Stadtnatur

Platanen bereiten Anwohnern Probleme

Vor ihrer Garageneinfahrt und gegenüber vom Neuenhof 73: Gerhild Herrmann im Laub. Foto: Roland Keusch
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Vor ihrer Garageneinfahrt und gegenüber vom Neuenhof 73: Gerhild Herrmann im Laub.
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Laub, Wurzelwerk und überhängende Äste sorgen in der engen Wohnsiedlung Neuenhof für viel Frust.

Von Andreas Weber

Remscheid. Gerhild Herrmann ist es leid. Laub, Laub, Laub und kein Ende in ihrem Garten, vor ihrer Haustür, Terrasse, Garageneinfahrt, Treppe, Gehweg und der Straße. Die 59-jährige Anwohnerin in der Breslauer Straße 64 ist gefrustet. Auslöser sind die Platanen am Neuenweg, seit Jahren ein Stein des Anstoßes, weil deren Wurzeln üppig wuchern und Bordstein und Straßenasphalt in der engen Wohnsiedlung aufreißen. Im Herbst beginnt zudem die Zeit, in der deren Blätter mächtig Arbeit bescheren.

Die Fahrbahnreinigungspflicht in der städtischen Satzung sieht vor, dass Anwohner ganzjährig einmal wöchentlich zwischen 7 und 19 Uhr fegen. Das permanent herabrieselnde Laub wird jedoch momentan – je nach Witterung und Wind – zur Daueraufgabe. Das Ehepaar Herrmann lebt zwar in der Breslauer Straße, oberhalb ihres Grundstücks grenzt es an den Neuenhof. Von oben herab werfen die Platanen ihren Schatten und die Blätter. „Uns wäre viel geholfen, wenn die Technischen Betriebe Remscheid so wie früher regelmäßig die Bäume beschneiden würden“, regt Herrmann an.

Platanen seien für den Standort ungeeignet, Beschneidung wird alle neun Monate kontrolliert

Reinhard Bauer, TBR-Bereichsleiter Grünflächen, kennt die Situation vor Ort. Er räumt ein: „Die Platanen sind für diesen Standort eigentlich ungeeignet. Dass sie einmal überdimensioniert sein könnten, daran hat bei ihrer Pflanzung vor Jahrzehnten niemand gedacht.“ Das Wachstum sorgt in der dicht gedrängten Wohnbebauung zwar für einen schönen Anblick, aber auch für Probleme. Ob Bäume im öffentlichen Raum beschnitten werden müssen, erklärt Bauer, werde alle neun Monate routinemäßig kontrolliert. „Wir sehen uns den Zustand an, wägen Gefahren ab.“

Das besagt die Satzung für Baumschutz der Stadt Remscheid.

Uns wäre geholfen, wenn die TBR die Bäume beschneiden.

Gerhild Herrmann, Anwohnerin

Solche entstehen, wenn Äste in Dachrinnen ragen, an Fassaden oder Dachflächen scheuern. Ein Abstand zu Häusern muss gewahrt sein. Natürlich werde auch Totholz entfernt. So würden im Bedarfsfall auch Krone oder Äste seitlich des Kronenmantels gekürzt, erklärt Bauer. In Höhe des Hauses Neuenhof 73, wo Lars Meyer als Gewag-Mieter lebt, gibt es so eine Platane mit abgeknickten Ästen, die herabzustürzen drohen. Der zweifache Familienvater sorgt sich nicht nur deshalb.

Beschattung ärgert die Anwohner

Die sich über die Straße wölbenden Bäume verschatten den Mietkomplex, in dem Meyer lebt. „Wenn ich Besuch bekomme, heißt es schon mal: Zwölf Uhr mittags ist bei Euch wie bei uns abends um 19 Uhr auf der Couch.“ Der Tag hat kaum Fahrt aufgenommen, da muss drinnen der Lichtschalter angeknipst werden. Fälle wie dieser firmieren in der Rechtsprechung unter dem berechtigten Anspruch auf gesundes Wohnen. Reinhard Bauer erkennt an: „Wenn in einem Wohnzimmer tagsüber ohne künstliche Beleuchtung nichts geht, wird es kritisch. Dann müssen wir prüfen.“

Einige Bäume erhalten eine Baumscheibe

Genervte Anwohner erinnert Reinhard Bauer daran, dass ein prächtiger Baumbestand Flair verströmt, wie in der Martin-Luther-Straße. Und prinzipiell genieße der Schutz gesunder Bäume Priorität. Für Gerhild Herrmann steht jedoch fest: „Ich habe nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte.“ Tatsächlich passiert auch etwas am Neuenhof. Mehrere Platanen mit Wurzelwerk, die für Verwerfungen auf dem Bordstein, Grundstückseinfahrten oder dem Asphalt sorgen, werden eine Baumscheibe erhalten, kündigt Bauer an. Die Voruntersuchungen seien abgeschlossen.

Das Ergebnis wird die Anwohner nicht glücklicher machen. Baumscheiben bedeuten mit Erde eingefasste Beete um das Wurzelwerk. Dies heißt, dass der ohnehin schmale Neuenhof, in der Parkraum rechts knapp bemessen ist, bei der Durchfahrt für größere Fahrzeuge noch problematischer wird. Schon heute sei es so, beobachtet Lars Meyer, dass Müll- oder Reinigungsfahrzeuge immer wieder über den Bordstein links fahren müssen, wenn sie durchkommen wollen.

Im Hamsterrad

Im Herbst kann das Fegen von Laub zur Arbeit im Hamsterrad werden. Seit 39 Jahren lebt Gerhild Herrmann in der Breslauer Straße 64 und gesteht: „Ich kann die Bäume nicht mehr sehen.“ Die Nachteile empfinden Herrmann und weitere Anwohner im Neuenhof als gravierend: Laub in der Kanalisation, Beulen von herabfallendem Geäst in den Autodächern, ständiger Grünspan am Gartenhäuschen, durch Wurzelwerk ramponierte Garageneinfahrt, dunkle Wohnung durch Verschattung, wenig Sonne im Sommer auf der Terrasse.

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