Verkehr

Projekt der Polizei: Wie junge Frauen zu Schutzengeln werden

Michael Wenner ist in der Verkehrsunfallprävention unterwegs. Ein Baustein ist dabei das Schutzengel-Projekt, das sich an Mädchen in den Klassen 10 und 11 wendet. Sie sollen bestärkt werden, auf ihr soziales Umfeld – vor allem männliche Jungfahrer – positiv einzuwirken. Archivfoto: Daniel Dresen
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Michael Wenner ist in der Verkehrsunfallprävention unterwegs. Ein Baustein ist dabei das Schutzengel-Projekt, das sich an Mädchen in den Klassen 10 und 11 wendet. Sie sollen bestärkt werden, auf ihr soziales Umfeld – vor allem männliche Jungfahrer – positiv einzuwirken.

Unfallprävention bei jungen Fahrern: Projekt der Polizei stärkt das Selbstvertrauen von Mädchen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Es gehe nicht darum, dass „die Jungs“ im Straßenverkehr die Bösen seien, und junge Frauen „die Lieben“. Im Bereich der Ordnungswidrigkeiten hätten junge Autofahrerinnen in den letzten Jahren sogar ein wenig aufgeholt. Und doch, sagen die Polizisten: Es fällt auf, dass Männer zwischen 17 und 24 Jahren ganz besonders zum risikoreichen Fahren neigen.

Dem stellt die Remscheider Polizei seit Jahren ein Projekt entgegen. Eines, das sich nicht an die Risikogruppe – die anderweitig angesprochen wird – selbst wendet, sondern an die, die die risikoreichen Fahrer auf der Beziehungsebene ansprechen können: ihre Begleiterinnen, junge Mädchen.

„Ich fühle mich nicht wohl, wenn du so fährst.“

Michael Wenner und Kollegen vermitteln Ich-Botschaften

Das Konzept heißt „Verkehrsengel“ und hat sich in Remscheid seit seiner Einführung 2008 bewährt. Angesprochen werden Mädchen, die sich gerade im Bereich begleitetes Fahren oder Führerscheinerwerb befinden. Entweder fahren diese bereits mit Freunden oder es wird bald soweit sein.

Die drei Verkehrssicherheitsberater für Remscheid, Anja Monse, Stephan Keller und Michael Wenner, verbuchen das Schutzengel-Projekt als äußerst sinnvollen Baustein in der Verkehrserziehung. Die angesprochenen Mädchen verschwinden kurz darauf in Ausbildung, Abitur oder Studium: Dann sind sie weg, was Verkehrssensibilisierung anbetrifft. Doch vorher soll ihr Selbstvertrauen gestärkt werden, und damit die Möglichkeit, die Risikogruppe zu bremsen – im bildhaften wie übertragenen Sinne.

Die jungen Mädchen absolvieren im Schutzengel-Projekt einen Thementag zur Unfallprävention. Die Polizei kooperiert hierzu mit Remscheider Schulen. Wenner umreißt das Themenspektrum: „Wie kann auf junge Fahrer eingewirkt werden, die zu schnell fahren, unangepasst fahren, oder wenn Drogen oder Alkohol im Spiel sind.“ Diese Dinge werden praktisch, beispielsweise in Rollenspielen, und theoretisch bearbeitet. Die Teilnehmerinnen werden ermutigt, sich klar zu positionieren – und sich zu trauen, im Zweifelsfall auszusteigen. Das habe am Ende in vielen Fällen die beste, pädagogische Wirkung.

Vor einigen Wochen hatte es zum Präventionsprogramm eine Anfrage der Remscheider Linken gegeben: Die Partei monierte, dass das Projekt durch „geschlechtsspezifische Separierung veraltete, binäre Geschlechternarrative“ vermittele. Die Verkehrsunfallprävention im Polizeipräsidium Wuppertal antwortete auf diese Anfrage unter anderem mit der Erläuterung, dieses einzige geschlechterspezifische Angebot in ihrem umfangreichen Portfolio sei sinnvoll, „weil junge Frauen als Mitfahrende etwa doppelt so häufig Opfer von Verkehrsunfällen sind als männliche Mitfahrende“.

Und das, obwohl sie viel seltener fahren, wissen die drei Remscheider Verkehrssicherheitsberater. Wer selbst fährt, schützt sich bei einem drohenden Aufprall intuitiv selbst. Die Polizisten ermutigen die Mädchen auch, unbedingt selbst den Führerschein zu machen.

Darüber hinaus geht es auch darum, auf besondere Gefahren- und Ablenkungsquellen hinzuweisen: vom Handy über Musik bis hin zu den von Beifahrerinnen auf dem Armaturenbrett abgelegten Füßen.

Von den Schulen habe es bislang nur positive Rückmeldungen gegeben, so Wenner. Im Schutzengel-Projekt werden junge Mädchen gezielt angesprochen, sensibilisiert und gestärkt. Um sagen zu können: „Ich fühle mich nicht wohl, wenn du so fährst.“ Diese sogenannten Ich-Botschaften werden vermittelt. Sie wirken. Genau sie, weiß Wenner, kommen angewandt von jungen Frauen bei jungen Männern eher an als alle anderen Maßnahmen.

Hintergrund

Form: Die Schutzengel-Seminare finden auf der Wache am Quimperplatz statt. Die Schülerinnen sollen bewusst das schulische Umfeld verlassen.

Corona: Zurzeit ist es nicht möglich, auf den Wachen Besuch zu empfangen. Auch die Polizisten untereinander sind angehalten, Besprechungen möglichst telefonisch oder digital stattfinden zu lassen. Wann das Schutzengel-Projekt also wieder Fahrt aufnimmt, ist offen – vermutlich erst im kommenden Jahr.

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