Queer

CSD: Bunte Demo soll vom Rathaus zum Stadtpark führen

Solingen feierte im Sommer seinen ersten „Klingenpride“, auch Wuppertal hat einen CSD. Nun will auch Remscheid 2023 nachlegen – sucht dafür aber noch Sponsoren.
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Solingen feierte im Sommer seinen ersten „Klingenpride“, auch Wuppertal hat einen CSD. Nun will auch Remscheid 2023 nachlegen – sucht dafür aber noch Sponsoren.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Die queere Szene in Remscheid wächst. Das Problem: Es gibt kaum Beratungsmöglichkeiten.

Remscheid. Sie war eine der ersten Jugendlichen, die den Stein für die queere Szene ins Rollen gebracht hat: Hannah. Die junge Remscheiderin organisierte 2021 gemeinsam mit Jana Kawina von der Aidshilfe einen Filmabend – und wünschte sich noch mehr Angebote für die LGBTQ+-Community.

Ihr Wunsch ging in Erfüllung: Mittlerweile gibt es nicht nur zwei queere Treffs, die enormen Zulauf haben, sondern auch einen Arbeitskreis Queer, der nun einen Remscheider Christopher Street Day (CSD) plant. „Die Teilnehmer sind alle glücklich, denn es gibt endlich was! Es ist das erste Angebot in Remscheid – seit immer“, erzählte die queere Schülerin im Ausschuss für Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung.

Viele der Jugendlichen wollten Projekte mitgestalten, sich zeigen, in die Öffentlichkeit gehen – auch, wenn sie teilweise schon Opfer von Mobbing wurden. Denn Hannah und viele weitere junge Remscheider stehen ein für Vielfalt, Respekt und Toleranz.

Doch das ist nicht immer einfach, gerade in der Schule, sagt sie. Geschlechtliche Vielfalt sei kein Thema, das der Sexualunterricht behandele. Und das senke die Toleranz, meint sie. „Es fehlt an Aufklärung – bei den Schülern und bei den Lehrern“, bemängelt Hannah. Und auch in anderen Bereichen gibt es noch Hürden für die queere Szene. Wir geben einen Überblick über das, was gerade bewegt.

CSD: Solingen hat bereits seinen „Klingenpride“ gefeiert, auch Wuppertal hat einen Christopher Street Day. Nun will der Arbeitskreis Queer einen CSD in Remscheid starten: Nächstes Jahr soll es soweit sein. Laut Sozial- und Sexualpädagogin Stephanie Dobke von der Welle soll der Demonstrationszug vom Rathaus über die Hindenburgstraße zum Stadtpark ziehen. Hier soll es Stände und Aktionen geben. „Für einen Remscheider CSD brauchen wir aber noch finanzielle Unterstützung“, sagt Dobke. Man akquiriere gerade Geld. Wer mag, kann sich dem Planungsteam anschließen – das trifft sich am Dienstag, 22. November, ab 17 Uhr, in der Welle, Wallstraße 54.

Die Szene: In Lennep treffen sich etwa 15 Teilnehmer. Einige wurden auch schon an die Gelbe Villa weitergeleitet, weil es dort altersmäßig besser für sie passte. „Der Bedarf ist da und viel größer, als wir angenommen haben“, sagt Dobke. In der Gelben Villa kommen wöchentlich neue Gesichter dazu, freut sich Thomas Huschban. „Hier ist ein ganz enger Zusammenhalt zu spüren.“ Mittlerweile zählt er 30 Teilnehmer. „Der Bedarf ist noch weit größer.“ Es gebe Anfragen von Eltern von Elf- bis Zwölfjährigen wie jungen Erwachsenen Anfang 20 – und teilweise nähmen sie eine Stunde Fahrt in Kauf. Das Ziel für 2023 laute: an jedem Abend ein queeres Angebot zu etablieren. Ideen sind Erzählcafés, Regenbogenfamiliencafé, queeres Picknick und mehr.

Finanzierungslücke: Durch Fördergeld sind zwei wöchentliche Angebote in der Welle und der Gelben Villa entstanden – die sehr gut angenommen werden. Jetzt ist klar: Anders als bis zuletzt von der Stadt gehofft, wird es keine Anschlussfinanzierung geben. „Wir recherchieren jetzt, welche Mittel es vom Land eventuell gäbe“, sagt Michael Ketterer vom Fachdienst Jugend. 20.000 Euro benötigen die Welle und die Gelbe Villa, um die Angebote fortzuführen. Stadtdirektor Sven Wiertz will das zum Anlass nehmen und sich mit OB Burkhard Mast-Weisz und Sozialdezernent Thomas Neuhaus besprechen. „Zu einer diversen Regenbogengesellschaft gehört auch, dass man Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, dass sie sich in unserer Gesellschaft zurechtfinden“, betont Wiertz.

Fehlende Beratung: Eine grundsätzliche Beratungsstelle für die LGBTQ+-Szene fehlt. Dobke ist zwar Sexualpädagogin, sei aber mit vielen weiteren Aufgaben ausgelastet. Die Jugendlichen wünschten sich dringend ein niederschwelliges Angebot bei einem Experten, sagt auch Hannah. „Gerade, wenn sie sich outen, brauchen sie ganz viel Unterstützung“, sagt Dobke. Sie kenne einige Jugendliche, die gemobbt wurden und dennoch an die Öffentlichkeit gehen wollen. „Davor ziehe ich meinen Hut.“ Die nächste Transgenderberatungsstelle sei „Anyway“ in Köln.

Keine Ärzte: Nur ein ausgewiesener Mediziner darf ein Gutachten für diejenigen erstellen, die einen Geschlechtswechsel vollziehen möchten. In Remscheid gibt es laut Dobke keine Ärzte. „Es gibt in Remscheid auch nur genau einen Menschen, der eine Transberatung macht – die Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die sich dafür ab und zu Zeit freischaufelt.“

Queere Treffs in Remscheid

Welle: Die Gruppe trifft sich immer donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr im Jugendzentrum Die Welle, Wallstraße 54 in Lennep. Luis Langer, der auch als Sozialpädagoge bei Pro Familia arbeitet, begleitet den offenen Treff. „Jeder, der an der Community oder dem Thema Interesse hat, darf kommen.“ Mal gibt es in Spiel, mal einen Film.

Gelbe Villa: Immer mittwochs öffnet der queere Treff von 18.30 bis 21 Uhr in der Gelben Villa, Eber-hardstraße 29, für alle zwischen 13 und 21 Jahren. Jeder darf kommen und auch nicht-queere Freunde mitbringen. Aber: Der Treff ist ein „safe place“, bedeutet: Toleranz ist die oberste Regel, betont Thomas Huschban von der Villa.

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