Meine erste Platte

Peter Gabriel ist bis heute sein Lieblingsmusiker

Oliver Scheemann ist bis heute ein Vinylfan. Zum Gespräch hat er nicht nur seine erste LP mitgebracht. Foto: Roland Keusch
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Oliver Scheemann ist bis heute ein Vinylfan. Zum Gespräch hat er nicht nur seine erste LP mitgebracht.

Theaterpädagoge Oliver Scheemann entdeckte im Alter von 14 Jahren die Rockmusik

Von Peter Klohs

Oliver Scheemann muss nicht überlegen, wenn er auf seine erste Platte angesprochen wird. „Barclay James Harvest“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Gone to Earth.“ Und er liefert auch direkt die Geschichte dazu. „Erste Berührungen mit der Musik bekam ich mit vierzehn Jahren“, erzählt er.

„Ich hatte eine Freundin, die zwei Jahre älter als ich war, und bei der lief die Musik der britischen Pop-Rock-Band rauf und runter. Also fuhren wir, auf den Tag beinahe genau vor vierzig Jahren, mit dem Zug zum Saturn nach Köln, weil dort die Platten billiger waren. Dort kaufte ich ‚Gone to Earth’. Auf der LP war der Hit ‚Hymn’, aber mein Lieblingsstück des Albums war und ist immer noch der letzte Track der A-Seite, das beinahe sieben Minuten lange ‚Poor man’s moody blues’. Und so war es eigentlich immer: Meine Freunde hörten die Hitparade, und ich hörte BJH und Genesis und war der Exot.“

1982 sah Scheemann Barclay live

Wir sind an Oliver Scheemanns Arbeitsplatz, dem Rotationstheater, und der Musikkenner hat diverse LPs aus seiner Sammlung mitgebracht und auf dem Boden verteilt: Viel Genesis, Supertramp, Kate Bush, Deep Purple, Bruce Springsteen, viel Stoff zum Fachsimpeln. „1982 sah ich Barclay zum ersten Mal live“, berichtet der Theaterpädagoge. „Ich weiß es noch genau: Es war am 1. April 1982 in der Dortmunder Westfalenhalle, ein tolles Konzert. Später hat sich die Gruppe aufgesplittet und existiert auch heute noch sozusagen zweimal.“

Seinen Lieblingsmusiker entdeckte Scheemann einige Jahre später. „Genesis habe ich immer schon gerne gehört, vor allem die älteren Sachen: Die LPs Foxtrot, Selling England by the pound, diese Ära, bis zum Ausscheiden von Peter Gabriel und der Hinwendung der Gruppe zur Pop-Musik. Seit seiner ersten Solo-LP ist Peter Gabriel mein Lieblingsmusiker.“ Auch Gabriel hat er diverse Male im Konzert erleben dürfen. Das erste Mal 1987 in Bochumer Fußball-Stadion. „Mein Gott, war ich geflasht“, berichtet Scheemann. „Das war so unfassbar gut. Seit Jahren beeindruckt mich auch immer wieder das Bass-Spiel von Tony Levin, der schon seit Jahrzehnten Gabriels Bassist ist, jetzt 74 Jahre alt, aber noch immer umtriebig und weltweit auch in Konzerten tätig ist. Das ist sicher der beste Bassist der Welt und auch im hohen Alter noch ein großer Star der Szene.“

An zwei oder drei Abenden im Monat werden LPs aufgelegt

Oliver Scheemann erzählt kenntnisreich über die wechselhafte Geschichte von Genesis und Peter Gabriel. „Ich habe zweimal die Gelegenheit gehabt, Gabriel in seinem Studio zu besuchen und seine Arbeitsweise kennenzulernen. Das war schon hochgradig interessant.“ Zumal, wie der Musikliebhaber betont, Peter Gabriel nicht an irgendeinen Musikstil noch an eine Plattenfirma gebunden sei. „Der hat ja schon alles gemacht“, weiß Scheemann, „hochkomplexe Sachen wie die orchestrale Umsetzung seiner Songs bis hin zu Filmmusik („Die letzte Versuchung Chrsti“), und alles hat seine Berechtigung und besitzt allererste Güte. Allerdings hat Peter Gabriel seit zehn Jahren nichts Neues mehr veröffentlicht.“

Im Gegensatz zu seinen ehemaligen Mitstreitern der Band Genesis. „Ach ja“, seufzt Scheemann, „die sind halt irgendwann auf den kommerziellen Zug aufgesprungen. Ihre letzte Tour habe ich auch noch gesehen. Das war schon ‚too much’, und gewaltig aufgepumpt. Eigentlich unnötig.“

Scheemann: „Musik muss mich emotional packen“

Scheemanns Musikgeschmack hat sich über die Jahre nicht wesentlich verändert. „Er erweitert sich“, erzählt der Theatermann, „aber die alten Sachen höre ich nach wie vor gerne. Musik muss mich emotional packen. Musik ohne Harmonie ist für mich nicht denkbar.“

Zwei, drei Abende im Monat hat er für das Anhören der LPs für sich reserviert. „Ja, ich höre auch CDs“, gibt er beinahe zerknirscht zu, weiß aber auch, „dass LPs einfach ehrlicher klingen. Den Unterschied hört man doch ganz deutlich.“ Und so hört er weiter „seine“ Musik, die leicht progressiv angehauchte Rockmusik, die ihren Ursprung in den 70er Jahren hatte.

Zur Person

Oliver Scheemann wurde 1966 in Wuppertal geboren und lebt seit 1992 in Remscheid. Er ist seit 2001 Theaterpädagoge am Rotationstheater. Sein Musikgeschmack konzentriert sich auf das progressiv angehauchte Umfeld, das in den 70er Jahren zur Blüte gelangte. Er hört auch andere Musik. „Deutsche Volksmusik kann ich nicht ertragen“, erzählt er. „Desgleichen Operetten und Schlager. Reggae geht, aber nur eine Stunde, dann ist es gut. Klassik geht auch. Ich liebe den Sound von Violinen.“

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