Bedarf

Psychologische Beratung: So lange warten Kinder und Jugendliche auf einen Termin

Dr. Jana Schrage betreut mit ihrem Team Kinder, Jugendliche und Familien in Not.
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Dr. Jana Schrage betreut mit ihrem Team Kinder, Jugendliche und Familien in Not.

Der Andrang bei der Psychologischen Beratungsstelle ist weiterhin hoch. Auch Therapieplätze sind nach wie vor Mangelware.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Der Bedarf für psychologische Beratung von Kindern und Jugendlichen ist weiter groß. Die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid verzeichnet seit Monaten einen gleichbleibenden Andrang. Zu rechnen ist mit etwa zwei Monaten Wartezeit bis zu einem Erstberatungstermin.

Fachdienstleiterin Dr. Jana Schrage sagt, dass es noch immer die Nachwirkungen der Pandemie seien. „Die Familien sind ordentlich erschöpft und da erholt es sich schwer von“, fügt sie hinzu. Die Unsicherheit, die aufeinanderfolgenden Quarantänezeiten und Krankheiten hätten an den Kräften gezehrt. Insbesondere betroffen seien Familien mit mehreren Kindern im Kindergarten- oder Grundschulalter.

Doch auch bei Jugendlichen stellt die Beratungsstelle fest, dass mehr Beratungs- und Betreuungsbedarf da ist. Großes Thema ist bei ihnen oft Einsamkeit und dazu ungünstige Verhaltensweisen, die sich nun zeigten. Viele befänden sich jetzt in einer sozialen Isolation oder zeigten depressive Symptome. Auch Ängste seien mehr geworden unter den Jugendlichen. „Größere Gruppen wie Klassen oder Freizeitgruppen schrecken sie jetzt und sie stellen sich abseits“, fasst Schrage zusammen. Dabei müsse es eigentlich genau anders rum sein. Die Pubertät zeichne sich dadurch aus, dass man aus sich heraus gehe und Kontakte schließe.

Seitens ukrainischer Flüchtlingsfamilien verzeichnet die Beratungsstelle bisher nur vereinzelte Anfragen, was aber nach den Erfahrungen der ersten Flüchtlingskrise 2015 nicht verwunderlich sei. „Im Moment sind die Familien noch sehr im Überlebensmodus. Es geht eher darum eine Wohnung, eine Schule oder eine Kita zu finden und sich einzufinden“, so Schrage. Mit den gesammelten Erfahrungen sei die Beratungsstelle aber auf solche Anfragen vorbereitet. Gegebenenfalls würde die Beratungsstelle sprachliche Unterstützung hinzuziehen und dann genauso helfen wie jeder anderen Familie.

Über den Sommer sollen Wartezeiten kürzer werden

Die langen Wartezeiten bis zum Ersttermin hofft Schrage jetzt in den Sommerferien etwas reduzieren zu können. „Unser Anspruch ist eigentlich zwei bis drei Wochen Wartezeit“, sagt die Fachdienstleiterin. Fälle, die bei der Anmeldung hohe Dringlichkeit erkennen ließen, würden aber jederzeit vorgezogen. Auch Jugendliche, die sich ohne ihre Eltern Hilfe suchten, bekämen auch mal eher einen Termin.

Generell würden viele der Beratungsgespräche schneller abgeschlossen werden können, wenn direkt an die richtigen Stellen weitervermittelt werden könne, beispielsweise notwendige Therapieplätze. Diese seien jedoch Mangelware. Bis dahin liefen die Fälle in der Beratungsstelle auf, die niemanden im Regen stehenlassen will. „Wir begleiten und unterstützen, bis die Therapie möglich ist oder andere Stellen helfen können“, sagt Dr. Schrage. Solange sei der Platz aber besetzt.

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