Pandemie

Okay von Biontech/ Pfizer für siebte Impfdosis fehlt

Mit sogenannten Zero-Residual-Spritzen können sich mehr Impfdosen gewinnen lassen. Foto: Christian Beier
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Mit sogenannten Zero-Residual-Spritzen können sich mehr Impfdosen gewinnen lassen.

Weitere Impfdosis könnte gewonnen werden – Ministerium: Spritzen sind nicht das entscheidende Kriterium.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Das Thema Impfen ist in aller Munde. Täglich erhalten viele Remscheider den mitunter lebensrettenden Wirkstoff von Biontech/Pfizer. Vielen geht das aber nicht schnell genug. Sechs Impfdosen lassen sich aus einem Fläschchen, einem Vial, mit dem Biontech/Pfizer-Wirkstoff gewinnen. Mit sogenannten Zero-Residual-Spritzen könnte sogar noch eine weitere Impfdosis gewonnen werden. Diese Null-Rest-Spritzen sind so konstruiert, dass weniger Wirkstoff in Spritze und Kanüle beim Verimpfen zurückbleibt, weil der Totraum reduziert wird. „Die speziellen Spritzen sollen größtmöglich gewährleisten, dass der Wirkstoff komplett gespritzt werden kann“, erklärt der Remscheider Apotheker und Pressesprecher des Apothekerverbands NRW, Henning Denkler. So könnte künftig eine siebte Impfdosis aus einem Vial gewonnen werden.

Das Ministerium habe erlaubt, diese siebte Impfdosis zu ziehen. Nur vermischt werden dürfen die Reste verschiedener Vials nicht, erklärt Guido Eul-Jordan, Amtsleiter der Feuerwehr Remscheid und verantwortlich für die Impfstrategie der Stadt. „Ich bin froh um jede Spritze mehr und froh um jeden Apotheker, der es schafft, eine siebte Spritze aufzuziehen“, sagt er. Die Verantwortung liege dabei allerdings bei dem zuständigen Apotheker, der die Spritze aufzieht. „Es muss sichergestellt sein, dass es sich bei der möglichen siebten Impfdosis um eine vollständige Einzeldosis mit 0,3 ml handelt“, erklärt Carsten Duif, Sprecher des Gesundheitsministeriums NRW (Mags). Und genau darin sieht Henning Denkler die Problematik.

Remscheid: Spritzen müssen durch das Ministerium geprüft werden

„Die Herstellerfirma liefert eine Verfahrensanweisung mit, nach der der Impfstoff aufbereitet wird. Sie ist zeitgleich ein Rechtsdokument“, erklärt Denkler. Diese Anweisung gelte aktuell für die Herstellung von sechs Impfdosen. Werde eine siebte Impfdosis gespritzt – entgegen der Verfahrensanweisung – könne der Hersteller nicht belangt werden, „weil ja gegen die Anweisung gehandelt wurde. Das ist rechtlich gesehen dünnes Eis.“ Mit einem Beispiel macht Denkler den Sachverhalt deutlich: Sollte ein Patient, der mit einer siebten Dosis geimpft wurde, einen schweren Covid-19-Verlauf durchleben, könne er den zuständigen Apotheker verklagen.

Der Wermelskirchener Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer hatte im Februar eine Diskussion über die Spritzen ausgelöst. Zwar gab es grünes Licht für die Verwendung der siebten Impfdosis, das NRW-Gesundheitsministerium stoppte aber die Verwendung der Zero-Residual-Spritzen. „Zunächst ist eine fachliche Prüfung der Zero-Residual-Spritzen und Autorisierung durch das Mags erforderlich“, erklärt Carsten Duif auf Nachfrage. „Der Einsatz ist daher solange auszusetzen, bis die Frage der Eignung abschließend geklärt ist.“ Grundsätzlich werde vom Land NRW vorgegeben, welche Materialien im Impfzentrum verwendet würden. Denn der Impfstoff und das dazugehörige Zubehör würden zahlenmäßig aufeinander abgestimmt beim Land bestellt, erklärt Eul-Jordan.

