Sehenswert

Offenes Denkmal: Alte Villa aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Denkmalgeschützt: das Haus Wilhelmstraße 34.
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Denkmalgeschützt: das Haus Wilhelmstraße 34.
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Saniertes Haus in der Wilhelmstraße 34 kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Ehepaar Pannier erfüllt sich einen Traum.

Von Andreas Weber

Remscheid. Einmal im Leben ein Haus von Grund auf sanieren. Andrea Jakob-Pannier und ihr Ehemann René haben sich diesen Wunsch in der Wilhelmstraße 34 erfüllt. Was 2005 bei ihrem Einzug in ihr ebenfalls denkmalgeschütztes Haus in der Büchelstraße 19 nicht nötig war, gönnen sich die Hastener Eheleute in einem 113 Jahre alten Fachwerkhaus gegenüber der Hauptschul-Dependance in Alt-Remscheid.

Am Erkerbogen im frisch sanierten Wohnzimmer: Andrea Jakob-Pannier und ihr Ehemann René Pannier.

Im Mai 2017 erstanden sie das altehrwürdige Gebäude vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF), im Februar 2019 begann der Umbau. „Wir dachten, es wird ein Sprint, letztendlich ist es ein Marathon geworden“, resümiert Andrea Jakob-Pannier. Ein kleiner Seufzer schwingt bei diesem Satz mit, aber keine Bitterkeit. Denn das berufstätige Ehepaar hat seine komplette Freizeit über dreieinhalb Jahre gerne in ein Wohnhaus investiert, das am Ende des Langstreckenlaufs der beiden Käufer ein innen wie außen attraktives Antlitz erhalten wird.

2023 soll ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte der Villa aufgeblättert werden. 1909 errichtete der Kaufmann und Prokurist Gottlieb Rasch das Haus, das die Untere Denkmalbehörde dem Reformstil zuschreibt, „mit deutlichen Einflüssen des Jugendstils und Anklängen des Bergischen Neubarocks“.

Später lebte der Rechtsanwalt Benseler darin. In den 70er Jahren wurde es an St. Marien verkauft. Die katholische Kirche liegt vom Garten des Hauses nur ein paar Meter entfernt. Die Gemeinde richtete in dem Gebäude ihr Pfarrbüro ein. 1996 übernahm der SKF, die Wilhelmstraße wurde zum Frauenhaus. Die frühere Nutzung hinterließ Spuren.

„Statt Sprint wurde es ein Marathon.“

Andrea Jakob-Pannier

Die Panniers als neue Eigentümer waren gefordert, den grundsätzlichen Charakter zu erhalten, trotzdem aber modernen Wohncharakter zu schaffen. Als sie das Haus erstmals betraten, wirkte alles beklemmend eng, dunkel, zugestellt. Allein das Entsorgen des Mülls dauerte Monate.

Dass die Panniers unter mehreren Interessenten den Zuschlag bekamen, lag wohl auch daran, dass sie den Eindruck erweckten, aus der heruntergekommenen Immobilie Schickes machen zu wollen. Obwohl beide keine Handwerker sind, fuchsten sich Andrea und René in die Materie rein. Drinnen wurde alles auf links gedreht, viele Wände versetzt. Alle Heizungsrohre sind neu, die Elektrik rausgerissen.

Aus fünf Wohnungen wurden drei in ebenso vielen Stockwerken. Jeweils 80 Quadratmeter im Erd- und Obergeschoss, weitere 60 qm unter dem Dach. Bei ihrem Marathon biegen Panniers auf die Zielgerade ein und befinden sich in einer Phase, die es erlaubt, das Haus beim „Tag des offenen Denkmals“ interessierten Remscheidern vorzuführen. Hinter ihnen liegt ein Knochenjob mit Aufgabenteilung: „Meine Frau war für die Filigranarbeit zuständig, ich für das Grobe“, fasst René Pannier zusammen. Mit Filigranarbeit meint er die 106 Fenster im Haus, die alle erhalten bleiben mussten. „Pro Fenster kann man 50 bis 100 Stunden veranschlagen“, rechnet René Pannier.

Alle wurden einzeln angefasst, ausgebaut, ausgeglast, neues Glas eingesetzt, ausgehärtet, dreimal gestrichen. Bei der Glaserin Renate Hikl aus Heidenrod holte sich Andrea Jakob-Pannier Tipps und Inspirationen für die liebevolle Detailarbeit, die vor allem bei der verzierten Buntverglasung im Wohnzimmer-Erker und im Treppenhaus viel Geduld erforderte. Die Denkmalbehörde sieht in der Gestaltung der Verglasung Ähnlichkeiten zu den Kirchenfenstern von St. Marien und schreibt diese dem Künstler Wilhelm Pütz zu und die 1970 eingebrachte neuzeitliche Kunstverglasung Winfried Heinrichs.

Ständig befinden sich die Eigentümer im Austausch mit Renate Falkenberg von der Unteren Denkmalbehörde. Das Bauamt warf ein genaues Auge, die Brandschützer ebenso. „Unsere Vorstellungen als Bauherren, Brandschutz und Denkmalschutz übereinander zu bekommen, das erforderte bisweilen innovative Lösungen“, meint René Pannier.

Wie die Fenster, so durften Türen nicht ersetzt werden, bleiben als Deko erhalten. Im Übergang vom Wohnzimmer, geprägt durch den prächtigen Erker mit seiner Bogendecke, die in dem cremefarbenen Ton des Außenanstrichs gehalten ist, zum ehemaligen Salon wird eine alte Tür als Schiebetür fungieren. Auch die Panniers bekamen die Kostenexplosionen beim Baumaterial empfindlich zu spüren. Die OSB-Verlegeplatten zum Beispiel, die vor Corona noch für unter fünf Euro pro Quadratmeter zu erhalten waren, liegen mittlerweile bei 10 bis 12 Euro.

Es gab viele unliebsame Überraschungen auf ihrem langen Weg. Finanziell war es fast ein „Fass ohne Boden“, sagen die Panniers. Gut eine halbe Million steckten sie zusätzlich zu den Kaufkosten in ihren Haustraum. Gelohnt hat es sich. „Wir haben das Schätzchen aus dem Dornröschenschlaf erweckt“, freuen sich die Besitzer. In die untere Wohnung werden Andrea Jakobs-Panniers Eltern einziehen, auch die anderen beiden Einheiten sind vergeben.

Besichtigungen am Denkmal-Tag

Besichtigungen am Tag des offenen Denkmals in Remscheid: Wohnhaus Wilhelmstraße 34 (13 bis 17 Uhr); Feilenfabrik Ehlis, Schlepenpohl 5 (10 bis 17 Uhr); Wohnhaus Königstraße 188 (10 bis 16 Uhr); Röntgen-Geburtshaus Gänsemarkt 1 (11 bis 16 Uhr); Stefffenshammer, Clemenshammer 5 im Gelpetal (11 bis 18 Uhr); Bismarckturm am Stadtpark (12 bis 18 Uhr);

1,5 Stunden Stadtteilführung von „Hasten für Hasten“ in Platz (11 bis 16 Uhr; Treffpunkt: Firma Zache) und Büchel (13.30 Uhr, Treff: Lindenberg-Platz).

Initiativen im Integrationsrat: Denkmal soll an Zuwanderung in Remscheid erinnern

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