Kultur

Orgelspaziergang: Jedes Instrument ist ein Unikat

Dieter Leibold, Kantor, von St. Suitbertus, demonstrierte bei Orgelspaziergang das Leistungsspektrum eines Instrumentes. Foto: Roland Keusch
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Dieter Leibold, Kantor, von St. Suitbertus, demonstrierte bei Orgelspaziergang das Leistungsspektrum eines Instrumentes.

Kantoren Dieter Leibold und Ursula Wilhelm luden zum Orgelspaziergang von St. Suitbertus zur Stadtkirche ein.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Orgel, sagt man, sei die Königin der Instrumente. Freilich ist bei dieser Aussage keine Heimorgel oder eine Hammond gemeint, sondern die größte Ausprägung dieses Instrumentes: Die Kirchenorgel. Kirchenorgeln werden speziell für ihren Platz, den sie im entsprechenden Gotteshaus einnehmen sollen, hergestellt, so dass jedes Exemplar ein Unikat darstellt. Es gibt kleinere Kirchenorgeln, verspielte, größere und riesige. Jene Orgel begnügt sich mit Standard-Registern, eine andere hat zahlreiche Spezialitäten im Angebot.

Die Ausprägungen der Kirchenorgeln zeigt sich auch bei einem kleinen Gang von der Kirche St. Suitbertus zur evangelischen Stadtkirche. Der Kircheninnenraum von St. Suitbertus an der Papenberger Straße ist hoch und gewaltig, so dass sich in ihm der Klang der Orgel gut entfalten sollte. Eine Vorführung kann das leicht bestätigen.

Um die Orgelmusik in möglichst vielen verschiedenen Farben zu verdeutlichen, bietet sich die Orgelsonate in c-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy an, einem viertelstündigen Werk, das mit mächtigen Tonkaskaden im „typischen“ Orgelklang beginnt. Regionalkantor Dieter Leibold hat es übernommen, die Sonate zu spielen. Ihm liegt die Vielfalt der Klänge besonders am Herzen. Er weist wiederholt auf die Zungenregister der Orgel hin, die nichts anderes tun, als Blasinstrumente nachzuahmen: Trompeten mit Vorliebe, aber auch Oboen und einige Flötenarten. Mit einer schwer zu durchschauenden Fuge schließt die Sonate.

Die Klais-Orgel in St. Suitbertus wurde 1962 gebaut, verfügt über drei Manuale, 33 Register und etwa 2000 Pfeifen, die kleinste nur wenige Zentimeter groß, die größte hoch wie ein Haus und schwer wie ein mittelgroßer Lkw. „Eine Orgelpfeife ist wie eine Flöte“, weiß der Kantor, „nur dass die Orgelpfeife ausschließlich einen Ton produzieren kann. Durch die unterschiedlichen Register klingt eine Orgel wie ein komplettes Orchester.“

Holzbläserklänge, Trompetenfanfaren, der Klang einer Rohrflöte – kein Problem für den, der weiß, welche Kippschalter am beinahe zwei Meter breiten Spieltisch zu betätigen sind. „Bei den großen Pfeifen hört man auch die Zungen schlagen“. Spricht’s und beweist es, indem er eine der größten Orgelpfeifen, beinahe 5 Meter hoch, im Zungenregister anspielt. Den Ton spürt man im Magen, und man hört die Zunge, deutlich und halblaut. Abschließend erklingen diverse Variationen des Bergischen Heimatliedes, das Leibold gemeinsam mit Ursula Wilhelm spielt, die musikalische Hausherrin der evangelischen Stadtkirche ist.

Größe der Orgel ist nicht unbedingt entscheidend für die Lautstärke

Man erreicht diese nach einem kurzen Gang auf der Alten Bismarckstraße. Die dortige Beckerath-Orgel ersetzte 1981 die alte Instrument von Steinmeyer. Zwei Manuale beherrschen den Spieltisch, auf denen 27 Register zur Verfügung stehen. Die Orgel ist also eine Nummer kleiner als ihre Verwandte in St. Suitbertus, kann dennoch richtig laut spielen und einige besonders filigrane Flötenstimmen erzeugen. Beides beweist die Kantorin.

Ein Stück für große Orgel des hierzulande wenig bekannten Marcel Courtonne zeigt auf, dass die Größe einer Orgel nicht unbedingt ein Beweis für die Lautstärke ist, die sie anschlagen kann. Auf der Orgelempore erklärt Ursula Wilhelm den funktionalen Unterschied diverser Orgelpfeifen anhand einer kleinen Labialpfeife, die wie eine Blockflöte funktioniert und einer Zungenpfeife. Letztere ist mitverantwortlich für die feinen Flötenklänge, die die Orgel produzieren kann und die in zwei Flötenuhrstücken von Joseph Haydn deutlich wahrzunehmen sind. Besonders farbenreich in Gestalt und Klang ist die Orgelmusik von Heinrich Scheidemann.

Und auch der Abschied vom kleinen Gang von Orgel zu Orgel ist gelungen: Die Orgel wird bei einem gespielten Ton abgestellt. Der Ton bleibt, vielleicht noch 15 Sekunden, und schmiert dann zitternd ab, weil ihm die Luft abgedreht wurde.

Hintergrund

Ursula Wilhelm, Kantorin an der evangelischen Stadtkirche und ihr Kollege Dieter Leibold von St. Suitbertus hatten zu einem ökumenischen Orgelspaziergang eingeladen, den 15 Interessierte mitgingen, sich über die Eigenarten der beiden Orgeln in den Kirchen informierten und auch noch Orgelmusik geboten bekamen. Besonders spannend war es, den Organisten beim Spielen zusehen zu können. Die Kombination aus Orgelführung und Gesprächskonzert soll weiterhin stattfinden. Die beiden Kirchenmusiker werden zu wechselnden Themenschwerpunkten Orgeln vorstellen.

Dietmar Wehr stellt bis 2. Oktober in der Zentralbibliothek aus und beantwortet Fragen – Mehrere Fotografien werden zu einem scharfen Bild.

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