Jubiläum

50 Jahre Städtepartnerschaft: Sie erinnern sich an die erste Quimper-Fahrt

Festlicher Empfang in Quimper vor 50 Jahren: Die Städtepartnerschaft mit den Remscheidern hat bis heute gehalten. Repro: Roland Keusch
+
Der Kümmerer und der Reisemarschall: Paul Hans Specht (l.) und Detlef Franzen erinnern sich an die Quimper-Reise vor 50 Jahren.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Am 29. Mai 1971 wurde die Partnerschaft in Remscheid besiegelt, am 22. Juli erfolgte der offizielle Gegenbesuch in der Bretagne. Mit dabei: Paul Hans Specht und Detlef Franzen.

Remscheid. „Weißt du noch, wie wir im Hôtel de l’Epée nebeneinander gesessen und ewig auf unser Essen gewartet haben?“, fragt Paul Hans Specht (93) und schaut seinen Sitznachbarn auf der heimischen Couch vielsagend an. Detlef Franzen (84) erinnert sich. „Die Franzosen haben eben eine ausgesprochene Esskultur. Mahlzeiten sind ein Genuss, und der dauert leicht drei Stunden.“ So war es auch vor 50 Jahren in Quimper.

Am 29. Mai 1971 wurde die Partnerschaft in Remscheid besiegelt, am 22. Juli erfolgte der offizielle Gegenbesuch in der Bretagne. Specht und Franzen zählen zu den Letzten, die von dieser historischen Reise zum „Finis Terrae“, dem Ende der Welt, berichten können. Specht war das Vorkommando, Franzen der Reisemarschall. Als städtische Mitarbeiter sorgten sie dafür, dass auf Remscheider Seite alles glattlief. Paul Hans Specht war damals nicht eingeplant, für das, was sich als herausragendes Ereignis seiner städtischen Laufbahn herausstellte. „Der Leiter der Hauptverwaltung fiel plötzlich aus, und als sein Stellvertreter musste ich über Nacht ran.“ Specht betet die Reiseroute noch detailliert runter: „Ein städtischer Fahrer brachte mich am 18. Juli zum Kölner Hauptbahnhof, von dort bin ich mit der Bahn zum Gare du Nord in Paris, in die Metro gewechselt und zum Gare du Montparnasse, von dort in den Zug nach Brest und in Quimper ausgestiegen.“ 1090 Kilometer vom Bergischen bis zum äußersten Zipfel der Bretagne.

Specht wurde im Hôtel la Tour d’Auvergne einquartiert. Französisch sprach er nicht, sein Gegenüber Guillaume Le Brun, Quimpers Stadtdirektor, der ihn am Bahnhof eingesammelt hatte, ebenso wenig Deutsch. „Irgendwie kommt man mit Händen und Füßen immer klar.“ Specht war der Kümmerer, der der offiziellen Remscheider Delegation um OB Willi Hartkopf, Oberstadtdirektor Dr. Günter Krug und Stadtdirektor Wilhelm Ellerbrake den Weg durch das fünftägige Festprogramm in der 60 000-Einwohner-Stadt ebnete.

Die Vorbereitungen nahmen Konturen an, als Specht eine Dolmetscherin an seine Seite gestellt bekam. Das Manuskript für die Ansprache, die Hartkopf im „Hôtel de Ville de Quimper“ hielt, tippte Specht in die Schreibmaschine, die ihm RGA-Redaktionsmitglied Petra Meyer-Neilm geliehen hatte. Während er die Rede verfasste, rauchte Specht Gauloises. „Ich war ja schließlich in Frankreich.“

Was den damals 42-jährigen Remscheider enorm beeindruckte in der mittelalterlichen Stadt, die im 2. Weltkrieg unzerstört geblieben war: „Von der ersten Minute war es ein unvoreingenommener Umgang miteinander.“ Aus der Erbfeindschaft von Franzosen und Deutschen sollte eine Erbfreundschaft werden.

