„Nette Toilette“ hat nicht funktioniert

Öffentliche Toilette auf der Allee: Lösung noch in diesem Jahr

Vor rund eineinhalb Jahren wurde die öffentliche Toilette auf der oberen Allee abgebaut. Archivfoto: Melissa Wienzek
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Vor rund eineinhalb Jahren wurde die öffentliche Toilette auf der oberen Alleestraße abgebaut.

Die Verwaltung verspricht, bis zur Ratssitzung Anfang Dezember ein Konzept zu erarbeiten.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das leidige Thema einer fehlenden öffentlichen Toilette im Bereich der Alleestraße nähert sich einer Lösung: Bis zur Ratssitzung am 9. Dezember werde die Stadtverwaltung ein tragfähiges Konzept präsentieren, versprachen Baudezernent Peter Heinze und Stadtdirektor Sven Wiertz im Hauptausschuss. Damit könnte eine dann fast zweijährige Geschichte bald enden.

Das Klo auf der Allee wurde erneut zum Thema, nachdem der Beirat für die Gleichstellung der Menschen mit Behinderungen in seiner letzten Sitzung noch einmal nachdrücklich eine Lösung gefordert hatte. Friederike Pohl, Vorsitzende des Beirats, machte deutlich, wie groß das Problem gerade für Gehbehinderte aber auch für Menschen mit Inkontinenz und Familien mit kleinen Kindern sei.

Im März 2020 war die Toilettenanlage auf der oberen Allee nach einem Gerichtsurteil abgebaut worden. Seither bleibe nur der relativ lange Weg zum Klo im Allee-Center, berichtete Pohl. Auch weil die Kundentoiletten im Modehaus Boecker geschlossen seien und die Gastronomen an der Alleestraße ihre Sanitäranlagen nur für Gäste vorhielten.

Es sei völlig unverständlich, warum die Stadt keine Lösung hinbekomme, befand Pohl. „Das kann ja nicht an den Kosten liegen.“ Schließlich sei ja auch Geld da, um das ehemalige Sinn-Gebäude oder die als Gaststätte genutzte ehemalige Tankstelle oberhalb des alten Kinos zu kaufen. „Wir haben das Gefühl, dass andere Dinge hier sehr viel schneller bearbeitet werden“, sagte die Beiratsvorsitzende.

Remscheid: „Nette Toilette“ funktioniert nicht

Tatsächlich arbeite man seit geraumer Zeit an einem Konzept, berichtete Peter Heinze. Die Idee der „Netten Toilette“, bei der Gastronomen und Ladenbesitzer ihre Sanitäreinrichtungen zur Verfügung stellen, habe allerdings nicht funktioniert. Dass die Stadt kein eigenes Klo auf der Allee baut, liege nicht an den Investitionskosten, sagte Sven Wiertz, das Problem sei vielmehr der dauerhafte Betrieb: „Wenn Sie eine Toilette eröffnen, die keine soziale Kontrolle hat, wird sie zerstört.“ Mit städtischen Kräften sei die Kontrolle nicht zu leisten.

Trotzdem nahm die Verwaltung den „mehr als eindeutigen Appell“ (Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz), der zudem vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Markus Kötter („Das Thema muss endlich erledigt werden“) und Jürgen Kucharczyk (SPD) unterstützt wurde, auf und sagte zu, noch in diesem Jahr eine Lösung zu erarbeiten.

Einer Idee erteilte der OB allerdings gleich eine Absage: Kurt-Peter Friese (CDU) regte an, zumindest übergangsweise auf mobile Toilettenkabinen, sogenannte Dixi-Klos, zu setzen. Diese würden vom Verleiher regelmäßig kontrolliert, geleert und gereinigt. Was der Bürgermeister aber angesichts der aktuellen Anstrengungen, die Haupteinkaufsstraße aufzuwerten, nicht so gut fand: „Jetzt, wo wir gerade versuchen, die Allee schöner zu machen, hätte ich damit Bauchschmerzen.“

Standpunkt: Muss nicht schön sein

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Dass viele Dinge in Remscheid länger – um nicht zu sagen; zu lange – brauchen, das haben wir an dieser Stelle schon mehr als einmal kritisiert. Dass es nach über eineinhalb Jahren noch kein neues öffentliches Klo auf der Allee gibt, gehört aber nur auf den ersten Blick in diese Kategorie. Denn zum einen wäre ohne Corona wohl längst die „Nette Toilette“ Wirklichkeit geworden. Und zum anderen scheitert eine neue Sanitäranlage auf der Einkaufsstraße ja nicht an den Anschaffungs- oder Baukosten, sondern daran, dass sie mutmaßlich direkt wieder zerstört würde. Wer sich über das Fehlen der Toiletten ärgert, sollte also nicht auf die Stadt sauer sein, sondern eher auf die Chaoten, die den Betrieb nahezu unmöglich machen. Für Ältere und Gehbehinderte, aber auch für andere, die auf der Allee unterwegs sind und ein Bedürfnis verspüren, ist das aber natürlich kein Trost. Deswegen muss eine schnelle Lösung her, selbst wenn die mit Kosten verbunden ist. Und notfalls auch, zumindest vorübergehend, eine nicht ganz so schöne.

Ein Klohäuschen sorgt für Ungemach in der Hochstraße. Das haben die Stadtwerke für ihre Busfahrer dort aufgestellt. Grund: Am Montag beginnt der Abriss des Betriebsgebäudes auf dem Friedrich-Ebert-Platz, damit verbunden sind neue Endpunkte bei den Buslinien. 

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