2700 Quadratmeter

Profi-Werkzeughersteller expandiert in Lennep

Umgezogen: (v.l.) Dominik Limbach mit den Wirtschaftsförderern Annika Fröhlich und Thomas Hildebrand-Effelberg.
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Umgezogen: (v.l.) Dominik Limbach mit den Wirtschaftsförderern Annika Fröhlich und Thomas Hildebrand-Effelberg.
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Firma maurerfreund findet mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung im Höhenweg eine neue Heimat.

Remscheid. Expandierende Unternehmen an den Gewerbestandort Remscheid zu binden, ist ein schwieriges Geschäft. Es fehlt an größeren Flächen, stattdessen müssen bestehende Brachen neu vermarktet werden. Immer wieder feiert die Wirtschaftsförderung dabei kleine Erfolge. Am Freitag wurde ein solcher am Höhenweg 91 präsentiert. Die Firma maurerfreund ist vom Platz im Morsbachtal nach Lennep umgezogen.

Von 1200 Quadratmetern zur Miete in 2700 Quadratmeter Eigentum. Seit 1. Juni werden in der weitläufigen Immobilie, in der bis 2016 der nach Hückeswagen abgewanderte Maschinenbauer Magurit Gefrier- und Frischschneider produzierte, Maurer- und Glättekellen hergestellt. Noch fehlt das Firmenschild am Eingang, ist das Objekt innen eine Baustelle, weil es für viele Sachen die heute üblichen Lieferschwierigkeiten gibt. Dennoch sind Maschinen und Lager aufgebaut, läuft der Betrieb mit den 25 Mitarbeitern auf Touren. Perspektivisch werden auch zwei weitere Mieter einziehen: ein Steuerbüro und ein Unternehmen für Oberflächentechnik.

Die Stadt Remscheid hat mit Lieferengpässen von Laternen für die Alleestraße zu kämpfen

Geschäftsführer Dominik Limbach lobt die städtische Wirtschaftsförderung. Was manchmal Monate dauert, war bei der Anbahnung der Vermittlung im Mai 2021 eine Sache von ein paar Minuten. Schnell war für Limbach klar, der neue von der Infrastruktur deutlich zentralere Standort kommt in Frage.

Dabei wurde es vor dem Kauf eng für die Gesellschafter, Johann Hörtnagl (Firma Hörtnagl-Werkzeuge, Österreich) und Perry Verhoeven (Firma SuperProf B.V., Niederlande). Denn es drohte zunächst eine aufwendige Nutzungsänderung, die Wirtschaftsförderer Thomas Hildebrand-Effelberg als Schnittstelle zum Kaufinteressenten in Absprache und nach Prüfung durch das Bauordnungsamt abwenden konnte.

Im Dezember 2021 wurde der Notarvertrag unterschrieben. Dominik Limbach, seit 2017 Managing Director bei maurerfreund, schüttelt generell den Kopf: „Im Bezug auf seine Bürokratie ist Deutschland eine Bananenrepublik.“ Wer sich hier ansiedeln, verändern oder Arbeitsplätze schaffen wolle, sähe sich mit oft hohen Hürden konfrontiert. Deshalb plant maurerfreund, die neue, für den Herbst angekündigte Produktlinie mittelfristig in den USA fertigen zu lassen - einem der Hauptabsatzmärkte für das Profi-Werkzeug und ein Land, das Firmen vieles einfacher macht.

Karbonkelle soll auf der Messe vorgestellt werden

Die kleine Traditionsfirma, die es seit 1856 gibt und vor den ausländischen Investoren im Besitz von Adolf Kuhlen war, will pünktlich zur Eisenwarenmesse in Köln seine Neuheit vorstellen: Eine Karbonkelle, die nach fünf Jahren Forschung mit der Uni Wuppertal in Serie gehen soll. „Wir wollten ursprünglich die leichteste Kelle der Welt kreieren.“ In jedem Fall, so verspricht Limberg, werde es eine mit dem meisten Komfort am Griff. „Beim Handwerkzeug ist das ein entscheidendes Kriterium“, erklärt der Geschäftsführer. Die riesige Produktpalette von maurerfreund wird gerade von 16 000 auf 4 000 entschlackt.

Größter Kunde ist die SuperProf in Holland. In Deutschland sind die Absätze nicht so hoch, die meisten der hochwertigen Erzeugnisse gehen auf die internationalen Märkte, neben den USA auch nach Australien und Neuseeland. Das Vergrößerungsbestreben drückt sich in den Geschäftszahlen aus: 2011 verzeichnete maurerfreund ein Umsatzwachstum von über 30 Prozent - es war das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte.

Standpunkt von Andreas Weber: Mit kleinen Schritten

andreas.weber@rga.de

Großzügige Unternehmensflächen hat Remscheid nicht zu bieten. Das ist ein riesiger Nachteil für die Standortentwicklung. Die Flächen am Bahnhof Lennep sind alle weg, ein letztes, neugeordnetes Grundstück mit 900 qm in Bergisch Born wird gerade bebaut. Wenn die städtischen Wirtschaftsförderer mit Pfunden wuchern, dann nur im Kleinen. Das wird auf Jahre so bleiben. Den Vermittlern bleibt bei den Nachfragen, die deutlich höher als das Angebot sind, nur der Abgleich mit Leerständen, die man an drei Händen abzählen kann. Im Falle maurerfreund war die lange leerstehende, aber gut gepflegten Hallen am Höhenweg ein Volltreffer. Bestandsimmobilien sind jedoch selten so, wie sie sich potenzielle Nachfolger wünschen. Spektakuläre Würfe sind für den Wirtschaftsstandort nicht drin, es bleibt bei der Politik der kleinen Schritte, die demnächst immerhin einen weiteren Erfolg beschert mit dem Umzug der Potec Vertriebs GmbH von der Freiheitstraße zum Großhülsberg.

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