Krieg in der Ukraine

Psychologin erklärt: So spreche ich mit Kindern über Krieg

Dr. Jana Schrage war acht Jahre Polizistin in Hamburg. Sei drei Jahren leitet sie die Schulpsychologische Beratungsstelle in Remscheid. Foto: Michael Schütz
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Dr. Jana Schrage war acht Jahre Polizistin in Hamburg. Seit drei Jahren leitet sie die Schulpsychologische Beratungsstelle in Remscheid.

Ehrlich, mit einfachen Worten, ohne Details aber auch ohne Lügen: Eltern sollten weder schönreden noch Angst machen und dabei Sicherheit vermitteln.

Von Axel Richter

Remscheid. Was ist Krieg? Warum schießen Soldaten aufeinander? Warum müssen Familien ihr Zuhause verlassen und fliehen? Wer Kinder hat, wird angesichts des Kriegs in der Ukraine unweigerlich mit solchen Fragen konfrontiert. Der RGA sprach mit Dr. Jana Schrage, Leiterin der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid.

Ist der Krieg von Kindern fernzuhalten?

Nein, sagt Dr. Jana Schrage: „Man kann Kinder nicht von den Ereignissen abschirmen.“ Entweder erfahren sie davon aus den Medien, von Gleichaltrigen oder aus den Gesprächen Erwachsener. Deshalb sei es richtig, mit ihnen über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Anderenfalls schnappen sie die Geschehnisse anderswo auf, ohne eine Einordnung durch die Eltern.

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Wie rede ich mit meinen Kindern über den Krieg?

Das ist eine Frage des Alters. Eltern von Kindern im Kindergartenalter dürfen getrost abwarten. Sie stellen irgendwann selbst die Fragen, die sie haben. Wichtig sei es dann, in einfachen Worten zu erklären, was passiert. „Da ist ein starkes Land, das ein schwächeres Land überfallen und sich unter den Arm klemmen möchte. Das verstehen auch kleine Kinder schon“, sagt Jana Schrage. Wichtig sei es zudem, ehrlich zu sein. „Kinder kriegen es mit, wenn Erwachsene besorgt sind. Deshalb sollte man Kinder nichts vormachen nach dem Motto: Du musst Dir keine Sorgen machen.“ Das sorge nur für zusätzliche Verunsicherung.

In TikTok und Co. wird viel Unsinn verbreitet. Was sollten Eltern dagegen tun?

„TikTok ist kein Medium für Grundschulkinder.“ Das schickt die Psychologin voraus. Zudem sollten Kinder beim Konsum von Medieninhalten nicht allein gelassen werden. „Sie dürfen Zeitung lesen, sie dürfen Nachrichten schauen“, sagt Jana Schrage. Aber die Eltern sollten immer dabei sein und mit den Kindern über die Nachrichten sprechen. Und, ganz wichtig: „Es darf keine Dauerbeschallung geben. Wir alle brauchen immer wieder auch Abstand von den Ereignissen, sonst zehrt es uns und unsere Energie auf.“

Wie vermeide ich es, weder schönzureden noch Angst zu machen?

Eltern sollten auf Details unbedingt verzichten und zum Beispiel nicht schildern, dass in einem Krieg Menschen aufeinander schießen, dass Panzer rollen und welche Waffen zum Einsatz kommen. „Es reicht zu sagen, dass Länder miteinander Streit haben und der Präsident des einen Landes meint, das andere besiegen zu müssen“, sagt Jana Schrage.

Wie vermittle ich Kindern Sicherheit?

Für Erwachsene gilt grundsätzlich: Die eigenen Unsicherheiten, Sorgen und Ängste haben bei Kindern nichts verloren. Darüber dürfen Eltern miteinander oder mit Freunden sprechen, nicht aber vor ihren Kindern. „Wichtig ist zudem, den Kindern zu vermitteln, dass da Erwachsene sind, die versuchen, den Krieg zu stoppen“, sagt die Psychologin: „Politiker und Politikerinnen sprechen miteinander und versuchen, durch Gespräche eine Einigung zu finden. Damit darf ich Zuversicht vermitteln. Ich darf den Kindern aber auch nicht etwas versprechen, was ich am Ende nicht halten kann“, sagt Jana Schrage. Das gelte auch mit Blick auf die Kriegsgefahr in Deutschland: „Wir können und sollten den Kindern klarmachen, dass ein Übergreifen des Krieges auf Deutschland sehr unwahrscheinlich ist“, sagt Jana Schrage. Aber wir sollten auch nicht sagen: Das kann uns nicht passieren.“

Wie kann ich meinen Kindern beim Verarbeiten helfen?

Kinder haben wie viele Erwachsene das gleiche Bedürfnis, etwas zu tun. Kindern kann es helfen, die ukrainische Flagge malen und ans Fenster zu kleben. „Es geht um Handlungsoptionen“, sagt Jana Schrage, „um aus der eigenen Ohnmacht herauszukommen.“

Zur Person

Dr. Jana Schrage (41) studierte an der Fachhochschule der Polizei und arbeitete acht Jahre als Polizistin in Hamburg. Sie schloss ein Psychologiestudium an und promovierte. Seit drei Jahren leitet sie die Schulpsychologische Beratungsstelle in Remscheid. Für zwei Jahre ist sie die Landesbeauftragten NRW für die Sektion Schulpsychologie.

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