„Dass es menschlich stimmt, ergibt sich allein daraus, dass wir die Verbindung über 50 Jahre gefestigt haben“, betont Specht. Auch Detlef Franzen imponierte, dass der Geist des Elysée-Vertrages von 1963 auf lokaler Ebene mit Leben gefüllt wurde. „Über Jahrzehnte standen unsere Nationen kriegerisch und ablehnend gegenüber, aber auch die Jumelage, unsere Städtepartnerschaft einte sie.“

„Von der ersten Minute war es ein unvoreingenommer Umgang miteinander.“

Paul Hans Specht

Franzen war der persönliche Referent des OB, der Schatten von Willi Hartkopf. Er organisierte die Bahntickets für die Offiziellen der Verwaltung, aber auch die über 30 Personen starke Reisegruppe aus Vertretern aus Polizei, Feuerwehr, Einzelhandel, Gastro-Gewerbe, Post und Sport, die in den Nordwesten Frankreichs aufbrach. Damals waren Zugreisen angesagt, heute werden Bus und Pkw bevorzugt. Die Stadt besiegelte 1971 mit einem Dokument, was auf schulischer Ebene initiiert worden war. Das Gertrud-Bäumer-Gymnasium hatte zwei Jahre davor den Draht zu den Bretonen hergestellt. Dass während der offiziellen Veranstaltungen, zu denen das riesige Kulturfestival von Cornouaille zählte mit dem Triumphzug der Dudelsackpfeifer und Tänzer, ein Franzose erschien, der in Häftlingskleidung gegen die neuen freundschaftlichen Bande protestierte, war nur eine Randerscheinung.

Festlicher Empfang in Quimper vor 50 Jahren: Die Städtepartnerschaft mit den Remscheidern hat bis heute gehalten.

„Ich habe vor Augen, wie Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in der Kathedrale von Chartres standen, das war der Beginn. Helmut Kohl und Francois Mitterand, aber auch Angela Merkel und Emmanuel Macron haben es fortgesetzt“, erinnert sich Franzen an Gesten der Versöhnung. Sein Vater war im Krieg in Quimper stationiert. Dessen Postkarten von der Front hat er bis heute aufbewahrt. Viele der alten Freundschaftsdokumente aus seiner Verwaltungszeit übergab Detlef Franzen an Bernd Fiedler, den Vorsitzenden des Vereins Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper.

Paul Hans Specht ist danach noch zweimal in Quimper gewesen, einmal mit Familie und seinen beiden Söhnen. Detlef Franzen nahm die strapaziöse Anfahrt öfters auf sich. Nicht zuletzt hat er im wunderschönen Herzen der Bretagne Konzerte genossen, eines mit dem von ihm hochverehrten Chansonnier Georges Moustaki.

Auf seiner Wohnzimmercouch in der Geibelstraße spricht Specht beim Pressegespräch mit dem RGA von zwei herausragenden Ereignissen in seinem Berufsleben, das er als Personalchef im Rathaus beendete: „Das eine war nach der Wiedervereinigung die Beratertätigkeit im Landkreis Eberswalde in Brandenburg und das andere mein Einsatz in Quimper.“

Jubiläum: 44 Remscheider brechen zu neuntägiger Tour auf

Detlef Franzen wird einer von 44 Remscheidern sein, die am frühen Donnerstagmorgen mit dem Reisebus zu einer neuntägigen Bildungsreise nach Quimper aufbrechen, deren zentrales Ereignis der Quimper-Tag am 25. September sein wird. Auf französischer Seite wird das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft groß zelebriert, und in Locmaria feierlich eine Gedenkplakette enthüllt. Dazustoßen werden aus Verwaltung und Politik, auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Kai Kaltwasser und Jürgen Heuser. Abends wird es noch ein Orgelkonzert in der Kathedrale geben. Die 44-köpfige Gruppe wird die erste Nacht nach einem Zwischenstopp in Waterloo in Amiens verbringen, danach bis zum Tag der Rückreise, dem 1. Oktober, ihr Quartier in dem Feriendorf Tregunc direkt am Strand, 35 Kilometer südlich von Quimper beziehen. In dem Feriendorf werden am Sonntag die Bretonen zu Gast sein. Weitere Ausflüge des von Klara Marnach-Wetzel vorbereiteten, umfangreichen Programms sehen vor: Concarneau, Pleyben, Montagne St. Michel, das Nationalgestüt von Hennebont, Chartres, Quimperlé und auf der Rückreise in Paris die Umrundung des verhüllten Triumphbogens – nach einer Idee von Christo.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Sturmtief: Baum kippt auf Hastener Straße - L74 und Strecke der S 7 gesperrt
Sturmtief: Baum kippt auf Hastener Straße - L74 und Strecke der S 7 gesperrt
Sturmtief: Baum kippt auf Hastener Straße - L74 und Strecke der S 7 gesperrt
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Betriebsgebäude verschwindet vom Busbahnhof
Betriebsgebäude verschwindet vom Busbahnhof
Betriebsgebäude verschwindet vom Busbahnhof
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft

Kommentare