RGA vor Ort

Otto Mähler: Die Alleestraße braucht mehr Macher

Bezirksbürgermeister Otto Mähler möchte eine zukunftsfähige Alleestraße erleben. Foto: Roland Keusch
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Bezirksbürgermeister Otto Mähler möchte eine zukunftsfähige Alleestraße erleben.

Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) über Alt-Remscheid und die Probleme der Innenstadt.

Das Gespräch führte Axel Richter 

Herr Mähler, unsere Stadtteilserie hat gezeigt: An den oberen und unteren Rändern der Innenstadt, in der Hindenburgstraße und in der Alten Bismarckstraße tut sich eine Menge. Warum nicht längst auch auf der Alleestraße selbst?

Otto Mähler: Wir brauchen dort lange für Veränderungen. Viel zu lange. Die Bürokratie bremst uns aus. Bis zum Beispiel längst zugesagte Gelder fließen, vergeht viel Zeit. Und dann müssen wir die Eigentümer mit ins Boot holen. Aber versuchen Sie das mal, wenn es sich dabei um Immobilienfonds handelt, die sich für die Verhältnisse vor Ort wenig interessieren.

Schon versucht. War zwecklos.

Mähler: Ja, weil die Eigentümer nicht greifbar sind. Und weil sie ihre leerstehenden Immobilien im Zweifel lieber als Abschreibungsobjekt nutzen. Sie sind den Menschen in Remscheid nicht bekannt und müssen sich deshalb nicht dafür rechtfertigen, wenn sie ihre Gebäude verfallen lassen.

Lange Zeit wurde in Remscheid vor allem über das DOC in Lennep gesprochen. Ist die Innenstadt auch deshalb ins Hintertreffen geraten?

Mähler: Nein, den Eindruck habe ich nicht. Letztlich wird auch die Alleestraße vom DOC in Lennep profitieren. Wer dort einkauft, wird auch den Weg in die Innenstadt finden, indem er zum Beispiel in den Pendelbus steigt. Und es tut sich ja auch etwas auf der Alleestraße. Gerade ist die Online-Befragung des Büros Stadtguut abgeschlossen worden.

240 Bürger haben ihre Meinung zur Alleestraße gesagt.

Mähler: Ja, das wird jetzt ausgewertet.

Und dann?

Mähler: Kommen wir hoffentlich endlich zu konkreten Schritten.

Blicken wir mal zurück: Mitte 2017 bezogen zwei Mitarbeiter eines Stadtplanungsbüros am Markt ihr Quartier. Sie sollten die geplante Revitalisierung der Innenstadt vorantreiben. Am Ende wurden Feste gefeiert und Fördergelder für die Sanierung von Fassaden beantragt. Jetzt kam das nächste Stadtplanungsbüro und startete eine Online-Befragung. Wird die Alleestraße mit Bürgerwerkstätten, Workshops etc. kaputtorganisiert?

Mähler: Man muss die Bürger mitnehmen. Das hält natürlich auf. Aber anderenfalls stellen sie uns später vielleicht zu Recht die Frage: Was macht ihr denn da für einen Mist?

Die Bürger wollen aber nicht immerzu irgendwohin mitgenommen werden, sondern sie wollen auch konkrete Verbesserungen sehen.

Mähler: Wem sagen Sie das? Ich höre die Kritik doch überall. Die Menschen fragen mich: Wann tut sich dort endlich was? Zum Beispiel auch auf dem Theodor-Heuss-Platz. Wir möchten dort mehr Außengastronomie haben. Wie es geht, zeigen die ,Grüne Gans‘ oder ,Barista‘. Die Menschen setzen sich gern dorthin. Aber solche Entwicklungen gehen nicht von heute auf morgen.

Ich habe vor zwei Jahren mit Melanie Clemens von der Interessengemeinschaft Hindenburgstraße über ihr Quartier gesprochen und sie gefragt, warum ihre Straße so geschäftstüchtig ist. Wissen Sie, was sie geantwortet hat?

Mähler: Weil die Straße eine funktionierende Nachbarschaft hat?

Ja genau. Und weil diese funktionierende Nachbarschaft von allen Stadtteil- und Quartiersentwicklern, Innenstadt- und Citymanagern, die in den zurückliegenden Jahren in Remscheid vorstellig wurden, verschont geblieben ist. Sie sagte: „Alle wissen, wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir es selber machen.“ Wird auf der Allee zu wenig selber gemacht?

Mähler: Da sind wir wieder bei den Eigentumsverhältnissen. In der Hindenburgstraße und in der Alten Bismarckstraße leben viele Menschen, die dort wohnen und arbeiten und sich deshalb für ihre Nachbarschaft engagieren.

Also braucht es mehr Macher als Werkstattgespräche. Doch die sind auf der Allee in der Minderheit. Ich denke an Dr. Volker Schatz mit seiner Schatzkiste oder an Harro Schmidt, der mit seinem Schreibwarengeschäft Gottlieb Schmidt der Tristesse trotzt.

Mähler: Ja, wir brauchen mehr solcher Macher. Investitionen vor Ort tätigen nicht Büros von irgendwo, sondern Eigentümer, Geschäftsanlieger, Nachbarn, die die Dinge selbst in die Hand nehmen. Die Büros sind deshalb aber nicht aus dem Schneider. Ich fordere schon seit langem, dass sie mit ihren Ideen und Plänen stärker an die Öffentlichkeit gehen. Aber, ach wissen Sie: Wenn man nicht so einen Langmut hätte, hätte ich mich vielleicht längst aufs Altenteil zurückgezogen.

Stattdessen treten Sie bei den Kommunalwahlen am 13. September erneut an. Sie möchten für die SPD wieder in den Rat, und Sie möchten erneut Bürgermeister von Alt-Remscheid werden. Sie sind 74 Jahre alt. Was treibt Sie an?

Mähler: Sie wissen, ich war Polizist. Ich habe immer gern mit Menschen zu tun gehabt, und ich habe Menschen immer gern geholfen. Ich wollte immer auch etwas bewegen.

Das gilt bis heute. Nur zu Hause sitzen, Däumchen drehen, Fernseh gucken, Bierchen trinken und ansonsten mosern – das war nie meine Sache. Ich habe in den elf Jahren, in denen ich jetzt in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid arbeite, zudem viel Zustimmung erfahren. Und natürlich möchte ich gern erleben, dass etwas von dem, was ich mit angestoßen habe, auch zu einem positiven Ende kommt.

Zum Beispiel?

Mähler: Der Oberbürgermeister möchte das DOC in Lennep eröffnen. Ich möchte erleben, dass wir eine zukunftsfähige Alleestraße bekommen und dass der neue Ebert-Platz fertig wird. Vielleicht gelingt mir das ja.

Zur Person

Ernst-Otto Mähler (74) ist für die SPD Mitglied des Rates und Bezirksbürgermeister im Stadtteil Alt-Remscheid. Der ehemalige Polizeibeamte leitet die Sitzungen der Bezirksvertretung (BV). Als Stadtteilparlament ist sie das wichtigste politische Gremium für die Bürger. Die BV Alt-Remscheid vertritt die Interessen der Menschen in der Innenstadt, in Hasten und im Westbezirk.

Im RGA-Online-Gespräch: Stadtplaner Thorsten Schauz äußert sich zur Zukunft der Remscheider Einkaufsstraße.

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