Zahlen zum Berufsverkehr

Remscheid profitiert von vielen Pendlern

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Statistisches Landesamt legt Zahlen zum Berufsverkehr für 2019 vor – Mit hoher Corona-Inzidenz sinkt die Mobilität.

Statistisches Landesamt legt Zahlen zum Berufsverkehr für 2019 vor – Mit hoher Corona-Inzidenz sinkt die Mobilität.

Von Philipp Müller

Remscheid.Wenn in Solingen und Remscheid morgens die Arbeitswelt erwacht, dann bedeutet das auf den Straßen an den Stadtgrenzen dies: Menschen aus den umliegenden Städten fahren nach Remscheid hinein, andere nach Solingen. Die Zahl dieser Einpendler hat sich nach einer aktuellen Mitteilung das Statistischen Landesamts (IT NRW) von 2018 auf 2019 kaum geändert. Unverändert ist aber dieser Trend: Während Solingen am Morgen deutlich um 10 000 Berufstätige leerer wird, wächst Remscheid um rund 4500 Arbeitnehmer.

Erfasst werden in der Statistik auf NRW-Ebene dabei Verkehrsströme mit dem Pkw, ÖPNV und der Bahn. Zu den gezählten Pendlergruppen gehören sowohl die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die geringfügig Beschäftigen, die Beamten, aber auch die selbstständig Arbeitenden in den beiden Städten.

Das sind alles Zahlen aus 2019. Doch seit Mitte März 2020 hat sich durch den Ausbruch der Corona-Pandemie viel geändert. Jedoch einen Trend, welche Auswirkungen Lockdown und Homeoffice auf die Pendlerzahlen haben, die könne IT NRW noch nicht vorlegen, erklärt Pressesprecherin Claudia Key. Die Zahlen setzten sich aus mehreren Quellen zusammen, die einmal im Jahr in die Statistik einfließen. Auch gebe es für das Landesamt noch keine rechtliche Grundlage, die Zahl der im Homeoffice Arbeitenden überhaupt zu erfassen.

Auch der Bergischen IHK liegen keine Zahlen über die Zahl der Arbeitnehmer, die im Städtedreieck im Homeoffice sind, vor. „Dass es deutlich mehr sind als vor der Corona-Krise, steht allerdings außer Frage“, berichtet IHK-Sprecher Thomas Wängler.

Aber Zahlen des Statistischen Bundesamts geben einen ersten Eindruck, wie sich die Pandemie bei steigender Inzidenz (Sieben-Tage-Wert der Corona-Neuinfektionen) auf den Berufsverkehr insgesamt auswirkt. Dazu wurden anonymisierte Mobilfunkdaten ausgewertet. In Remscheid waren im Zeitraum 12. bis 18. Oktober 25,1 Prozent weniger Menschen mobil unterwegs als im Zeitraum 14. bis 20. September. In Solingen sank die Zahl um 18,3 Prozent. Der Unterschied mag sich aus den Zahlen von 2019 von IT NRW erklären. Liegt die Zahl der Auspendler mit etwa 40 Prozent – auf die Zahl der Arbeitsplätze (Remscheid 59 301 und Solingen 74 450) bezogen – etwa gleich hoch, pendeln täglich in Remscheid 43,6 Prozent der Arbeitenden ein. In Solingen hingegen nur 32,8 Prozent.

Doch wozu braucht man diese Zahlen? „Generell sind die Pendlerzahlen wichtig, um wirtschaftliche Verflechtungen zu erkennen“, erklärt Thomas Wängler. Und er merkt an, dass die Zahl der täglichen Pendler automatisch sinke, wenn künftig dauerhaft mehr Menschen im Homeoffice arbeiteten. Dies entlaste dann unter anderem die Verkehrsinfrastruktur.

Die Pendlerzahlen lassen deshalb in Verbindung mit den städtischen Verkehrszählungen Rückschlüsse darauf zu, wo es hakt oder haken könnte. Im Bereich der Solinger Straße auf Remscheider Seite, Müngsten und Remscheider Straße auf Solinger Gebiet wäre ein Ausbau fast unmöglich. Immerhin pendeln 1982 Solinger täglich nach Remscheid und von dort 2146 nach Solingen. Das gilt auch für die Straßen nach Wuppertal, wohin täglich 6021 Remscheider und 4971 Solinger zur Arbeit fahren. Umgekehrt kommen 5099 Wuppertaler nach Solingen und 6382 nach Remscheid.

Daher seien die Zahlen auch wichtig, um zu schauen, wo man den Umweltverbund stärken muss, damit weniger Pendler auf das eigene Auto angewiesen sind, sagt Wängler. Die Statistik müsse künftig unbedingt die Zahlen aus dem Homeoffice erfassen, denn heute gelte ein Pendler, der im Homeoffice arbeite, weiterhin als Pendler. | Standpunkt

Mobilität der bergischen Pendler

Remscheid: Remscheid profitiert von vielen Pendlern aus den Nachbarstädten Wermelskirchen (3320), Radevormwald (1905) oder Hückeswagen (1214). Ziele der Auspendler sind auch diese drei Städte (4202), aber auch Köln (1094).

Solingen: Ziele der Auspendler sind neben Wuppertal überwiegend die drei Städte Richtung Rhein mit Düsseldorf (5795 pro Tag), Hilden (2659) und Köln (2625). Einpendler kommen überwiegend aus gleicher Richtung.

Standpunkt: Einen Schritt voraus

Von Michael Albrecht

Die Pendlerstatistik des Statistischen Landesamtes zeigt eins ganz deutlich: Für die Berufstätigen im bergischen Städtedreieck ist die Wirtschaftsregion längst zusammengewachsen. In den Remscheider Unternehmen arbeiten viele Solinger und Wuppertaler und umgekehrt.

michael.albrecht @rga-online.de

Das Kirchturmdenken ist dort schon seit Jahren überholt. Da spielt es keine Rolle mehr, woher der Kollege im Büro oder an der Werkbank kommt. Damit ist die bergische Wirtschaft der Politik mehr als nur einen Schritt voraus. 

Man denke nur an das Klage-Theater in Sachen Designer Outlet Center zwischen Remscheid und Wuppertal, das über Monate währte und erst in diesem Jahr glücklicherweise ein Ende gefunden hat. Für viele Menschen ist nämlich das bergische Städtedreieck längst zu einer Metropolregion zusammengewachsen, in der sie arbeiten und wohnen. Da sind jegliche Abgrenzungstendenzen im Endeffekt nur Hemmschuhe für künftige Entwicklungen und schaden nur, wenn es darum geht, sich für die Zukunft zu rüsten. Denn das kann nur gemeinsam gelingen. 

Am 2. November geht mit dem Gründerquartier in der Hindenburgstraße nun ein neuer Zukunftsort in Remscheid an den Start. Was will man genau erreichen? Wofür steht die Gründerschmiede? Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der Gründerschmiede Christoph Imber sowie mit der Produktmanagerin und „Gründermutti“ Nicole Haas.

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