Bühne

Papiertheater: „Zauber des Rheins“ begeistert alle Besucher

Der „Zauber des Rheins“ wurde in die Ackerstraße 14 geholt: Martin und Sieglinde Haase zeigen, wie Papiertheater funktioniert. Foto: Roland Keusch
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Der „Zauber des Rheins“ wurde in die Ackerstraße 14 geholt: Martin und Sieglinde Haase zeigen, wie Papiertheater funktioniert.

Haases Papiertheater kehrte in der Ackerstraße auf die Bühne zurück - Phantasievolles Stück war ein Genuss für die Gäste.

Von Sabine Naber

Remscheid. Ein knallroter Reisebus knatterte heran und spuckte Touristen aus aller Welt aus. Stimmengewirr war zu hören, eine Dame rief: „Darling, look at that.“ Alle wollten den „Zauber des Rheins“ erleben. In Bingen waren sie ausgestiegen, um einen Schaufelraddampfer zu besteigen, der sie den Rhein herunter bis nach Köln bringen sollte. Sie wollten die Landschaft genießen, aber auch die Sagen und Legenden des Rheins kennenlernen. So begann das wunderschöne, phantasievolle Stück auf der Papiertheaterbühne von Sieglinde und Martin Haase in ihrem Zuhause in der Ackerstraße.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der kleine Zuschauerraum, denn nicht nur das Ehepaar Haase, auch die Zuschauer haben es kaum abwarten können, bis sich der Vorhang hier öffnen durfte. „Seit März vergangenen Jahres ist es unsere erste Aufführung. Und wir freuen uns, dass inzwischen unser Theater und damit die gesamte Papiertheaterszene, als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden ist“, sagte das Ehepaar und stieß mit einem Schlückchen „reinen Rheinweins“ mit den Gästen darauf an.

Papiertheater: Sieglinde und Martin Haase sorgten für eine perfekte Inszenierung

Als das Licht im Aufführungsraum erlosch und sich der Vorhang der kleinen Bühne hob, erklang Willi Ostermanns Evergreen „Einmal am Rhein beim Glase Wein bei Mondenschein.“ Während der Raddampfer gemütlich weitertuckerte, hörten die Zuschauenden die Sage, die sich um die Burg Sooneck rankt. Dort lebten Raubritter, die der Schrecken aller Reisenden waren. Ein bisschen gruselig wurde es bei der nächsten Geschichte, denn man erzählte sich, dass hier nachts die Toten aus ihren Gräbern steigen und die Lebenden erschrecken.

Und auf dem Drachenfels wurde eine Jungfrau als Opfer für den Drachen bestimmt. Weißer Dampf strömte aus seinem Maul, die Augen funkelten wie Diamanten. Aber als die Frau ihm das Kreuz zeigte, wich das Ungeheuer zurück.

All diese Erzählungen waren perfekt inszeniert. Die aufwändigen Kulissen, die Schauspieler aus Pappe in ihren stilechten Kostümen, die Auswahl der unterschiedlichen Musiken - es war ein Genuss, diese Aufführung zu sehen. Ob die Heinzelmännchen, die gutmütigen Zwerge, die den Handwerkern halfen, über die Bühne huschten, ob es der Zweifler Maurus war, der eines Tages aus dem Kloster verschwand oder eine attraktive Blondine war, nach der sich die männlichen Reisenden umguckten - das Ehepaar Haase präsentierte diese Szenen gekonnt.

Grandioser Höhepunkt war das bunte Feuerwerk, das am Ziel der Reise gezündet wurde, als die Spitzen des Kölner Doms in Sichtweite waren. „Wie haben Sie das denn gemacht“, war prompt die erste Frage, als der begeisterte Applaus abgeebbt war und Martin Haase wieder im Zuschauerraum stand. Anders als bei den Zauberern, die ihre Tricks bekanntlich niemals verraten, zeigte der Papiertheater-Experte, wie er vor einem Wolkenhimmel und mit Hilfe einer Taschenlampe so ein Feuerwerk zünden kann. Und auch, wie durch einen Schlauch am Körper des Drachens die Nebelmaschine in Gang gesetzt werden kann. „Die Papiertheaterszene ist klein. Wir helfen uns untereinander und erklären, wie es gemacht wird“, sagt Haase. In seinem Theater geht alles mechanisch zu, Freunde und Bekannte übernehmen die ein oder andere Sprechrolle. „Sie dichten auch spontan was dazu. Das lassen wir gerne so stehen“, erzählt er lachend. „Das war sehr, sehr schön“, war sich das Publikum am Ende der rund 40 Minuten dauernden Aufführung einig.

Wer Lust hatte, den führte Sieglinde Haase anschließend durch die beiden liebevoll eingerichteten Museumsräume. „Unser ganzer Stolz ist seit 2018 unser kleines ‘Museum’ im Flair des 19. Jahrhunderts, der Blütezeit des Papiertheaters. Alte Theater verschiedener Länder kommen in den alten Möbeln stilvoll und in gedämpftem Licht zur Geltung“, betont Sieglinde Haase. So würden sich Spielbetrieb und „Museum“ optimal ergänzen.

Weiterer Termin

Am Freitag, 6. August, 19.30 Uhr, lädt das Ehepaar Haase zur nächsten Vorstellung an der Ackerstraße 14 ein. Gespielt wird das Stück „Typisch bergisch“. Erzählt werden humorvolle Geschichten über Menschen unserer Heimat, vorgestellt werden allerlei Sonderlinge. Die Textvorlage stammt von Siegfried Horstmann, dem Remscheider Heimatforscher. Karten gibt es unter Tel. 0 21 91 / 77 287.

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