Henning Denkler wünscht sich Rechtssicherheit. (Archivfoto)

Um die nötige Rechtssicherheit zu haben, wünschte Henning Denkler sich daher von Biontech/Pfizer eine klare Aussage über die Möglichkeiten. Der Hersteller müsste prüfen, wie und unter welchen Bedingungen eine siebte Impfdosis gewonnen werden könne und eine neue Verfahrensanweisung veröffentlichen.

„Wir hatten das Ministerium – auch Bezug nehmend auf Rückmeldungen einiger unserer Impfärzte in Nordrhein – gebeten, zu prüfen, ob die Zero-Residual-Spritzen im Sinne einer zügigen Durchimpfung grundsätzlich geeignet sind“, erklärt Christopher Schneider, Sprecher der KV Nordrhein.

Carsten Duif erklärt: „Es wurden Unterlagen zu den Spritzen angefordert, um die Eignung und Notwendigkeit der Spritzen sowie die medizinprodukterechtliche Verkehrsfähigkeit prüfen zu können. Erst wenn diese Unterlagen vollständig vorliegen, kann über den weiteren Fortgang entschieden werden.“

Guido Eul-Jordan ist verantwortlich für die Impfstrategie. (Archivfoto)

Einen Punkt stellt das Ministerium klar: Die Entnahme einer siebten Impfdosis hänge ausdrücklich nicht mit den Spritzen zusammen, sondern sei abhängig von mehreren Faktoren, wie den Erfahrungswerten der Pharmazeuten und dem Grad der Überfüllung. „Die Zero-Residual-Spritzen sind somit keine Bedingung für die Entnahme der siebten Dosis.“ Auch die vom Land beschafften Spritzen verfügten gemäß Hersteller über kein Totraumvolumen. Die Basis für Materialbestellungen und für die Terminvergabe in den Impfzentren bilden deshalb weiterhin die sechs Dosen, so Guido Eul-Jordan.

„Die Problematik mit den Spritzen entstand ursprünglich aus der Knappheit und dem hohen Bedarf an Impfstoff“, erklärt Denkler. Bei anderen Impfstoffen wie Astrazeneca stelle sich die Frage nicht, mehr Impfdosen aus einem Vial herauszuholen. „Davon gibt es genug.“

Hintergrund

Ursprünglich – und zunächst vom Hersteller so vorgegeben – sollten nur fünf Dosen des Wirkstoffs zu gewinnen sein, erklärt Guido Eul-Jordan. „Dann haben wir selbst gesehen, dass noch Wirkstoff übrig bleibt.“ Mittlerweile sei es Standard, sechs Dosen zu verspritzen.

Bislang sind rund 5400 Remscheider geimpft. Hier finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Standpunkt: Seltsame Blüten

michael.albrecht@rga.de

Ein Kommentar von Michael Albrecht

Die Bürokratie treibt hierzulande schon seltsame Blüten bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Seit Ende vergangenen Jahres gibt es einen Impfstoff, weitere sind in den vergangenen Wochen hinzugekommen. Es könnte auf Teufel komm raus geimpft werden. Aber erst fehlt der Nachschub, dann kommt ein Impfstoff unberechtigt in Verruf. Und jetzt folgt das Theater um eine siebte Dosis, die aus einem Vial gezogen werden könnte. Statt jede Möglichkeit zu nutzen, um auch den letzten Tropfen Impfstoff zu nutzen, müssen erst einmal die Null-Rest-Spritzen vom NRW-Gesundheitsministerium abgesegnet werden. Und das dauert. Dabei hat sich diese Spritze beim EU-Nachbarn Niederlande längst bewährt. Der schwarze Peter wird vom Ministerium weitergereicht. Die Apotheker sollen verantwortlich sein, wenn sie eine siebte Dosis ziehen. Dass diese das nicht so gerne sehen und Rechtssicherheit wünschen, ist einerseits verständlich. Andererseits geben die Hersteller der Impfstoffe auch keine 100-prozentige Garantie, dass im Falle einer Infektion mit dem Virus diese unproblematisch verläuft. | Okay des Herstellers. . .

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