Kontrollen

So wird in Remscheid geblitzt - und das bringt es ein

So sehen die städtischen Radarwagen - hier an der Trecknasen-Baustelle - aus.
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So sehen die städtischen Radarwagen - hier an der Trecknasen-Baustelle - aus.
  • Thomas Wintgen
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Drei Autos und fünf Blitzeranlagen messen die Geschwindigkeit. 2017 wurden 73.000 Autofahrer erwischt.

Von Thomas Wintgen

In Remscheid sind im vergangenen Jahr rund 70 000 Autofahrer dabei erwischt worden, dass sie schneller fuhren als erlaubt; die Polizei hat 3000 Verstöße gemessen. Rechnerisch addiert sich das – gut 1,6 Millionen plus 300 000 Euro – auf 1,9 Mio. Euro. Brutto. Davon sind abzuziehen Einsatzfahrten von Polizei und Feuerwehr (Sonderechte) sowie Fälle, die vor Gericht landen. Das sind in aller Regel Verstöße, bei denen der Verlust des Führerscheins droht. Auch wenn der eingezogen wird – das Bußgeld geht an die Gerichtskasse. Jürgen Beckmann, Fachdienstleiter Bürger, Sicherheit und Ordnung im Rathaus, rechnet aus Erfahrung mit einer städtischen Einnahme von etwa 1,4 Mio. Euro.

Standpunkt von Thomas Wintgen

Aus seiner Sicht gibt es zwei Effekte, wenn Autofahrer die Wagen erkennen, aus denen es blitzt: Die Autofahrer nehmen das wahr und fahren disziplinierter. Der andere geht so: Die Autofahrer gewöhnen sich an den Blitzer – die Disziplinierung lässt nach. Weil das vor allem für stationäre Blitzer zutrifft, hat die Stadt in einigem Abstand mobile Messpunkte eingerichtet; die Erfahrung sagt, dass viele Autofahrer am Blitzgerät bremsen und dann wieder beschleunigen.

Messungen verhindern Unfälle nach gleichem „Strickmuster“

Die Stoßrichtung der städtischen Messungen wird gut deutlich am Beispiel wesentlicher Aktivitäten während der Vormittagsstunden. Da sind Mitarbeiter fast ausschließlich in der Nähe von Schulen und Kindertagesstätten aktiv. Drei Fahrzeuge stehen zur Verfügung; sie stehen an 120 „im Benehmen mit der Polizei definierten Stellen“, erläutert Jürgen Beckmann. Meist beziehen sie sich auf schutzwürdige Personenkreise: Kinder, Senioren, gebrechliche Menschen.

Bei weiteren geht es um Abschnitte von Straßen, wo Autofahrer potenziell zu schnell unterwegs sind. „Wir erhalten permanent Hinweise aus der Bevölkerung: Bei mir wird gerast!“, schildert der Amtsleiter. Alle Erfahrung belege freilich eine unterschiedliche Wahrnehmung je nachdem, ob die Autofahrer aus dem Küchenfenster blicken oder selber irgendwo unterwegs sind.

Häufen sich Hinweise, geht das Ordnungsamt zunächst mit einem Tempo-Display – es zeigt die gefahrene Geschwindigkeit und dazu ein freundliches oder böses Gesicht – oder ein Seitenradar. Daran können Mitarbeiter ablesen, wie häufig Autofahrer tatsächlich zu schnell sind. Wegen der statistischen Sicherheit stehen oder hängen solche Anlagen auch fast immer zwei Wochen lang. Erwiesen ist, dass „wir immer mehr Hinweise erhalten als wir bewältigen können“, sagt Beckmann. Da gebe es regelrechte Wartelisten.

Um allen nachzukommen, reiche das Personal nicht und müsste es mehr Fahrzeuge geben als drei. Zum Glück erleichtere die Technik die Besetzung der Autos. Mussten früher stets zwei Mitarbeiter im Wagen sitzen, reicht heute einer, der sich ums Radargerät kümmert. Das Lasergerät in die Gegenrichtung braucht keinen „aufmerksamen Messbetreuer“.

Hinzu kommen Erkenntnisse aus Verkehrsbesprechung oder Unfallkommission. Seit die Blitzer an der Neuenkamper Straße stehen, passieren zwar auch noch Unfälle, aber nicht mehr wegen überhöhter Geschwindigkeit. Wobei in Ergänzung dazu auch bauliche Veränderungen Effekte erzielen. An der Einmündung Losenbücheler auf die Solinger Straße ist seit Einrichtung des Blitzers kein einziger Unfall mehr mit einem auf die Solinger Straße einbiegenden Auto passiert.

HIER STEHEN DIE BLITZER

Neuenkamper Straße In Richtung Lennep wie in Richtung Innenstadt - etwa in Höhe der Sporthalle. 

Solinger Straße In Richtung Solingen wie in Richtung Vieringhausen – etwa in Höhe der Einmündung Losenbücheler Straße. 

Lenneper Straße Etwa auf halber Strecke zwischen Intzestraße und Zentralpunkt. Die Radarstation ist in einer dunklen Säule untergebracht und nur nachts aktiv. 

Resonanz Die Statistik entspricht ziemlich genau den Vorhersagen: Das Ordnungsamt hatte mit rund 150 000 Euro gerechnet – so viel sind es auch geworden.

Ein gutes Beispiel, wo sich die „Blitzer“ quasi aufgedrängt haben, ist für Beckmann die A 1 Richtung Leverkusen, wo bei 300 Unfällen binnen eines Jahres sieben tödlich verliefen. In Remscheid dränge sich zurzeit kein weiterer Standort für ein stationäres Gerät auf. Stattdessen werde man spätestens im Frühjahr verstärkt an Wochenenden unterwegs sein. „Disco-Blitzen“ ist das Stichwort.

Hier geht es zu einer Übersicht über alle festen Blitzer in Remscheid.

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