Ordnungsdienst kontrolliert die neue Maskenpflicht

Die Bürgerin trägt Maske, das Ordnungsamt hat keinen Grund zur Beanstandung. Auf der Alleestraße und in der gesamten Innenstadt gilt seit gestern Maskenpflicht. Foto: Doro Siewert
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Die Bürgerin trägt Maske, das Ordnungsamt hat keinen Grund zur Beanstandung. Auf der Alleestraße und in der gesamten Innenstadt gilt seit Mittwoch Maskenpflicht.
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Zahl älterer Patienten und schwerer Verläufe nimmt zu – Noch können die Ärzte den Weg des Virus nachverfolgen.

Von Axel Richter

Remscheid. Noch kann das Gesundheitsamt die meisten Infektionsketten nachvollziehen. Für bis zu fünf Prozent der Fälle gilt das allerdings nicht mehr. Und: Die Mitarbeiter, darunter die Soldaten der Bundeswehr und zahlreiche freiwillige Helfer, treffen am Telefon auch zunehmend auf Menschen, die sich auf ihre Nachfragen nicht kooperativ zeigen. Bei Amtsarzt Dr. Frank Neveling wachsen unterdessen die Sorgen: Die Zahl älterer Patienten nimmt wieder zu und damit auch die Zahl der schweren Krankheitsverläufe.

Insgesamt verfügen die Krankenhäuser in Remscheid gegenwärtig über 36 Betten für Coronainfizierte. 22 Betten sind von Covid-19-Patienten belegt. Drei Patienten liegen auf der Intensivstation. Einer von ihnen wird beatmet. „Das ist im Vergleich zum Sommer ein sprunghafter Anstieg“, sagt Neveling.

Mit einer solchen Entwicklung hatte er nicht gerechnet. Es sind Ferien, die Schulen sind geschlossen. Sie gelten zwar nicht als Pandemietreiber, dennoch hatte er gehofft, dass sich das Infektionsgeschehen beruhigt. Nun ist das Gegenteil eingetreten. Die Inzidenzzahl stieg am am Mittwoch auf 87,1. „Wir gehen jetzt auf die 100 zu“, sagt Neveling und sieht mit Sorge dem November entgegen.

Im Gesundheitsamt sind derweil 30 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Infektionsquellen zu identifizieren und die Ansteckungsketten zu unterbrechen. Einige von ihnen sind seit acht Monaten im Dauereinsatz.

„Auch das Rauchen vor Kneipen ist untersagt.“
Viola Juric, Sprecherin des Krisenstabes

Die Stadt hat die Bundeswehr deshalb um eine Verlängerung ihres Einsatzes gebeten. Ursprünglich sollten die zehn Männer und Frauen in Uniform, die Remscheid seit Anfang des Monats bei Abstrichen und bei der Nachverfolgung unterstützen, die Stadt am Freitag wieder verlassen. Doch, sagt Thomas Neuhaus,Vorsitzender des Corona-Krisenstabes: „Ohne sie wären wir schon lange nicht mehr in der Lage, die Infektionsketten nachzuvollziehen.“

Die nehmen ihren Anfang übrigens vor allem in der eigenen Familie oder bei Freunden. Auf einen Restaurantbesuch lässt sich bislang dagegen keine einzige Corona-Neuinfektion zurückführen. Auf Reiserückkehrer dagegen schon. Zur Mitte der Herbstferien erneuert die Stadt deshalb ihren Appell: Wer aus Risikogebieten nach Remscheid zurückkehrt, muss sich beim Gesundheitsamt melden. Tatsächlich kommen viele dem nicht nach. Eine Kontrolle ist schwierig.

Die Einhaltung der Maskenpflicht, die seit Mittwoch in der gesamten Remscheider Innenstadt gilt, fällt da leichter. Der Kommunale Ordnungsdienst war dazu am Mittwoch unter anderem auf der Alleestraße im Einsatz und mancher Raucher erlebte dabei sein blaues Wunder. Denn die Maske darf wohl zum Verzehr zum Beispiel einer Bratwurst abgenommen werden. Nicht aber zum Rauchen einer Zigarette.

„Die Maskenpflicht bedeutet zugleich, dass auch vor Kneipen, Restaurants und Gasstätten das Rauchen untersagt ist“, erklärt Stadtsprecherin Viola Juric. Zur Sperrstunde um 23 Uhr, die die Kneipenwirte umsetzen müssen, kommt damit ein Rauchverbot. Kein Gast darf die Kneipe mehr verlassen, um sich vor der Tür eine anzustecken. Wer es dennoch tut, riskiert ein Bußgeld.

Die uniformierten Ordnungshüter beließen es laut Stadt am Mittwoch noch bei Ermahnungen. Demnächst werden für Verstöße 50 Euro fällig. Aufkleber an Laternen sollen die Remscheider demnächst an das erinnern, was erlaubt und was verboten ist. 

Standpunkt: Die Akzeptanz schwindet

axel.richter@ rga-online.de

Ein Kommentar von Axel Richter

Die übergroße Mehrheit der Remscheider trägt die Maßnahmen im Kampf gegen Corona mit. Doch es gibt Anzeichen dafür, dass die Akzeptanz abnimmt. In ihren Telefongesprächen, die sie zur Kontaktnachverfolgung mit infizierten Personen führen, stoßen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes häufiger auf Ablehnung. Zugleich kommen mehr Reiserückkehrer aus Risikogebieten ihrer Pflicht zur Meldung beim Gesundheitsamt nicht nach. Das Rauchverbot, das die Stadt Remscheid am Mittwoch mit Einführung der Maskenpflicht in der Innenstadt erlassen hat, ist geeignet, die praktizierte Solidarität weiter schwinden zu lassen. Es trifft erneut vor allem die Gäste und Gastronomen der auf dem Stadtkegel komprimierten Alt-Remscheider Kneipenszene. Dabei gilt gerade sie nicht als Infektionstreiber. 

Mit anderen Worten: Nach der Sperrstunde trifft auch das Rauchverbot die Falschen. Bund, Länder und auch die Stadt Remscheid müssen deshalb aufpassen, dass sie mit ihren aktuellen Maßnahmen zur Virusbekämpfung die Loyalität der Bürger nicht aufs Spiel setzen. Die Folgen wären so unkalkulierbar wie das Virus selbst. 

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