Prozess

Ärztin: 63 Jahre alter Mann gehört in Entziehungsanstalt

Ein 63 Jahre alter Beschuldigter soll einen Mitpatienten in der psychiatrischen Klinik Tannenhof verbrüht haben
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Ein 63 Jahre alter Beschuldigter soll einen Mitpatienten in der psychiatrischen Klinik Tannenhof verbrüht haben

Prozess um eine Attacke mit heißem Wasser

Remscheid. In einem Prozess um eine gefährliche Attacke mit heißem Teewasser zeichnet sich eine Wende ab. Ein 63 Jahre alter Beschuldigter soll einen Mitpatienten in der psychiatrischen Klinik Tannenhof verbrüht haben. Ärzte des Mannes nun in der geschlossenen Klinik in Langenfeld allerdings haben aus eigenem Entschluss dem Landgericht Wuppertal geschrieben. Ihr Brief bringt eine abweichende Diagnose: Bei dem psychisch kranken Mann sei eine Alkoholabhängigkeit entscheidend für gefährliche Ausfälle gewesen. In der Klinik habe er keinen Zugang zu Alkohol und sei ruhig und geordnet. Er nehme problemlos seine Medikamente. Fazit einer Ärztin im Zeugenstand: Der Beschuldigte gehöre in eine Entziehungsanstalt, nicht auf unbefristet in eine geschlossene Klinik für psychisch kranke Straftäter.

Der 63-Jährige soll im Oktober 2019 auf einem Klinikflur in Lüttringhausen heißes Wasser verwendet haben, das dort in Thermoskannen bereitstand. Die Patienten brühen damit Tee auf. Laut Zeugen erlitt das Opfer des Mannes durch den Angriff Rötungen und Blasenbildung an Hals und Oberkörper. Dieser Mann gilt nach Übergriffen selbst als gemeingefährlich. Der 63-Jährige hat angegeben, sich verteidigt zu haben. Der andere habe „alles und jeden angefasst“, davor habe er sich gefürchtet. Der 63-Jährige war viele Male im Tannenhof.

Akte und Zeugenaussagen vermitteln ein unterschiedliches Bild des 63-jährigen Angeklagten

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft umfassen Übergriffe in der Öffentlichkeit am Wohnort des Beschuldigten in Wuppertal. Der vorsitzende Richter fasste in einem vorläufigen Fazit zusammen: „Wenn man die Akte liest, bekommt man den Eindruck: Da läuft jemand hochgefährliches frei herum.“ Die Zeugenaussagen hingegen zeichneten vielfach ein milderes Bild. Der Beschuldigte habe sich für Gänge in die Öffentlichkeit mit Alltagsgegenständen gerüstet, teils mit Stücken vom Müll – jedenfalls nicht mit Waffen.

Die Klinik-Ärztin bezeugte, Alkohol hebe die Wirkung der Medikamente des Mannes auf. Das könne eine Woche verzögert geschehen. Dass frühere medizinische Gutachter zum Schluss gekommen seien, der Mann sei gefährlich, wundere sie nicht: „In drei Wochen lässt sich seine Erkrankung nicht behandeln.“

Das Landgericht will am 26. Mai 2021 weiter verhandeln. dilo

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