Plakatwahlkampf

Der Plakat-Dschungel in Remscheid lichtet sich

Roland Gedig (l.) und Ralf Wieber waren Ende der vergangenen Woche unterwegs, um Wahlplakate ihrer CDU abzuhängen. Foto: Michael Schütz
+
Roland Gedig (l.) und Ralf Wieber waren Ende der vergangenen Woche unterwegs, um Wahlplakate ihrer CDU abzuhängen.

Bis zum 27. September muss die Wahlwerbung verschwunden sein.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Zu den Lieblingsterminen eines Kommunalpolitikers gehört das Abhängen der Wahlplakate nicht. Insbesondere nach Niederlagen. Das gibt Roland Gedig zu. „Es ist aber nun mal unsere Pflicht, die letzten Spuren des Wahlkampfes zu beseitigen“, sagt der 32-jährige CDU-Kandidat im Wahlbezirk Scheid. In dieser Mission war er mit seinem Parteifreund Ralf Wieber Ende der vergangenen Woche in Alt-Remscheid unterwegs. Wie in vielen Teilen der Stadt lichtet sich auch dort der Plakat-Dschungel allmählich. Bis zum 27. September haben die Parteien und Kandidaten noch Zeit, die übrigen abzuhängen.

Sechs bis sieben Standorte standen den CDU-Kandidaten jeweils zur Verfügung. „Wir haben Listen der Standorte und wissen daher genau, wo überall Plakate hängen“, erklärt Roland Gedig. Böse Überraschungen in Form von Vandalismusschäden hatte die CDU kaum zu beklagen. „Der Wahlkampf war sehr fair“, betont der Remscheider. Auch von der Verwaltung war nichts von übermäßigen Problemen mit zerstörten Plakaten zu hören. Wohl aber sieht sich das Ordnungsamt in jedem Wahlkampf mit zahlreichen Beschwerden konfrontiert. Häufig geht es dabei um Sichtbehinderungen.

„Sich selbst auf den Plakaten zu sehen, war ungewöhnlich.“ 

CDU-Kandidat Roland Gedig

Für Gedig endete am Sonntag sein erster Kommunalwahlkampf als Direktkandidat. Plakate, Flyer und Aktionen in seinem Bezirk haben seinem Empfinden nach ihren Zweck erfüllt: „Ich bin mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen.“ Nichtsdestotrotz räumt er ein: „Sich selbst auf den Plakaten zu sehen, war schon ungewöhnlich.“ Das scheint sich mit der Zeit zu legen. „Irgendwann findet man das nicht mehr komisch“, sagt der deutliche erfahrenere Ralf Wieber.

Die beiden Christdemokraten eint, nicht nur mit dem Parteiergebnis, sondern auch mit dem eigenen Abschneiden nicht zufrieden zu sein. Ihre Plakat-Tour durch Alt-Remscheid nutzten sie deshalb auch zum Wundenlecken und Analysieren des vergangen Sonntags. Wieber ist zwar der Einzug in Rat und Bezirksvertretung im Gegensatz zu Gedig gelungen. Trotzdem stimmt ihn das Ergebnis nachdenklich. Denn in seinen Wahlbezirk Remscheid-Zentrum konnte er sich nicht direkt durchsetzen.

„Ich verstehe bei einigen CDU-Kandidaten nicht, warum sie ihren Wahlkreis nicht gewonnen haben, obwohl sie dort deutlich präsenter waren als ihre Mitbewerber“, sagt Wieber. Mit der Beliebtheit von Burkhard Mast-Weisz (SPD) allein sei das nicht zu erklären. Für den Oberbürgermeister und seine Sozialdemokraten sei das Ergebnis eine „große Bürde“: „Die müssen jetzt liefern.“ Die Rolle der CDU sieht Gedig dagegen als „Bürgerpolizei“, die darauf achtet, dass die Wahlkampf-Versprechen einhalten werden.

Gleichzeitig wollen sie die kommende Wahlperiode dazu nutzen, in ihrer Partei neue Akzente zu setzen. „Die Krise ist eine Chance“, sind sich beide einig. Gedig möchte dabei helfen, die Parteiarbeit auf breitere Schultern zu verteilen. Und weiter präsent bleiben: „Man ist den Menschen ja nicht nur im Sieg verpflichtet.“ Ralf Wieber richtet seinen Blick auf die Verjüngung der Partei: „Wir haben viele junge Kandidaten, von denen ich mir neue Impulse erhoffe.“

Die Nachwehen der Kommunalwahl 2020 werden die Remscheider Christdemokraten wohl noch eine Weile beschäftigen. Nun müssen sie erst einmal die verbliebenen Wahlplakate abhängen. Entsorgt werden sie jedoch nicht alle. Roland Gedig plant, seines als Andenken zu behalten: „Ich hatte schließlich trotz allem viele positive, sehr persönliche Erlebnisse.“

Ausgaben für Plakatwerbung

Vor der Wahl fragte der RGA die Remscheider Parteien an, wie viel sie sich die Plakatwerbung kosten lassen. Grüne, FDP, WiR und Linke gaben an, zwischen 12.000 und 19.000 Euro zu investieren. Christ- und Sozialdemokraten beantworteten die Frage seinerzeit nicht. Die CDU erklärte: „Der Wahlkampf wird fast ausschließlich durch Spenden und Mandatsabgaben finanziert. Zum Budget werden wir öffentlich keine Aussagen treffen.“ Bereits am 13. Juli fiel der theoretische Startschuss für den Plakatwahlkampf: Ab diesem Tag durften die Parteien im Straßenbild für sich werben.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare