Kulturerbe

Papiertheater sucht Fortführer der Tradition

Etwa 1000 historische Lithographien haben Sieglinde und Martin Haase von einem befreundeten Sammler aus Hanau geerbt. Hier wurde für den RGA der französische Karton geöffnet: Zum Vorschein kommen, fein in Seidenpapier eingepackt, Kulissen und Bilder von Pellerin aus Épinal. Foto: Roland Keusch
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Etwa 1000 historische Lithographien haben Sieglinde und Martin Haase von einem befreundeten Sammler aus Hanau geerbt. Hier wurde für den RGA der französische Karton geöffnet: Zum Vorschein kommen, fein in Seidenpapier eingepackt, Kulissen und Bilder von Pellerin aus Épinal.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Martin und Sieglinde Haase möchten für Kulturerbe begeistern – Das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ feiert am Freitag Premiere.

Remscheid. Im Testament des Hanauer Sammlers wurde es als Erbe eingesetzt: das Papiertheater Haase. Denn Martin und Sieglinde Haase (beide 63) haben im Januar etwa 1000 Lithographien des Mannes geerbt, der in den 90ern in der hessischen Stadt selbst ein Museum aufgebaut hatte. Früher kauften die Haases bei ihm ihre Theater-Ausstattung. Nun erbten sie einen ganzen Sprinter voller Kartons. „Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut“, erzählt Sieglinde Haase.

Ihr Sohn aus Münster half beim Umzug der Kulturgüter. In der Ackerstraße 14 angekommen, wurden die Kartons wieder ausgepackt – und das ganze Material musste erst einmal gesichtet werden. „Hier sah es aus. . .“, fasst sich Sieglinde Haase an den Kopf. „Und wir sind heute noch nicht fertig“, sagt Martin Haase. Unter den zahlreichen Lithographien und kleinen Modellen fand er sogar einen kleinen Schatz: eine Original-Unterwasserlandschaft von 1880 oder 1890, die übrigens im neuen Stück „Wupperwasser“ zu sehen sein wird, das sechste bergische Stück aus dem Hause Haase.

Außerdem lagerten in den Kisten viele einzelne Bäume – eine große Arbeitserleichterung für Stückeschreiber Martin Haase. So sorgt der hessische Nachlass gleich für doppelte Freude im Bergischen: „Einerseits können wir die Dinge wiederverwenden für unser Spiel, andererseits kann mein Mann nun aus dem Vollen Schöpfen“, erklärt Sieglinde Haase. Und so halten sie die Tradition dieser Kunstform, die seit November Immaterielles Kulturerbe ist, lebendig.

„Wir können es kaum noch zählen.“

Sieglinde Haase über die Sammlung

Auch wenn sie noch nicht im Traum daran denken, den Vorhang fallen zu lasen – die Haases suchen bereits jetzt jemanden mit derselben Leidenschaft, der diese Tradition weiterführen könnte. „Wir könnten jemanden, den wir für die alten Bögen und Theater begeistern können, gern mit allem ausstatten“, sagt Martin Haase. Erste Kontakte hat er schon über seine Workshops in der Akademie der Kulturellen Bildung knüpfen können. Dort ist er Gastdozent. Im April steht dort der nächste Workshop für Pädagogen und Museumsmitarbeiter an.

Jeden Tag beschäftigen sich die Haases mit dem Papiertheater, nahezu jeder Raum ihres Drei-Familien-Hauses ist davon geprägt: „Der gestiefelte Kater“ an der Wand im Flur, Szenenbilder auf dem Esszimmerstuhl, es gibt ein Archiv, eine Bibliothek und im Keller natürlich das Herzstück, das Theater. Das natürlich auch ein Foyer hat. Nebenan können die Besucher zudem die beträchtliche Sammlung begutachten. Was 2018 anfing, hat sich rasant vermehrt. Eine Abenteuerreise für die Augen. „Wir können es kaum noch zählen“, sagt Sieglinde Haase. Langsam werde der Platz knapp, auch wenn Doppeltes verkauft werde. Sammeln, spielen, Stücke schreiben: Das Papiertheater ist für die Haases eine Lebensaufgabe. „Ich kenne sonst nur jemanden in Bayern, der dies noch so betreibt“, sagt Sieglinde Haase. Ihr Mann ist „nebenbei“ noch berufstätig. „Die Beschäftigung mit dem Papiertheater ist da ein gutes Gegengewicht“, sagt er. In diesen düsteren Zeiten tauche er gerne in die ganz eigene Welt ab.

Und das können die Gäste nun auch: Am Freitag feiert das neue Stück Premiere, das bereits im Lockdown 2020 entstanden ist, es aber noch nie auf die Bühne geschafft hat: „Die kleine Meerjungfrau“, ein bezauberndes Märchen nach Hans Christian Andersen für Erwachsene. Darum geht es: Die kleine Meerjungfrau hat sich in einen jungen Prinzen verliebt. Er weiß allerdings noch nichts davon, denn sie muss erst einmal ihren Fischschwanz loswerden. Eine Wasserhexe verhilft ihr schließlich zu schönen Beinen, aber der Preis dafür ist hoch. Ob diese Liebesgeschichte wohl ein Happy-End findet?

Premiere, Karten und Corona-Regeln

Vorstellungen: „Die kleine Meerjungfrau“ feiert am Freitag, 18. März, 19.30 Uhr, Premiere in Haases Papiertheater, Ackerstraße 14 (barrierefrei). Am Samstag, 19. März, gibt es um 16 Uhr eine erneute Vorstellung. Für beides gibt es noch freie Plätze. Eintritt: 8 Euro. Anmeldung unter Tel. 7 72 87. Am 15. Mai wird es erneut gezeigt. Weitere Vorführungen für Gruppen nach Vereinbarung. Das Theater kann man zudem auch mieten.

Corona-Regeln: Es gilt 2G und durchgängige FFP2-Maskenpflicht. Aktuell stehen acht von 16 Plätzen bereit. Nach dem 20. März wollen die Haases die Plätze in ihrem Kellertheater zwar erhöhen, aber nicht voll auslasten. Der ganze Spielplan:

haases-papiertheater.de

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