Bürger reagieren unwirsch

Personalsituation beim Standesamt bleibt angespannt

Standesamtsleiter Andreas Levermann.
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Standesamtsleiter Andreas Levermann.
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Standesamt verzeichnet weniger Trauungen.

Remscheid. 642 Geburten wurden bis Ende Juni in Remscheid beurkundet. „Einige fehlen noch aus dem Monat. Selbst wenn man die dazu rechnet, lässt sich kein Zusammenhang zwischen Corona und mehr oder weniger Kindern konstruieren“, stellt Standesamtsleiter Andreas Levermann fest. 2020 waren es in demselben Zeitraum 691 Kinder, 620 im Vorjahr in Remscheid. Statistisch seien diese Zahlen nicht relevant, aus ihnen etwas abzuleiten wäre „Kaffeesatzleserei“, meint Levermann.

Bei den Todesfällen liegt Remscheid im ersten Halbjahr bei 697, vor drei Jahren waren es 677, 2020 dann 687 und im Vorjahr 721. Die Hochzeit der Hochzeiten liegt zwischen Mai und September sowie im Dezember. Bei den Trauungen lässt Levermann eine Erkenntnis zu: „Mit 269 sind es weniger Hochzeiten im ersten Halbjahr als gewohnt.“ Der Chef des Standesamtes nennt zwei Gründe: Zum einen, weil weniger Paare das Ehegelübde ablegen, zum anderen aber auch Personalmangel. Das Standesamt trifft es in der Coronazeit hart. Wenn alle an Bord sind, hat Levermann einen Stamm von neun Mitarbeiter(inne)n um sich. Dies ist aber seit langem nicht mehr der Fall. Zu Krankheiten und Covid-Ausfällen gesellen sich zwei offene Stellen. „Diese zu besetzen wird immer schwieriger“, bedauert Levermann. Löcher wurde mit insgesamt acht Aushilfen gestopft, die die einfachen Aufgaben erledigen.

Der „Spezialberuf Standesbeamter“ (Levermann), der durch Fortbildungen über drei Jahre fachlich unterfüttert wird, ist offensichtlich wenig attraktiv. Standesamt steht in der Öffentlichkeit für das Ja-Wort. „Dabei machen die Eheschließungen nur 10 bis 15 Prozent unserer Tätigkeit aus“, erläutert Levermann. Für das Personal seien Trauungen eine Erholung, vergleicht er. Der Rest ist zum Teil aufwendige Recherche im In- und Ausland, zähe Knochenarbeit am Schreibtisch, verlangsamt oft durch komplizierte deutsche Rechtsprechung.

In der Priorität eines Standesbeamten, die gerade in personell engen Zeiten eingehalten wird, stehen die Sterbefälle oben, danach kommen die Geburten, dann die Eheschließungen. „Und schließlich der Rest.“ Wartezeiten sind einzukalkulieren. Vielfach verursacht diese nicht mal das Amt. „Oft laufen wir den Unterlagen hinterher“, weist Andreas Levermann auf die Schwierigkeiten hin.

Was die schwere Situation nicht einfacher macht, sind unwirsche Reaktionen vieler Bürger. „Wir stellen immer mehr Ungeduld und Dünnhäutigkeit in der Bevölkerung fest“, beobachtet Levermann. Personell ist das Standesamt zwar aus der untersten Talsohle raus, aber auch in der derzeitigen Personallage kippen Extras hintenüber. „Wir würden gerne mehr Trautermine anbieten an Wochenenden und an speziellen Orten, aber das ist absehbar nicht möglich.“ Andreas Levermann gesteht, dass ihn dies „wurme“.

Eins wird es aber im Dezember geben: Am 1./2. (15 bis 19 Uhr) bietet das Standesamt wieder „Candle-Light-Trauungen“ an. Aufgrund der hohen Nachfrage wird das Angebot auf zwei Tage ausgeweitet. Neben den üblichen Gebühren fallen bei Kerzenlicht 200 Euro an. Terminvergabe unter www.remscheid.de.

Passend zum Thema: Flüchtlingsstrom aus der Ukraine verstärkt Personalnot in Remscheid

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