Musizieren über Videochats

Pianist Carsten Stüwe verlegt Unterricht ins Internet

Carsten Stüwe muss als Soloselbstständiger per Zoom unterrichten. Der Schüler sieht die Finger des Musiklehrers. Foto: Roland Keusch
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Carsten Stüwe muss als Soloselbstständiger per Zoom unterrichten. Der Schüler sieht die Finger des Musiklehrers.

Die Stücke für seine Schüler schreibt er selbst.

Von Sabine Naber

Remscheid. Sowohl als Klavierlehrer, als auch als Dozent und Pianist seiner kleinen Band hat es Carsten Stüwe durch den Lockdown nicht leicht. „Lehrer und Schüler sitzen beim Unterricht dicht beieinander und ich unterrichte normalerweise hier in meinem kleinen Studio an der Kölner Straße in Lennep. Als das ab März nicht mehr ging, mussten sich alle Musiker etwas überlegen. Und ich wollte unbedingt weiter unterrichten“, erzählt Stüwe.

Als er seinen Schülern anfangs anbot, sie online zu unterrichten, waren viele skeptisch. Und hatten wohl zunächst auch nicht die richtigen Geräte zu Hause. „Wir haben dann mit Skype, Zoom und Facetime angefangen. Das ist natürlich nicht wie richtiger Unterricht, aber auf jeden Fall besser als nichts“, war man sich nach kurzer Zeit einig. „Ich habe selbst auch viel dazu gelernt, beispielsweise eine weitere Kamera installiert, so dass die Schüler mir auf die Hände gucken können, wenn ich spiele.“

„Wir schreiben alle Stücke selbst. Und das macht einfach großen Spaß.“
Carsten Stüwe, Musiklehrer, über seine Band Forsoncis

Auch ein spezieller Kopfhörer gehört inzwischen zu seinem Equipment. „Wenn beide Parteien über Headset in Verbindung stehen, dann wird dabei das Echo unterdrückt. Das klappt ganz gut, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat“, hat Carsten Stüwe die Erfahrung gemacht. Für ihn sei es ein reines Hörtraining, denn er sieht nicht, welche Tasten angeschlagen werden. „Die Dynamik bei einer Klaviersonate kann ich beispielsweise so nicht beurteilen. Das geht nur, wenn man nebeneinander sitzt.“

Inzwischen schreibt er fast alle Noten für den Unterricht selbst. Seine Schüler schicken ihm hin und wieder einen Youtube-Link und schreiben dazu, dass sie genau dieses Stück spielen möchten. Stüwe kann den Schwierigkeitsgrad dann selbst bestimmen, wenn er die Noten dafür schreibt. Durch eine direkte Verbindung zum Computer werden die Noten aufgezeichnet, wenn er die Stücke nachspielt. „Allerdings muss ich die Noten anschließend noch auf die rechte und linke Hand aufteilen, denn der Computer erkennt nicht, welche Hand was macht.“

Seine Schüler spielen zu Hause auf einem E-Piano, einem elektrischen Klavier oder auf einem Keyboard. „Manchmal ist das Keyboard einfach gefragt, manchmal spielen dabei auch die Kosten eine Rolle. Es hat ja nicht jeder Geld für ein Klavier, das beim Kauf eine vierstellige Summe verschlingt“, weiß der Lehrer.

Ihm ist wichtig, dass seine Schüler Spaß am Unterricht haben. Egal ob sie auf einem preiswerten oder teuren Instrument spielen. Ein paar Schüler seien in der Corona-Zeit abgesprungen, andere sogar dazu gekommen. Es seien wohl Leute gewesen, die plötzlich mehr Zeit hatten und immer schonmal Klavierspielen lernen wollten.

„Ich bin durch die Pandemie nicht in meiner Existenz gefährdet. Und kann selbstständig bleiben. So wie ich es immer wollte“, fasst Stüwe seine Situation zusammen. Neben dem Klavierunterricht ist Carsten Stüwe auch Dozent an der Bundesakademie Trossingen in der Nähe des Bodensees. Dreimal im Jahr gibt er dort einen Kurs.

Sein drittes Standbein und zugleich sein Herzensprojekt ist seine Karriere als Pianist bei der Band Forsonics. „Meine drei Bandkollegen und ich schreiben alle Stücke, die in Richtung Jazz gehen, selbst. Und das macht einfach großen Spaß. Zumal oft auch Menschen Freude daran haben, die sonst eher keinen Jazz hören. Es klingt so ein bisschen wie Filmmusik ohne Film“, beschreibt er die musikalische Richtung. „Unser Konzert bei der Jazz-Rally in Düsseldorf musste leider ausfallen, aber wir hoffen, dass das nächste in Haan, geplant für den 30. April, stattfinden kann.“

Studio

An der Kölner Straße 6 unterhält der Klavierlehrer Carsten Stüwe sein kleines Studio. Gegenüber hat sich ein Schlagzeuglehrer angesiedelt, neben ihm ein Musiker, der das Gitarrespielen unterrichtet. Auch ein Geschäft für Musikinstrumente gehört zu dieser musikalischen Ecke in Lennep dazu.

Knut Reiter ist mit seiner Firma K-Bass von Burscheid nach Solingen gezogen.

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