Kulturbetrieb ruht seit 14. März 2020

POM-Betreiber möchte für seinen Club einen Nachfolger finden

Das POM an der Hindenburgstraße: Corona hat den Laden lahmgelegt. Betreiber Peter Kaschubiak möchte in Ruhestand gehen. Foto: Andreas Weber
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Das POM an der Hindenburgstraße: Corona hat den Laden lahmgelegt. Betreiber Peter Kaschubiak möchte in Ruhestand gehen.
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Nächstes Jahr könnte für Peter Kaschubiak Schluss sein.

Remscheid. Die letzte Buchung für den 8. Mai, die Feier eines 50. Geburtstags, ist gerade abgesagt. „Jetzt steht alles auf null, es gibt vorerst keine Buchung mehr“, sagt Peter Kaschubiak. Der Terminkalender des Point Of Music (POM) ist leergefegt, die Hoffnung auf bessere Zeiten für das Kulturzentrum in der Hindenburgstraße 12a vage. Sie fällt in eine Zeit, in der der langjährige Betreiber an Rückzug denkt. 30 Jahre ist Kaschubiak nebenher im Eventgeschäft. Im Sommer 2022 geht er als Berufsschullehrer in den Ruhestand. Es könnte der Zeitpunkt werden, an dem er seinen Betrieb in andere Hände legt. Der Impresario denkt ans Aufhören.

Eigentlich wollte er seinen Mietvertrag 2024/2025 auflösen, doch Corona beschleunigt den Gedanken, nach drei Jahrzehnten deutlich eher Schluss zu machen. Der letzte Auftritt fand am 14. März 2020 statt. Der Tag steht beispielhaft für das, was Kaschubiak in den vergangenen 13 Monaten nervte. St. Patrick´s Day wurde damals auf der Bühne gefeiert, die Musiker standen bereit, zehn Zuhörer waren schon im Club. „Dann rückte das Ordnungsamt mit einem halben Dutzend an und ließ die draußen Wartenden nicht mehr rein. Das Konzert durfte zwar noch stattfinden, wenn auch nur vor wenigen Besuchern.“

Der St.-Patrick’s-Day-Auftritt war hart an der Grenze zu dem Datum, als die Schranke für die Kulturbetriebe komplett runterfiel. Im Fokus von Ordnungsamt und Polizei blieb er danach. Zum POM-Komplex gehören auch zahlreiche Proberäume von Bands. Immer wieder rückten die Kontrolleure an, weil sie vermuteten, dass dort nachts nicht coronakonforme Partys veranstaltet würden. „Zehn Mal ist das passiert, immer kamen sie vergebens. Alles ging mit rechten Dingen zu. Das letzte Mal, als ein DJ auf Live-Online-Sendung war. Vier Einsatzfahrzeuge standen bei uns vor der Tür.“

Einen kleinen Betrag erhielt die Institution vom Remscheider Kulturfonds, für die Überbrückungshilfe I, II und III kam der Clubchef nicht in Frage. „Die Begründung war, dass wir Einnahmen aus Vermietung haben, die aber für den Veranstaltungsbereich nicht relevant sind“, bedauert Peter Kaschubiak. Insgesamt 28 Mieter sind in dem Komplex. Peter Kaschubiak klagt nicht. „Am Ende ist es so, dass ich vom POM nicht leben muss.“ 1990/91 begann er mit dem Umbau der Hinterhof-Immobilie im Stadtzentrum. Eine sechsstellige D-Mark-Summe wurde investiert. Am 19. Juni 1991 unterschrieb er mit zwei weiteren Gesellschaftern den Vertrag, Silvester 1992 stieg die erste Fete, am 27. Februar 1993 gab es das erste Konzert. Danach entwickelte sich das POM zu einer Stätte, von der Kaschubiak sagt, dass sie bundesweit bekannt geworden sei.

„Zehn Mal kamen die Kontrolleure, immer vergebens.“

Peter Kaschubiak, POM-Betreiber

In guten Jahren strömten zwischen 7- und 8 000 Besucher. Anfangs gingen bis zu 400 Besucher rein, nach der Love-Parade-Tragödie in Duisburg wurde die Kapazität durch striktere Bestimmungen bis auf 200 heruntergedrosselt. Auch die Frequenz überregionaler Künstler und Bands nahm über die Jahre ab. Peter Kaschubiak hat trotzdem weiter gemacht. „Obwohl der Laden öfters mal totgesagt worden ist.“ Sich nach all den Jahren von seinem liebgewordenen Baby zu trennen, fällt ihm nicht leicht. Interessenten gibt es. So hat Kaschubiak Gespräche mit der benachbarten Gründerschmiede Remscheid geführt, die sich vergrößern will. „Ich habe allerdings den Eindruck, dass es die Gründerschmiede nicht mieten wird, weil es ihr an den nötigen finanziellen Mitteln fehlt.“ Am liebsten wäre dem Betreiber, wenn im POM weiter die Musik den Ton angibt. „Am liebsten wäre mir, wenn dass, was ich aufgebaut habe, fortgesetzt wird.“

Point Of Music

Geschäftsführer Peter Kaschubiak hat die Zahl der Konzerte in den letzten Jahren sehr zurückgefahren. Wenn die Corona-Beschränkungen nicht gelten, kann das POM gemietet werden von Vereinen, Gruppen, Skatbrüdern, Pfeifen- und Dartclubs, darüber hinaus - mit Tanzsaal - für private Feiern gebucht werden. Wer langfristig Interesse hat, melde sich im POM-Büro unter der Tel. 7 21 94.

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