Natürlich nachhaltig

Podcast mit OB Mast-Weisz: „Wir können nicht immer nur eine grüne Stadt sein“

OB Burkhard-Mast-Weisz, Susann Kuwan und Barbara Reul-Nocke sprechen im Podcast über die Nachhaltigkeit der Stadt.

OB Burkhard-Mast-Weisz, Susann Kuwan und Barbara Reul-Nocke sprechen im Podcast über die Nachhaltigkeit der Stadt.

Von Katharina Birkenbeul, Alexandra Dulinski und Valeria Schulte-Niermann

Remscheid. Nachhaltigkeit und Umweltschutz wird überall auf der Welt diskutiert. Im Globalen, wie etwa auf der Weltklimakonferenz oder im Lokalen. So auch in Remscheid. Im Podcast sprechen Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Dezernentin Barbara Reul-Nocke und Nachhaltigkeitsbeauftragte Susann Kuwan über ihre eigenen schlechten Gewohnheiten, die Nachhaltigkeitsstrategie und über die Verantwortung als Stadt. Das ganze Gespräch gibt es zum Nachhören auf den bekannten Podcast-Plattformen und auf Youtube, Auszüge daraus darüber hinaus hier zum Nachlesen:

Burkhard Mast-Weisz, Barbara Reul-Nocke und Susann Kuwan über...

. . . schlechte Gewohnheiten

Die drei Stadtmitarbeitende machen schon vieles richtig für ein nachhaltigeres Leben. Besonders dem OB liegt das Thema am Herzen, weil es die Zukunft seiner Enkel betrifft. Dennoch gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Barbara Reul-Nocke wird daran erinnert, beim Zähne putzen nicht das Wasser laufen zu lassen, Susann Kuwan müsste häufiger zu Fuß gehen – oder mit einem Pedelec der Stadt fahren, wie Mast-Weisz später im Gespräch vorschlägt. Er würde auch das zweite nehmen.

. . . die Nachhaltigkeitsstrategie

In Remscheid wird es bald eine Nachhaltigkeitsstrategie geben – „ein Erfolg“ von unter anderem Susann Kuwan als Nachhaltigkeitsbeauftragte. Ihr nach geht „Nachhaltigkeit einmal quer durchs ganze Leben. Es hat kein Anfang und kein Ende.“ „Mein Anspruch ist es, dass es wirklich wirkt. Dann geh ich lieber den aufwendigeren Weg. Damit erreicht man was. Dieses Konzept hat die Chance, dass es auch tatsächlich ins tägliche Handeln einfließt, nicht nur von uns“, erklärt OB Mast-Weisz, warum die Strategie erst jetzt zum Tragen kommt. Künftig werden alle politischen Entscheidungen auf Nachhaltigkeit geprüft, bevor sie beschlossen werden. Verwaltung und Ressourcenschutz stellen für Reul-Nocke die wichtigsten Themenfelder in der Strategie dar.

. . . E-Autos

Noch gibt es zu wenig Ladesäulen für Elektroautos in Remscheid. Nun hat die Stadt ein neues Konzept beschlossen: In 2022 sollen im öffentlichen Raum 96 zusätzliche Ladepunkte entstehen. Auch die Zahl an privaten Wallboxen steigt, aber dabei gibt es ein Hindernis: „Es gibt Lieferprobleme“, so Mast-Weisz.

Mein Anspruch ist es, dass es wirklich wirkt. Dann geh ich lieber den aufwendigeren Weg.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz über die Nachhaltigkeitsstrategie

. . . soziale Nachhaltigkeit

Laut Kuwan gibt es bereits zahlreiche Konzepte, unterrepräsentierte und sozial benachteiligte Menschen mit einzubeziehen. „Seit Jahrzehnten wird hier an Frühförderung, Prävention, Mitnahme und Integration gearbeitet. Was auch dazu geführt hat, dass das soziale Thema kein Schwerpunkt in der Nachhaltigkeitsstrategie ist, weil das für uns selbstverständlich mit dazugehört“, sagt Kuwan. Das bestätigt auch der Oberbürgermeister und erklärt, dass alle Menschen berührt werden müssen, wenn es um die Umsetzung von Zielen der Strategie geht. „Nur zu sagen Nachhaltigkeit, dann wäre es eine Phrase. Aber wir wollen in die Lebensrealität aller Menschen in dieser Stadt.“ Und das funktioniert. Dennoch gebe es auch in der Nachhaltigkeitsstrategie viele Maßnahmen, die genau diesen Bereich beträfen, betont Reul-Nocke: „Integration von Migranten, wie durch die Vermittlung von Deutschkenntnissen oder Arbeitsstellen, stellt einen wichtigen Punkt dar. Das Thema wurde beim Aufsetzen der Strategie von allen Seiten viel diskutiert.“

