Röntgen-Plakette

Physiker spricht mit Schülern über schwarze Löcher

Der Röntgen-Plaketten-Preisträger von 2020 hatte sichtlich Freude, mit den Jugendlichen zu sprechen. Fotos: Roland Keusch
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Der Röntgen-Plaketten-Preisträger von 2020,  Professor Dr. Günther Hasinger, hatte sichtlich Freude, mit den Jugendlichen zu sprechen.

Röntgen-Plaketten-Preisträger Professor Dr. Günther Hasinger besuchte das Röntgen-Gymnasium.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Röntgen-Plakette wird von der Stadt Remscheid seit dem Jahr 1951 verliehen und ehrt Personen, die sich in besonderer Weise um den Fortschritt und die Verbreitung der Wilhelm Conrad Röntgen zu verdankenden Entdeckungen verdient gemacht haben. Sie ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt vergeben kann.

Im vergangenen Jahr konnte die Plakette wegen der herrschenden Pandemie verliehen, nicht aber an den Preisträger persönlich übergeben werden. Ausgezeichnet wurde Prof. Dr. Günther Hasinger, der sich der Röntgenastronomie verschrieben hat und als Direktor der ESA, der europäischen Weltraumorganisation, in Madrid arbeitet. Die Verleihung der Plakette wird am heutigen Samstag durchgeführt.

Zuvor standen am gestrigen Freitag andere Termine auf der Agenda des Wissenschaftlers. Schülerinnen und Schüler des Röntgen-Gymnasiums bekamen am frühen Nachmittag Gelegenheit, dem vielfach ausgezeichneten Astrophysiker Fragen zu stellen. Der kommissarische Schulleiter, Thomas Benkert, begrüßte Prof. Dr. Hasinger sehr herzlich. „Es ist mir eine große Ehre“, sagte der Wissenschaftler, bevor es an die Fragen der Schülerinnen und Schüler ging. Die Physik-Leistungskurse waren vertreten, der besondere Kurs „Auf zu neuen Planeten“, andere interessierte Schülerinnen und Schüler wie auch entsprechende Lehrkräfte.

Erklärung ohne wissenschaftliche Fachausdrücke

Danach befragt, wie seine Laufbahn begonnen hat, erzählte Hasinger von seiner ehemals geplanten Karriere als Rockmusiker. Immerhin habe er es auf das Titelbild der Bravo gebracht. Eigentlich wollte Hasinger Tontechniker werden. Dafür wäre ein Studium der Physik und eines der Musik nötig gewesen. „Musik wollte ich nicht“, sagte er, „also Physik. Inklusive Praktika. Und eines machte ich an der Münchener Sternwarte.“

Zu dieser Zeit sei in den Weiten des Alls eine Nova explodiert, und die habe er beobachtet, tagelang, mit gelegentlichem Schlaf im Observatorium. Aber das Oktoberfest machte ihm letztendlich einen Strich durch die Rechnung. „Der Himmel war dann so hell, dass man selbst nachts die Nova nicht mehr sehen konnte. Immerhin: Das war das zündende Erlebnis für meinen Berufswunsch.“

Die physikinteressierten Rögy-Schüler erfuhren nicht nur etwas über das Arbeitsgebiet von Prof. Dr. Hasinger, sondern auch über den Ursprung seines wissenschaftlichen Interesses.

Ein Spezialthema von Prof. Dr. Hasinger ist das Vorhandensein von schwarzen Löchern im All. Seine Theorie besagt, dass schwarze Löcher mit dem Urknall entstanden sein könnten. „Wenn das stimmt“, führte er weiter aus, „dann hatten und haben diese Löcher einen gewaltigen Einfluss auf das Universum.“ Stauche man die Masse unserer Erde auf die Größe eines Fingernagels zusammen, dann werde die Erde zu einem schwarzen Loch. Schwarze Löcher, so der Professor weiter, seien übrigens heller als alle Sterne im All, so dass man sie gut beobachten könne. „Umso weiter ich ins All schaue, desto älter ist der Gegenstand, den ich beobachte. Das Licht benötigt von der Sonne zur Erde acht Minuten, von den letzten zu beobachtenden Objekten vielleicht 10 Milliarden Jahre.“

Hasinger, der sich im Laufe der Fragestunde als geduldig zuhörender Wissenschaftler erwies, der seine Erklärungen ohne hochwissenschaftliche Fachausdrücke weitergab und sicht- und hörbar große Lust verspürte, wieder einmal vor Menschen zu debattieren und nicht vor einem Bildschirm, ging auf verschiedene Fragestellungen ein. Gibt es unterschiedliche Arten von schwarzen Löchern, wollten die Lernenden wissen, oder was geschieht, wenn schwarze Löcher sich vereinigen? Es ging um Raumkrümmungen, die Unmöglichkeit, sich einen vierdimensionalen Raum vorzustellen, um Gravitationslinsenringe, um dunkle Materie. Und was ist das – das Nichts? „Auch im sogenannten Nichts gibt es nachweisbare Quantenfluktuation“, sagte der Astrophysiker. „Da ist immer etwas, was wir messen können.“

Nach der Stunde im Röntgen-Gymnasium wurde Prof. Dr. Hasinger vom Junior-Club durch das Röntgen-Museum geführt. Anschließend ging es zu einem Empfang, zu dem die Freunde und Förderer des Röntgen-Museums in das Geburtshaus von Röntgen eingeladen hatten.

Festakt

Für das Jahr 2020 erhält der Astrophysiker Prof. Dr. Günther Hasinger heute die Röntgen-Plakette. Um 11 Uhr beginnt der Festakt in der Aula des Röntgen-Gymnasiums. Die Laudatio auf den Preisträger hält Prof. Dr. Metin Tolan, Präsident der Universität zu Göttingen. In einem Festvortrag wird Prof. Dr. Hasinger auf sein „Leib- und Magenthema“ schwarze Löcher und das Schicksal des Universums eingehen. Ein Streichquartett der Bergischen Symphoniker wird Haydn, Beethoven und Glass spielen. Im Anschluss an die Verleihung der Röntgen-Plakette wird es zu Ehren des Preisträgers einen Empfang im Foyer des Röntgen-Museums geben. Der Preisträger für das Jahr 2021, Prof. Dr. Wolfgang Schlegel, konnte krankheitsbedingt leider nicht anreisen. Er wird seine Plakette später überreicht bekommen.

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