frank Stiller mit dem Satz: „Wir müssen die Menschen nicht in jedes Biotop schicken.“ Kutschaty verteidigte sich auch mit Personalknappheit. In ihrem Bereich gäbe es nur eine Kollegin, die sich mit dem Radverkehr beschäftige. Solange es andere Möglichkeiten gäbe, argumentierte Jens Fischer, Fachdienstleiter Umwelt, seien Biotope tabu. Die Stadt sieht diese Alternative in der ruhigen und ebenen Straße Am Langen Siepen mit Anschluss an die Werkzeugtrasse.

Der Mobilitätsausschuss setzte bei einer Gegenstimme durch, dass genau geprüft wird, ob doch ein Radweg möglich ist.  

Standpunkt von Andreas Weber: Geht nicht, gibt’s nicht

andreas.weber@rga.de

Die moderne Stadtverwaltung versteht sich nicht als Behörde, sondern als Dienstleister. Ihre Aufgabe ist es, bei Problemen Lösungen zu finden. Das dürfen die Bürger erwarten, aber auch die Politik. Geht nicht, sollte es nicht geben. Dem ein oder anderen Fachdienst im Rathaus eilt aber der Ruf voraus, lieber erst mal zu verhindern als etwas zu ermöglichen. Dies kritisierte Bezirksbürgermeister Otto Mähler gerade gestern in einem RGA-Interview.

Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Mobilität setzte es nun wieder Schelte. Die Argumente, die die Ratsmehrheit für einen Radweg in Vieringhausen vortrug, geteilt im Übrigen vom Förderverein Bergischer Brückenschlag, sind zwingend. Bei solch zukunftsrelevanten Themen müssen die Stadtplaner genau hinschauen und sich nicht vorschnell hinter gesetzlichen Bestimmungen verschanzen. Der Frust der Zweiradfahrer über den verpennten Radwegeausbau in dieser Stadt wird dadurch verständlicherweise größer.

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