Fehlerhafte Kündigungen

Prämiensparen: Verbraucherzentrale berät

Lydia Schwertner von der Verbraucherzentrale. Foto: Roland Keusch
+
Lydia Schwertner von der Verbraucherzentrale.

Sparkassen-Kündigungen beschäftigten auch die Remscheider Beratungsstelle stark.

Von Andreas Weber

Remscheid. Als Ingeborg und Helmut Pott im RGA am 22. Dezember die Geschichte „Sparkasse nimmt Kündigungen zurück“ lasen, war dies für sie wie ein „vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“. Das Lenneper Ehepaar atmete auf. Nährte die Nachricht doch die Hoffnung, dass die Potts ihren lukrativen Prämiensparvertrag fortsetzen können und nicht mit juristischer Hilfe und vielleicht sogar vor Gericht weiterstreiten müssen.

Auf Nachfrage des RGA hatte die Remscheider Stadtsparkasse fehlerhafte Kündigungen eingeräumt, sich bei den Betroffenen entschuldigt und in 136 Fällen die Auflösung des Vertrages zurückgenommen. Kurz nach dem Fest erhielt das Ehepaar das entsprechende Schreiben. Obwohl sie die höchste Prämienstufe (50 Prozent auf die eingezahlte Jahresleistung) erreicht haben, werden ihre beiden Verträge, die nach einer familieninternen Umschreibung 2011 bis in den Januar 2027 terminiert wurden, fortgeführt.

Die Stadtsparkasse hatte zum 30. Dezember 2021 alle rund 1500 Prämiensparverträge ohne feste Laufzeit bzw. mit Maximallaufzeit gekündigt, die bis April 2005 eröffnet wurden und die höchste Prämienstufe bereits erreicht haben. Das Kreditinstitut hatte damit argumentiert, dass sich seit der Einführung des Sparmodells vor über zwei Jahrzehnten die Rahmenbedingungen geändert hätten, in Zeiten der Niedrigzinspolitik es das „Gebot der Wirtschaftlichkeit“ verbiete, Verträge fortzusetzen.

Damit traten die Sparkassen bundesweit schon 2019 eine Lawine los. Auch im Herbst, als die hiesige Sparkasse serienweise Kündigungen rausgeschickt hatte, ließen aufgebrachte Sparkassen-Kunden die Telefone bei der Verbraucherzentrale nicht stillstehen. „Gefühlt jede zweite Anfrage im September und Oktober drehte sich um das Thema“, meint Lydia Schwertner (Verbraucherzentrale Remscheid).

Die Verbraucherzentrale NRW hat sich intensiv in die Problematik reingekniet und weiß: „Diese Kündigungsrechte sind vielfach umstritten. Nur für ganz bestimmte Verträge hat der Bundesgerichtshof in letzter Instanz entschieden, dass Kündigungen rechtens sind.“ Vielfach würden Kreditinstitute das Prinzip der Vertragstreue verletzen. Auf ihrer Homepage hat die Verbraucherzentrale zu Prämiensparverträgen, Zinsanpassungsklauseln Musterbriefe bei Kündigungen gestellt. Wen die Antwort der Bank nicht zufriedenstellt, kann eine persönliche, anwaltliche Beratung der Zentrale in Anspruch nehmen, die 75 Euro kostet. Remscheider müssen dafür nach Solingen und Wuppertal.

Kontakt: Tel. (0 21 91) 8 42 47 91, remscheid@verbraucherzentrale.nrw

Auch interessant: Verbraucherzentrale berät verunsicherte Strom- und Gaskunden

Verbrauchertipp: Verkaufen, verschenken, entsorgen: Wohin mit alter Elektronik?

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Stadt Remscheid geht gegen die Telekom juristisch vor
Stadt Remscheid geht gegen die Telekom juristisch vor
Stadt Remscheid geht gegen die Telekom juristisch vor
Welche beiden Straßen treffen hier aufeinander?
Welche beiden Straßen treffen hier aufeinander?
Welche beiden Straßen treffen hier aufeinander?
Corona: Drei weitere Todesfälle in Remscheid - Inzidenz steigt auf 1094
Corona: Drei weitere Todesfälle in Remscheid - Inzidenz steigt auf 1094
Corona: Drei weitere Todesfälle in Remscheid - Inzidenz steigt auf 1094
Hoher Krankenstand: Remscheider Stadtwerke müssen Busfahrten absagen
Hoher Krankenstand: Remscheider Stadtwerke müssen Busfahrten absagen
Hoher Krankenstand: Remscheider Stadtwerke müssen Busfahrten absagen

Kommentare