Vier Arbeitskräfte fehlen

Personalmangel lähmt Standesamt - Remscheider müssen warten

Ein Brautstrauß gehört auch in Corona-Zeiten zur Hochzeit dazu. Fangen können ihn derzeit aber nur die Trauzeugen, denn sie sind neben dem Brautpaar die Einzigen, die der Feier beiwohnen dürfen. Foto: Christian Beier
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Viele Paare wollen eine Schnapszahl-Hochzeit am 22.2.2022.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Auf Urkunden und Termine müssen Interessierte derzeit lange warten. Im Standesamt herrscht personeller Engpass.

Remscheid. Das Remscheider Standesamt verzeichnet einen akuten Personalengpass, wie die zuständige Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke auf RGA-Anfrage bestätigt. „Wir müssen Prioritäten setzen. Vorrang hat dabei grundsätzlich das Ausstellen von Geburts- und Sterbeurkunden.“ Viele weitere Angelegenheiten landen hingegen in der Warteschleife – mit der Folge, dass Interessenten erst Wochen nach der Kontaktaufnahme einen Termin oder die gewünschte Urkunde erhalten.

Leiter Andreas Levermann muss im Standesamt einen personellen Engpass überwinden.

Drei Mitarbeitende hätten das Team verlassen, unter anderem wegen Elternzeit und einem Wechsel in den Personalrat, erklärt Behördenchef Andreas Levermann. Demnächst komme eine vierte Vakanz hinzu. „Damit können wir nur noch 50 Prozent der Arbeitsstunden abdecken. Wenn jetzt noch jemand krank wird, ist der Ofen aus.“

Um sein Team zu entlasten, nimmt Levermann am Info-Telefon die Gespräche entgegen – und muss die Ratsuchenden oftmals vertrösten. „Wir kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher.“ Versetzungen aus anderen Abteilungen seien nicht ohne Weiteres möglich. Wer als Standesbeamter wirken möchte, benötigt eine Sonderausbildung an der Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf. Dabei erhalten die Kollegen das Rüstzeug, um auf durchaus komplexe Fragestellungen eine Antwort zu finden.

Barbara Reul-Nocke nennt ein Beispiel: „Da haben sie es mit Menschen zu tun, die in Kasachstan zur Welt kamen, in der Ukraine geheiratet haben und sonst wo geschieden wurden. Nun wollen sie in Remscheid erneut heiraten, müssen aber die nötigen Dokumente vorlegen. Da kann ein Beratungsgespräch schon mal einige Stunden dauern.“ Ähnlich kompliziert könne es sein, wenn eine Flüchtlingsfamilie eine Geburtsurkunde erhalten muss, aber die Ausweispapiere der Eltern nicht vorliegen, nennt Levermann ein weiteres Beispiel. „Wir müssen ihre Identität feststellen. Das kann Monate dauern.“ Monate, in denen es keinen Leistungsbezug für das Kind gibt.

Remscheid: Viele Paare wollen am 22.2.2022 heiraten

Ein weiterer Kraftakt ist das, was am Schnapszahl-Hochzeitstag auf das Standesamt zukommt. Die Nachfrage für den 22.2.22 sei groß, übermittelt die Sprecherin der Stadt Viola Juric. 13 künftige Ehepaare wollen sich an diesem Termin im Rathaus das Ja-Wort geben. Dieses Pensum wäre ohne Hilfe anderer Kollegen aus dem Rathaus nicht zu schaffen.

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Und so unterstützen Trau-Standesbeamte das Team, die eigentlich in anderen Abteilungen arbeiten, aber einen Lehrgang für die Zeremonie absolviert haben. Dabei seien Trauungen bei weitem nicht das Hauptbetätigungsfeld für die Standesbeamten, räumt Levermann mit einem Vorurteil auf. „Sie machen vielleicht gerade einmal 15 Prozent unserer Tätigkeit aus.“ 2020 gaben sich 428 Paare in Remscheid das Ja-Wort, 2021 waren es 421 Eheschließungen.

Levermann hofft, dass in einigen Monaten der akute Personalengpass überwunden sein wird. Es gebe Interessierte, die in die Behörde wechseln wollten. Sie können sich offenbar auf ein angenehmes Betriebsklima freuen. „Ich habe ein tolles Team,“ hebt der Standesamtsleiter hervor.

Standpunkt: Nöte kleiner Behörden

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Wer für den Sommer plant, vor den Traualtar zu treten, sollte mehr Vorbereitungszeit einkalkulieren. Denn: Für die Hochzeit ist eine beglaubigte Geburtsurkunde nötig, die im Standesamt erhältlich ist, sofern Braut oder Bräutigam in Remscheid das Licht der Welt erblickte und hier angemeldet wurde. Das Warten auf das Dokument dauert länger als üblich, weil im Amt nur noch ein Rumpfteam am Start ist. Dies ist ein weiteres Beispiel für strukturelle Probleme im öffentlichen Dienst, unter denen vor allem die Bewohner kleinerer Großstädte zu leiden haben. Wenn sich aus einem Amt mit acht Mitarbeitenden vier aus unterschiedlichen Gründen verabschieden, dann zieht das naturgemäß einen deutlicheren Effekt nach sich als in einer Behörde mit zwanzig oder mehr Kollegen. So wäre es wünschenswert, dass sich mehr Verwaltungsmitarbeiter dazu entschließen, die Zusatzausbildung zum Standesbeamten zu absolvieren – um in Notfällen wie diesen, einspringen zu können. Ohnehin wäre ein Pool an Verwaltungsmitarbeitern sinnvoll, die möglichst flexibel ihr Einsatzgebiet wechseln können, je nach dem, wo der Bedarf am größten ist.

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