Erste Platte

Oliver Gier: „Der Sound hat mich immer fasziniert“

Die Musik von Narciso Yepes, spanischer Gitarrist der Extraklasse, hörte Oliver Gier zunächst nachts im Radio. Dann kaufte er sich die Platte.Foto:Roland Keusch
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Die Musik von Narciso Yepes, spanischer Gitarrist der Extraklasse, hörte Oliver Gier zunächst nachts im Radio. Dann kaufte er sich die Platte.

Oliver Gier unterrichtet an der MKS Gitarre. Kein Wunder, dass auch seine erste Platte damit zu tun hat.

Von Peter Klohs

Es ist kein Wunder, wenn man auf der ersten Platte von Oliver Gier spanischer Gitarrenmusik lauschen kann. Ist der 1962 in Prüm geborene und seit annähend 30 Jahren in Remscheid lebende Gier doch Musiklehrer an der Musik- und Kunstschule an der Scharffstraße. Hauptfach: Gitarre. Alles fing mit seinem Onkel an.

„In der Wohnung meines Onkels“, erinnert sich der Musiklehrer, „stand eine Gitarre, und auf der klimperte ich gerne ein wenig herum. Ich traute mich nicht, meine Eltern nach einer eigenen Gitarre zu fragen. Es ergab sich aber, dass ein Freund von mir zwei Gitarren hatte, also klimperten wir im Duo. Letztenendes jedoch erhielt ich die Gitarre meines Onkels, eine alte Framus mit Stahlsaiten.“ Die klangen ihm jedoch zu hart.

„Der aufkommende Rock der 70er-Jahre ist völlig an mir vorbei gegangen.“

Oliver Gier

„In erster Linie hat mich immer der Sound einer Gitarre fasziniert“, sagt er, „und zwar einer akustischen Gitarre mit Nylonsaiten. Ich hörte damals viel Beatles und Reinhard Mey, Crosby, Stills, Nash & Young und die ganze alte Folk-Riege. Der aufkommende Rock der 70er-Jahre ist völlig an mir vorbei gegangen.“ Auch Klavier hat er gespielt, aber das Instrument hat ihn nicht gepackt.

„Ich habe auch viel Radio gehört“, erzählt Gier. „Ich bin auch nachts aufgestanden, um ein bestimmtes Stück aufzunehmen. Hauptsächlich Musik, die ich selber spielen wollte.“ So kam er zu Narciso Yepes, diesem spanischen Gitarristen der Extraklasse. Gier erstand seine erste Platte im Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr.

Als er merkte, dass er mit seinen autodidaktischen Studien nicht weiterkam, besuchte Gier die Musikschule ebenda. Kaum hatte er dem Lehrer ein paar Töne vorgespielt, wusste dieser: „Du hast die Platte von Yepes.“ Bis heute rätselt Gier, woher der Lehrer dies wusste.

Der Gegenpart von den Beatles, der Folkszene und akustischen Gitarren ist die Minimal-Musik, die Oliver Gier sehr fasziniert. Philip Glass, Steve Reich, Terry Riley – alles bekannte Namen für ihn. Er versinkt in den scheinbar immerwährenden Repetitionen, die sich – wenn überhaupt – nur zögerlich verändern. Man braucht Zeit für diese Musik. „Das ist Musik, zu der man wegdriftet, zugleich aber so nah bei sich selber ist wie selten.“ So entdeckte er den italienischen Neo-Klassik-Komponisten Ludovico Einaudi. Einige dessen Stücke hat er arrangiert, damit er sie gemeinsam mit seiner Ehefrau, die diverse Flöten spielt, musizieren kann. Auch bei dieser Art von Musik ist ihm der Klang wichtig. Als Beispiel nennt er noch die Musik des in Rumänien geborenen György Ligeti.

Dass die Rockmusik nicht seine favorisierte Musikrichtung ist, war zu erwarten. Aber auch in der klassischen Musik gibt es Genres, zu denen Oliver Gier Abstand wahrt. „Von romantischen Opern halte ich mich fern“, sagt er. „Das ist genau so wenig meins wie der freie Jazz. Swing ist okay, aber Free-Jazz langweilt mich schnell. Und die völlig avantgardistischen Komponisten ebenso.“ Mit großer Freude denkt er auch heute noch an einen seiner ersten Konzertbesuche zurück. „Ein Streichtrio spielte in Bad Neuenahr Beethoven. Das fand ich schon große Klasse.“

Als Gitarrist haben ihn die Musiker der „goldenen Zeit“ geprägt. „Das Folk-Picking hatte ich schon recht früh drauf“, sagt er. „Mich haben aber auch Reinhard Mey, Hannes Wader und Peter Horton fasziniert. Beim Studium der Musik fällt eines deutlich auf: Hören und Spielen ist zweierlei.“

Zur Person

Als Musiker gibt Oliver Gier auch Konzerte, allerdings spielt er sehr selten solo. „Das gibt mir nichts“, sagt er und konzentriert sich auf das Spielen im Duo mit seiner Frau, der Flötistin Katja Mahan-Gier, oder mit einem anderen Gitarristen. Auch im Quartett-Format konzertiert Gier gerne. Er und seine Frau bezeichnen sich als Intensivhörer. „Wenn wir Musik hören, meist am Wochenende, dann tun wir nur das und lassen uns dabei nicht ablenken“, sagen die beiden.

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