Pizzeria Dallas: Strafbefehl gegen den Nachbarn

Wirtepaar hofft auf ein Ende des Terrors

Andrea und Georgios Tsolakidis, Inhaber der Pizzeria Dallas, feiern mit einem Ouzo den Teilerfolg gegen den Nachbarn, der sie seit Jahren drangsaliert. Das Amtsgericht hat gegen den Mann einen Strafbefehl wegen Beleidigung und Bedrohung erlassen. Foto: Roland Keusch
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Andrea und Georgios Tsolakidis, Inhaber der Pizzeria Dallas, feiern mit einem Ouzo den Teilerfolg gegen den Nachbarn, der sie seit Jahren drangsaliert. Das Amtsgericht hat gegen den Mann einen Strafbefehl wegen Beleidigung und Bedrohung erlassen.

Terror gegen Imbiss auf dem Stadtkegel: Nachbar soll 1650 Euro zahlen und darf sich dem Wirtepaar nicht mehr nähern.

Von Sven Schlickowey und Axel Richter

Remscheid. Der Mann, der mutmaßlich die Inhaber-Familie der Pizzeria Dallas seit mehreren Jahren terrorisiert, ist erstmals verurteilt worden. Wie Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert auf RGA-Anfrage bestätigte, erging vor dem Amtsgericht Remscheid am 10. November ein Strafbefehl, der am 15. Dezember rechtskräftig wurde. Darin wird der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt – und gilt damit, weil die Strafe über 90 Tagessätzen liegt, als vorbestraft.

Von einer „schon nicht ganz so geringen Verurteilung“ und einer „richtigen Klatsche“ für den Angeklagten spricht Baumert, der zudem betont, dass dieses Urteil den Geschädigten, der Familie Tsolakidis, weitere Möglichkeiten biete. „Ihr Anwalt kann diesen Strafbefehl zum Beispiel nutzen, um eine einstweilige Verfügung oder ein Annäherungsverbot zu erwirken.“ Auch Schadensersatz sei denkbar. „Wir haben den Strafbefehl bereits dem Anwalt der Familie zur Verfügung gestellt.“

Wir hoffen, dass er uns jetzt endlich in Frieden lässt.

Andrea Tsolakidis

Konkret ging es bei dem Strafbefehl um drei Fälle von Beleidigung und Bedrohung, die sich nach Ansicht des Gerichts am 17. April sowie am 16. und 18. Juni zugetragen haben sollen. Während die Beweislage in vielen anderen Fällen, insbesondere bei den zahlreichen Sachbeschädigungen, eher schlecht sei, sei man hier sicher gewesen, dem Mann die Tat auch wirklich nachweisen zu können, sagt Baumert: „Da, wo wir denken, dass wir den Nachweis führen können, tun wir das auch.“

Entsprechend würden nun auch die zahlreichen weiteren Verfahren, die nach wie vor bei der Staatsanwaltschaft liegen, fortgeführt, versichert Wolf-Tilman Baumert: „Wir werden jetzt nicht alle Akten fallen lassen, nur weil wir ihn einmal erwischt haben.“

Seit rund drei Jahren fühlen sich Andrea und Georgios Tsolakidis, die Betreiber der Pizzeria Dallas, von einem ehemaligen Stammgast verfolgt. Der Mann soll unter anderem Autos beschädigt, Wände beschmiert und die beiden beleidigt und bedroht haben.

28 Mal zeigte das Wirtepaar den Nachbarn bei der Polizei an. Einmal hatte das Konsequenzen. „Da hatte er mit dem Daumen angedeutet, er würde mir die Kehle durchschneiden“, erzählt Andrea Tsolakidis. Seither darf sich der Mann dem Dallas nicht mehr auf 150 Meter nähern.

Die meisten Verfahren stellten Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch mangels Beweisen ein. Das Vertrauen in Recht und Gesetz hat das Ehepaar deshalb nicht verloren. Nachdem der RGA über den Terror gegen das Dallas berichtet hatte, tauchten Flugblätter auf. Darin wurde ein Kopfgeld auf den Täter ausgesetzt. Die Tsolakidis machten klar, dass sie mit solchen Methoden nichts zu schaffen haben. Schon gar nicht, wenn Parteien am rechten Rand ihr braunes Süppchen darauf kochen.

Echte Solidarität erfuhren die Tsolakidis´ von ihren Stammgästen. Auch die Politik schaltete sich ein. Sven Wolf, für die SPD Mitglied des Landtages, erkundigte sich bei den Strafverfolgern über den Stand der Ermittlungen. Gemeinsam baten SPD und CDU das Ordnungsamt, das Dallas häufiger zu bestreifen.

Dass ihr Peiniger nun Konsequenzen zu spüren bekommen hat, wie es sich in einem Rechtsstaat gehört, sorgt bei dem Gastronomenpaar für Erleichterung. Auf der Grundlage des Strafbefehls lässt das Ehepaar durch einen Rechtsanwalt nun zivilrechtliche Ansprüche gegen den Mann prüfen. Dass sie damit Erfolg haben, glauben die Tsolakids ´nicht. Der Nachbar gilt als mittellos. Wichtiger ist dem Ehepaar aber ohnehin etwas anderes: „Wir hoffen“, sagt Andrea Tsolakidis, „dass er uns jetzt endlich in Frieden lässt.“

Hintergrund: Strafbefehlsverfahren

Das Strafbefehlsverfahren ist ein vereinfachtes Verfahren, um Gericht und Staatsanwaltschaft bei eher geringen Vergehen zu entlasten. Die Besonderheit besteht darin, dass es keine mündliche Hauptverhandlung gibt. Zudem reicht es, wenn die Schuld des Beschuldigten wahrscheinlich ist, sie muss nicht als erwiesen gelten. Wird der Strafbefehl rechtskräftig, ist er aber dem Urteil in einer Hauptverhandlung gleichgestellt.

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