Coronavirus

Stadt Remscheid plant Impfkampagne in Betrieben

Tausende Remscheider wurden im Impfzentrum mittlerweile vor Corona geschützt: Eine Impfkampagne in Betrieben soll folgen. Foto: Roland Keusch
+
Tausende Remscheider wurden im Impfzentrum mittlerweile vor Corona geschützt: Eine Impfkampagne in Betrieben soll folgen.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
    schließen

Remscheid will sich mit Modellprojekten beim Land NRW bewerben.

Remscheid. Beim Impfen sieht Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) Remscheid auf einem guten Weg. „Wir können stolz darauf sein, dass mittlerweile über 32 000 Menschen ihre Erst- und 8000 ihre Zweitimpfung erhalten haben“, erklärte er am Donnerstagabend den Ortspolitikern im Hauptausschuss. Dennoch: Wäre mehr Impfstoff in Remscheid angekommen, wäre der Fortschritt noch viel schneller gegangen. Am Impfzentrum und den Hausärzten habe es jedenfalls nicht gelegen. „Sie leisten tolle Arbeit“, unterstrich der OB. Er will nun zusätzlich besonderen Corona-Problemlagen in Remscheid Rechnung tragen. Dazu plant die Stadt eine Impfkampagne in Betrieben und bei Menschen in prekären Lebensumständen.

„Sie leisten tolle Arbeit.“

OB Mast-Weisz über Hausärzte und Impfzentrum

Hintergrund ist, dass die Landesregierung insgesamt 100 000 Impfdosen für „sozial benachteiligte Stadtteile“ für NRW in Aussicht stellt. Danach könnte Remscheid ein Kontingent von 620 zusätzlichen Dosen erwarten. Die CDU-Ratsfraktion hatte die Stadtverwaltung aufgefordert, diese Chance zu nutzen – und nach dem Vorbild des Kölner Stadtteils Chorweiler, ein Impfmobil in Brennpunkte zu schicken.

Aber: In Remscheid gebe es „sozial benachteiligte Stadtteile“ nicht, die mit der Situation im 93 000 Einwohner starken Chorweiler vergleichbar wäre, argumentiert die Verwaltungsspitze. Das Infektionsgeschehen in Remscheid beziehe sich nicht auf einzelne Quartiere. Statt dessen sei in der Stadt etwas anderes signifikant: Remscheid ist die Kommune mit dem höchsten Anteil an Arbeit im verarbeitenden Gewerbe in NRW. „Hier handelt es sich fast ausschließlich um Tätigkeiten, die nicht ins Homeoffice verlagert werden können“, heißt es in der Beschlussvorlage. „Zum anderen ist der Arbeitsplatz auch innerhalb des Betriebes oft durch die Maschinen und Gewerke festgelegt, so dass Schutzmaßnahmen schwer einzuhalten sind.“ Zugleich sei Remscheid aufgrund des anhaltenden Strukturwandels eine Kommune mit einem erhöhten Anteil von Hartz-IV-Beziehern und Arbeitslosen.

Remscheid will sich mit Modellprojekten beim Land melden

Genau hier will die Stadt ansetzen und hofft auf die Zustimmung für zwei Modellprojekte vom Land. Sie möchte zusätzliche Impfdosen für Betriebe, um insbesondere im verarbeitenden Gewerbe die Infektionsketten zu beenden. Zudem sollen zusätzliche Impfkontingente für die Bedarfsgemeinschaften „zur schnellen Impfung vom Land NRW erbeten werden“. Dabei soll auch das Jobcenter Remscheid aktiv werden und für die Notwendigkeit des Gesundheitsschutzes zu werben.

Dieses Konzept stieß auf breite Zustimmung. CDU-Fraktionschef Markus Kötter stellte heraus: „Es macht Sinn, in den Betrieben anzusetzen. So können wir von den hohen Zahlen runterkommen und dafür sorgen, dass die Produktion weitergeht.“

Für SPD-Fraktionschef Sven Wolf (SPD) darf die Impffrage nicht von Arm und Reich abhängen. „Bei einer Familie, die nicht mehr über die Runden kommt, stehen oft andere Gedanken im Vordergrund als das Impfen. Uns darf das nicht ruhen lassen.“ David Schichel, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, befand, dass die Remscheid spezifische Vorgehensweise „absolut richtig ist“. Dem schloss sich Sven Chudzinski (FDP) an. Zum einen gelte es, so viele Dosen wie nur möglich zu verimpfen. „Zum anderen müssen wir auf der Grundlage der Prioritäten eine Neiddebatte vermeiden“, erklärte er. Brigitte Neff-Wetzel (Linke) regte an, möglichst viele Menschen anzusprechen – etwa in Religionsgemeinschaften oder Stadtteilvereinen. „Wir werden nicht alle erreichen“, erwiderte der OB. „Zehn bis 20 Prozent wollen sich nicht impfen lassen.“

Hintergrund

Vier weitere Remscheider sind mit dem Corona-Virus gestorben. Es handelt sich um eine 57-jährige Frau und um drei Männer im Alter von 57, 74 und 94 Jahren, teilt die Stadtverwaltung mit. Mittlerweile ist ein zweiter Fall der südafrikanischen Virusvariante bestätigt worden.

Standpunkt

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Impfneid – dieser Begriff hat das Zeug, Unwort des Jahres zu werden. Er zeigt an, wie sehr die Nerven blank liegen, wenn beispielsweise die kerngesunde Nachbarin von nebenan bereits einen Termin beim Hausarzt erhalten hat, während geliebte Familienmitglieder mit Risikofaktoren verzweifelt darauf warten, den ersehnten Schutz zu bekommen. Da steht dann schnell die Frage im Raum: „Warum die? Warum nicht wir?“ Es wird auch in den kommenden Wochen angesichts der Dimension der Massenimpfung nicht hundertprozentig gerecht zugehen können. Entscheidend ist aber, dass möglichst viele Menschen möglichst schnell den Infektionsschutz erhalten. Und hier zeichnet sich zum Glück Bewegung ab. In die Kampagne gerät durch mehr Impfstoff Tempo. Und dies nährt die Hoffnung, dass Remscheid im Sommer ein Stück Normalität zurückgewinnen kann, weil die Infektionszahlen zurückgehen. Dann aber kommt es auf jeden Einzelnen an, die bestehenden Impfangebote auch zu nutzen. Nur so lässt sich Corona besiegen, nur so gewinnen wir unsere Freiheiten zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Moscheebau: Der lange Atem zahlt sich aus
Moscheebau: Der lange Atem zahlt sich aus
Moscheebau: Der lange Atem zahlt sich aus
Aldi-Gesandte und Investor sprechen miteinander
Aldi-Gesandte und Investor sprechen miteinander
Aldi-Gesandte und Investor sprechen miteinander
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid leicht an
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid leicht an
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid leicht an
Psychiater warnt vor Cannabis-Freigabe
Psychiater warnt vor Cannabis-Freigabe
Psychiater warnt vor Cannabis-Freigabe

Kommentare