. . . Gewerbegebiete

Das Thema Gewerbegebiete sei eins seiner liebsten Themen, sagt Mast-Weisz und hat gute Argumente, wieso eine grüne Stadt nicht im Gegensatz zu Gewerbegebieten wie in Bergisch Born und Wohngebieten wie Knusthöhe stehen dürfe. Dabei gehe es vor allem darum, wie die Gewerbeflächen genutzt werden. Besonders wichtig sei dabei auch die Kommunikation mit allen Parteien. „Es kann auch sein, dass ein Baum fällt. Aber dann werden wir es kompensieren. Wenn nicht dort, dann an anderer Stelle. Wir können nicht immer eine grüne Stadt sein, wo nichts mehr passiert“, sagt Mast-Weisz. Auch Arbeits- und Wohnfläche seien wichtig für eine lebendige Stadt.

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Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“

. . . die Stadt als wichtiger Akteur

„Wir sind Mitplayer. Wir sind diejenigen, die die Menschen am ehesten und spürbar erreichen“, erklärt Mast-Weisz, weiß aber auch, dass es bei Nachhaltigkeit wichtig ist, dass alle staatlichen Ebenen dabei zusammenspielen. Der Beschluss müsse im Bundestag fallen, sei aber abstrakt. Hier vor Ort sei dann die Herausforderung, den Menschen die Auswirkungen zu erklären. Beispiel Hochwasser am 14. Juli: Klimawandel und Hochwasser gibt es überall auf der Welt, aber es ist wichtig, vor Ort den Hochwasserschutz zu sichern und hier zu handeln, um alle zu schützen. Zudem müssten die Menschen in Remscheid aktiv mitgenommen werden, das passiere vor allem vor Ort, so Reul-Nocke. Nachhaltigkeit komme aber bei den Menschen in Remscheid an – ein gutes Beispiel ist der Jugendrat –, die sich für die Umsetzung nachhaltiger Themen einsetzen.

. . . die Finanzierung der Maßnahmen

Wer Nachhaltigkeit umsetzen möchte, muss Geld in die Hand nehmen. „Es kostet Personal und es kostet Geld“, erklärt Barbara Reul-Nocke und gibt zwei Beispiele: Die Anschaffung eines E-Lastenrades im Gegenzug für die Abschaffung eines Zweitwagens kostet Geld, die Entwicklung einer Diversitätsstrategie kostet Personal. Um die Kosten im Blick zu halten, wird es im ersten Quartal eine Vorlage geben, wie viel Geld und Personal für die 123 Maßnahmen etwa benötigt wird. Dabei komme es darauf an, wie schnell die Ziele umgesetzt werden. „Der erste Aufschlag des Personals wird auf fünf bis zehn Stellen hinauslaufen. Eine dauerhafte Belastung für den Haushalt“, so Reul-Nocke.

. . . die Umsetzung der Ziele

Wenn die Nachhaltigkeitsstrategie am 10. Februar im Rat beschlossen wird, gibt es auch einen Zeitplan zur Umsetzung: 2025 ist der erste Meilenstein, bis 2030 sollten alle Maßnahmen umgesetzt sein. Aber es ist auch ein „lebendiger Prozess“ sind sich Barbara Reul-Nocke und Susann Kuwan einig – bedeutet, es können in der Zeit Ziele rausfallen und auch Ziele hinzukommen.

Zu den Personen

Burkhard Mast-Weisz ist seit 2014 Oberbürgermeister der Stadt Remscheid, zuvor war er viele Jahre Beigeordneter, Kämmerer und Stadtdirektor. Der 65-Jährige ist verheiratet und wird im kommenden Jahr zum dritten Mal Opa.

Susann Kuwan ist 51 Jahre alt und seit 2019 Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stadt. 1989 begann sie, bei der Stadt Remscheid zu arbeiten. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Remscheid.

Barbara Reul-Nocke ist seit 2014 Dezernentin der Stadt Remscheid unter anderem für Umwelt, Rechtsamt, Zuwanderung, Sicherheit und Ordnung, Feuerwehr und Rettungsdienst.

Podcast: Die Folge des Podcasts „Natürlich nachhaltig - So setzt die Stadt Remscheid Nachhaltigkeit um“ ist ab sofort abrufbar. Auf gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes, Deezer und Youtube sind auch weitere Podcasts der B.Boll Mediengruppe.

Hier finden Sie weitere Podcasts der B. Boll Mediengruppe.

Rubriklistenbild: © Roland Keusch

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