Remscheid fordert Sitzung des Aufsichtsrates

Betriebsrat: Sana gibt Bankrotterklärung ab

Wie berichtet, geht es laut Sana-Betriebsrat um 80 bis 100 Stellen, die in Remscheid wegfallen sollen.
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Wie berichtet, geht es laut Sana-Betriebsrat um 80 bis 100 Stellen, die in Remscheid wegfallen sollen.
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Nach der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Sana Kliniken AG zur Rücknahme ihrer Entlassungspläne auf.

Peter Lange (DGB) fordert Rücknahme der Pläne.

Remscheid. „Gesundheit ist keine Ware“, sagt Peter Lange, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Remscheid: „Und die in diesem Bereich beschäftigten Menschen dürfen in unser aller Interesse keinesfalls zu Opfern der Sucht nach Gewinnmaximierung werden.“

In einem offenen Brief wandte sich der Konzernbetriebsrat unterdessen an den Vorstand der Sana Kliniken AG. „Wie sind Pflege und medizinische Betreuung ohne Stationshilfen und Patientenbegleitdienst möglich?“, fragt darin Konzernbetriebsratsvorsitzende Gudrun Hedler. Kritik übt die gelernte Kinderkrankenschwester an den Gründen, die das Unternehmen für die angekündigten Entlassungen unter anderem in den Bereichen Patientenbegleitung, Hol- und Bringdienst, Bettenreinigung und Empfang nennt. Danach sei die Tochterfirma, in der die Menschen arbeiten, „nicht ausreichend auf die gegenwärtigen Herausforderungen ausgerichtet“. Das sei eine „Bankrotterklärung des Vorstands“, sagt Gudrun Hedler: „Offensichtlich haben Sie es doch versäumt, die Voraussetzungen zu schaffen. Wenn fehlende Professionalität zu Ihrer Entscheidung geführt hat, dann geben Sie die Aufgabengebiete wieder zurück in die Kliniken.“ -ric-

„Bankrotterklärung des Vorstands“

Gudrun Hedler, Konzernbetriebsratsvorsitzende

Artikel vom 29.4.2021

Politiker kritisieren die Sana-Pläne scharf

Fabricius-Klinik und Standort Rade sind von Entlassungen nicht betroffen.

Burkhard Mast-Weisz (SPD)

Remscheid. Am Montag dieser Woche gab die Sana Kliniken AG die Vertragsverlängerung von Thomas Lemke bekannt. Der Vorstandsvorsitzende des Krankenhauskonzerns mit Sitz in Ismaning wurde für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Sana kommentierte Lemkes Wiederwahl so: „Die jetzt getroffene Entscheidung schafft Kontinuität und Planungssicherheit.“ Seine Mitarbeiter in der Patientenbegleitung, im Hol- und Bringedienst, in der Bettenreinigung und in anderen Bereichen kann das Unternehmen nicht gemeint haben. Wie berichtet, sollen sie zum Jahresende die Kündigung erhalten.

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) schwankt angesichts der wohlmeinenden Worte für den Sana-Vorstandschef deshalb zwischen Wut und Sarkasmus. Nach den umfangreichen Entlassungen, die die Krankenhauskette für ihren Standort Remscheid angekündigt hat, zeigt sich das Stadtoberhaupt weiterhin zutiefst verärgert und fordert die Einberufung einer Sondersitzung des Sana-Aufsichtsrates.

„Wird das jetzt nach der Methode ‘Geiz ist geil’ übernommen?“

Markus Kötter (CDU)

Vom Ausgang dieser Sitzung will Mast-Weisz abhängig machen, ob er sich mit dem Sana-Boss ins Benehmen setzt. „Wir haben zwar keinen Einfluss auf die Konzernentscheidungen. Aber keiner soll glauben, die Stadt Remscheid würde sich mit den geplanten Maßnahmen einverstanden erklären. Wir sind gegen die Massenentlassungen.“

Markus Kötter (CDU)

Wie berichtet, geht es laut Sana-Betriebsrat um 80 bis 100 Stellen. Die DGS pro.service GmbH, eine 100-prozentige Konzerntochter, will ihren Service- und Logistikbereich schließen. Betroffen sind die Beschäftigten, die heute in der Patientenbegleitung, im Hol- und Bringedienst oder am Eingang arbeiten. Lediglich die Reinigung soll von den Entlassungen ausgenommen werden. Die Fabricius-Klinik, ebenfalls Teil der Krankenhauskette, und das Sana-Krankenhaus in Radevormwald seien deshalb „von der Maßnahme nicht betroffen“, heißt es aus der Sana-Zentrale in Ismaning. In beiden Häusern seien „ausschließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Krankenhausreinigung im Einsatz“.

Auf die Frage, wer künftig die Patienten empfangen, begleiten und versorgen soll, erhielt der RGA am Donnerstag keine Antwort. Stattdessen stellte Sana seinen von Kündigung betroffenen Mitarbeitern ein schlechtes Zeugnis aus.

Burkhard Mast-Weisz (SPD) und Markus Kötter (CDU) sind sich einig: Sana sendet in der Krise das falsche Signal.

„Die Anforderungen an den Dienstleistungssektor im Krankenhaus haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und stellen sich zunehmend komplexer dar“, erklärt die Sana-Unternehmenskommunikation in Bayern auf schriftliche Nachfrage: „Die DGS pro. service GmbH ist in ihrer aktuellen Struktur nicht mehr ausreichend auf die gegenwärtigen Herausforderungen hin ausgerichtet.“ Zur Umsetzung einer Qualitätsoffensive prüfe Sana nun „auch externe Angebote“.

Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt äußert dazu einen bösen Verdacht: „Werden diese Aufgaben jetzt nach der ‘Geiz-ist-geil’-Methode von Dienstleistern übernommen, die günstiger sind?“, fragt Ratsfraktionschef Markus Kötter und kommentiert die Entscheidung in Ismaning so: „Eine solche Nachricht muss auf die Bürgerinnen und Bürger mitten in der dritten Corona-Welle zutiefst zynisch und verstörend wirken.“

Parteiübergreifend sorgte die Nachricht aus der Sana-Konzernzentrale am Donnerstag für Empörung. Jürgen Kucharczyk (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, fürchtet negative Folgen für die medizinische und pflegerische Versorgung der Bürger. Axel Behrend (Linke), weist auf die jüngst noch beklatschten Beschäftigen im Gesundheitswesen hin: „Nun zeigt sich, wie wenig wertschätzend überregional agierende Konzerne mit ihren Mitarbeitern umgehen.“

„Angesichts der skandalösen Entscheidung der Sana Kliniken AG stellt sich mir rückwirkend die Frage, ob das [Verkauf an den privaten Träger] ein Fehler war.“

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz

Sven Wolf, Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt, fordert angesichts der Nachrichten aus dem Sana-Klinikum, Privatisierungen im Gesundheitswesen zu überdenken. „Durch Corona werden viele Missstände aufgedeckt. So auch im Bereich der Gesundheitsvorsorge und der Krankenhauslandschaft“, erklärt der Politiker: „Nach Corona müssen wir endlich einen Neustart wagen und von der immer weiter steigenden Ökonomisierung unseres Gesundheitssystems abkehren.“

Auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz äußert unterdessen Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung, das einstmalig städtische Krankenhaus Anfang der 2000er Jahre an den privaten Träger verkauft zu haben. „Angesichts der skandalösen Entscheidung der Sana Kliniken AG stellt sich mir rückwirkend die Frage, ob das ein Fehler war.“ 

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