Radfahren in Remscheid

Rad-Unfall im Wald: So kommen die Retter hin

Wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte auf jeden Fall das Handy mitnehmen, sagt der Feuerwehr-Chef. Gerade im Wald.
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Wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte auf jeden Fall das Handy mitnehmen, sagt der Feuerwehr-Chef. Gerade im Wald.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Wie finden die Einsatzkräfte einen Verletzten? Und was ist, wenn ich kein Handynetz habe? Feuerwehr-Chef klärt auf.

Remscheid. Die idyllischen bergischen Wälder und die unfassbar vielen Wanderwege sind ein wahres Paradies - auch für Fahrradfahrer. Gerade jetzt im Sommer lockt es da viele auf den Sattel. Durch den E-Antrieb sind nun auch Zweiradfahrer unterwegs, die früher keinen Berg pedalierend erklommen hätten - und auch viel schneller. Die Zahl der verletzten Pedelecfahrer ist laut Angaben der Polizei gestiegen. Was ist also zu tun, wenn der Radfahrer im Wald stürzt und sich schwer verletzt? Wie finden ihn die Retter überhaupt? Remscheids Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan, der selbst Fahrrad fährt, klärt auf.

Wenn ein Radfahrer im Wald verunglückt und ein Spaziergänger oder Mitfahrer die 112 anruft – wie wird der Anrufer geortet?

Über die AML, die Advanced Mobile Location, erklärt Guido Eul-Jordan. Dies ist ein Ortungsdienst für Mobiltelefone. Die Ortungsdienste und WiFi-Verbindung des Mobiltelefons werden dabei automatisch beim Wählen des Notrufs 112 aktiviert. Ergo: Wird kein Notruf abgesetzt, kann die Leitstelle auch das Mobilgerät nicht orten. „Bei Apple-Smartphones ist die Funktion aber erst bei iOS 13.3 vorhanden“, betont Eul-Jordan. Hierüber bekommt die Leitstelle dann die Koordinaten, sie werden direkt im Computer des Disponenten dargestellt. 70 bis 80 Prozent der Notrufe kommen übrigens so bei der Leitstelle der Feuerwehr Remscheid rein. Es empfiehlt sich daher, immer das neueste Betriebssystem auf dem Smartphone zu installieren. Also: „Wer eine Radtour macht, sollte auf jeden Fall das Smartphone mitnehmen.“

Wenn ich mitten im Wald bin, weiß ich oft nicht, wo ich eigentlich bin. Wie orientiere ich mich?

Am besten über die Waldrettungspunkte (siehe Foto oben rechts), die „Hausnummern des Waldes“. Aber bleiben wir realistisch: Meistens stürzt man nicht direkt vor dem Waldrettungspunkt. Was dann? „Man sollte daher die Augen offen halten und darauf achten, wo der nächste steht.“ Gibt der Anrufer den Waldrettungspunkt durch, erhält der Leitstellendisponent die Koordinaten direkt in seinen PC übermittelt. Der Waldrettungspunkt hat noch einen Vorteil: Ihn können die Retter anfahren. Sie wissen zudem genau, welches Fahrzeug sie dann nutzen können. Eingesetzt werden hier Tanklöschfahrzeuge, die schmaler sind. Geländegängige Enduros wie die Solinger Kollegen haben die Remscheider Einsatzkräfte nicht. „Auf jedem unserer Fahrzeuge sind zudem Waldkarten vorhanden, mit denen wir uns orientieren können.“ Gibt es keine genaue Stelle, lautet die Devise: zu Fuß erkunden und suchen.

So sieht ein Waldrettungspunkt aus: Über die vierstellige Nummer können die Retter den Standort genau ermitteln.

Es gibt mittlerweile Smartwatches, die selbstständig bei einem Sturz einen Notruf absetzen. Wie funktioniert das genau?

Eul-Jordan kennt das von der Apple Watch. „Das macht aber nur Sinn, wenn auch eine Simkarte drin ist.“ Die smarten Armbanduhren, die keine Simkarte hätten, koppeln sich dann mit dem Handy. Und darüber funktioniert beim Notruf ja dann wieder AML. „Ob uns eine Uhr oder ein Handy anruft, macht für uns keinen Unterschied.“ Die Sturznotruffunktion könne jedenfalls nicht schaden - vor allem, wenn man allein im Wald unterwegs sei.

Wie kann ein Biker, der eine Böschung hinabgerollt ist, geborgen werden?

„Mit Seilwinde und Trage werden wir ihn patientengerecht rausbekommen“, sagt Eul-Jordan. Diese technische Hilfeleistung sei anspruchsvoll - und werde immer wieder speziell geübt. Dies komme aber nur sehr selten vor.

Und was ist, wenn man kein Handynetz im Wald hat, um Hilfe zu holen?

Klare Antwort: Ohne Handynetz ist kein Notruf möglich. Wer noch kann, müsse sich dann ein wenig bewegen, um Netz zu suchen.

Was rät der Feuerwehr-Chef den Radfahrern?

Helm aufsetzen - und damit auch ein Vorbild für Kinder sein. Und das Fahrrad vor der Fahrt checken: Funktionieren die Bremsen und die Klingel? Ist genügend Luftdruck in den Reifen? Und: Vernünftig fahren, Rücksicht aufeinander nehmen - das gilt nicht nur für die Waldwege, sondern auch für die Trasse. Und natürlich das Handy einpacken.

Heute endet unsere Serie

Nachlesen: Mit dem heutigen Serienteil endet die große RGA-Serie „Radfahren in Remscheid“.

Es geht weiter: Die Berichterstattung des RGA in puncto Radverkehr wird natürlich nicht enden. Wir bleiben dran - denn das Thema nimmt Fahrt auf.

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